Das VdK-Kurzentrum ist dicht, die ehemaligen Mitarbeiter sind sauer. Sauer über die angebotenen Abfindungen, deren Höhe ihrer Meinung nicht zu einem Sozialverband passt. Dagegen wehren sie sich gerichtlich.

"Man hat uns allen eine Abfindung in Höhe eines Gehalts angeboten, und das nur, wenn es alle annehmen", sagt eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen will. "Wir haben das generell abgelehnt, das ist indiskutabel." Auch die Tatsache, dass die Gehälter bis März weiter bezahlt werden, sei als Abfindung verkauft worden. Einen Betriebsrat habe es übrigens nicht gegeben, er sei nicht gewünscht gewesen.


Keine Sozialauswahl

Die betroffenen 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich entschlossen, vor das Arbeitsgericht zu ziehen und sich anwaltlich vertreten zu lassen. Bis auf eine Ausnahme von der Kanzlei RSCW in Schweinfurt. Fachanwalt für Arbeitsrecht Christof Cramer sah schon im Vorfeld Chancen, dass das Gericht bedenken in Sachen Kündigungen äußern wird. Unter anderem sei die getroffene Unternehmerentscheidung nicht eindeutig genug. Auch weise die Massenentlassungsanzeige Fehler auf. Außerdem sei definitiv keine Sozialauswahl getroffen worden.

Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Schweinfurt hat bereits im Oktober 2013 stattgefunden. Eine Einigung sei nicht zustande gekommen, da jedem der betroffenen Mitarbeiter nur ein einziges Monatsgehalt als pauschale Abfindung angeboten worden sei, sagt Cramer. Dies sei vor allem für die vielen langjährigen Mitarbeiter ein unakzeptables Angebot gewesen.

Wenn ein Arbeitgeber Kündigungen ausspricht, so muss laut Cramer sein "Wille zur definitiven Beendigung des Arbeitsverhältnisses im Zeitpunkt des Kündigungsverfahrens" feststehen. Ansonsten seien die Kündigungen unwirksam.


Höhere Abfindung empfohlen

Der VdK habe im Juni 2013 zwar angekündigt, den Mitarbeitern des Bad Kissinger Kurzentrums zu kündigen, gleichzeitig aber deutlich signalisiert, dass das Haus nach Möglichkeit weiterlaufen solle. Das ist laut Christof Cramer keine Schließungs-, sondern eine Weiterführungsabsicht. Das habe auch das Gericht mit der gebotenen Vorsicht zum Ausdruck gebracht und während eines ersten Termins am Mittwoch empfohlen, die Abfindungszahlungen deutlich anzuheben und nach Dauer der Betriebszugehörigkeit zu staffeln. Damit würde eine gerechtere Würdigung der für den VdK erbrachten Arbeitsleistung erreicht. Cramer sieht das als Schritt in die richtige Richtung.

Ein Urteilsspruch fiel am Mittwoch noch nicht, weil erst die weiteren Verhandlungstermine der kommenden Woche abgewartet werden sollen. Doch die dürften nach Ansicht des Anwalts aufgrund des vergleichbaren Sachverhaltes ähnlich verlaufen.

Der VdK Bayern mit Sitz in München will sich vorerst nicht öffentlich äußern, so Pressesprecherin Bettina Schubarth, es handle sich hier um ein laufendes Verfahren.


"Betriebsferien"

Stellung nahm Bettina Schubarth allerdings zu dem Schild "Betriebsferien", das mehrfach zusammen mit einer Telefonnummer, die weitere Auskunft versprach, im Eingangsbereich des VdK-Hauses angebracht war. "Das ist eine unglückliche Art der Kommunikation und wird entfernt", versicherte die Pressesprecherin.

Das VdK Kurzentrum im Marbachweg 2 wurde 1972 gebaut. Eigentümer war und ist der VdK Bayern. Im Juni 2013 hat der Sozialverband beschlossen, das Haus Ende Januar 2014 zu schließen und nach einem Käufer für das 120-Betten-Haus zu suchen. Grund für die Schließung seien die Roten Zahlen gewesen, die das VdK Kurzentrum seit Jahren geschrieben habe. Hinzu sei ein hoher Renovierungsbedarf gekommen, der laut VdK Bayern Millionenbeträge erfordert hätte. Gespräche mit potenziellen Käufern habe es bereits gegeben, bisher allerdings ergebnislos. Man sei weiter auf der Suche nach einem Käufer für das Haus.