"Wir schreiben seit Jahren Rote Zahlen", sagt Bettina Schubarth, Pressesprecherin des VdK Bayern. Hinzu komme ein hoher Renovierungsbedarf: "Wir müssten Millionenbeträge in die Hand nehmen." Und das mit ungewissem Ausgang.

Zwar war 2011 zuletzt in das Haus investiert worden, so Hoteldirektor Bernd Philippi, doch gebe es unter anderem in der älteren der beiden Tiefgaragen Investitionsbedarf. Und es sei absehbar, dass über kurz oder lang auch in Zimmer, Küche, Technik sowie in die Wellness- und Badeabteilung Geld gesteckt werden muss.

Geändertes Urlaubsverhalten

Laut Bettina Schubarth waren die eigenen Erholungshäuser fester Bestandteil in den Anfangsjahren des VdK. Man wollte den Mitgliedern die Möglichkeit zur günstigen Erholung bieten. Doch in den vergangenen 20 Jahren habe sich das Urlaubsverhalten der Mitglieder geändert, während der Standard der VdK-eigenen Häuser eher einfach geblieben sei. Das Kurzentrum in Bad Kissingen wirbt mit drei Sternen.

Subventionierte Preise

Von den anderen VdK-eigenen Erholungsstätten habe sich das Bad Kissinger Haus durch seinen Kurhaus-Charakter unterschieden, sagt die Pressesprecherin. Außerdem habe es hier relativ hohe Belegungszahlen gegeben. "Das ließ sich aber nur machen, weil wir die Preise unterhalb der Wirtschaftlichkeit gehalten haben." Würden die Preise angehoben, würde das Haus auch nicht voll werden, befürchtet der VdK. Über eine Schließung sei nicht erst in jüngster Zeit beraten worden, doch bisher habe man immer wieder weiter subventioniert. Von einer recht guten Auslastung spricht auch Philippi, dennoch habe es Rückgänge gegeben - so wie in anderen Betrieben auch.

Laut Bettina Schubarth sind die rund 50 Mitarbeiter des Bad Kissinger VdK-Kurzentrums informiert worden. Wie vor Ort zu hören war, in der vergangenen Woche. Es werde einen Sozialplan geben. Eine gewisse Erfahrung in dieser Richtung hat der VdK, der schon andere Häuser geschlossen hat. Übrig geblieben waren nur die Einrichtungen in Bad Kissingen und Oberstdorf. Auch letztere muss ihre Pforten schließen.

Hoteldirektor Philippi hofft, das VdK-Haus gemeinsam mit seinen Leuten ordentlich zum Abschluss bringen zu können. Er ist froh über die frühe Information in Sachen Schließung. Der Zeitpuffer biete den Mitarbeitern Chancen, sich frühzeitig zu bewerben.

Verkauf angestrebt

Die Zukunft der Gebäude ist noch offen. Sie sollen laut Bettina Schubarth verkauft werden. Das dürfte allerdings nicht so einfach werden, denn der Gebäudekomplex liegt im Sondergebiet Kurgebiet, und dort sind im Wesentlichen nur Nutzungen im Kur- und Fremdenverkehrsbereich möglich. Gerüchte wollen wissen, dass das Haus den Heiligenfeld Kliniken angeboten worden sei. Diese dementieren jedoch, man habe ohnehin kein Interesse.

Bernd Philippi sieht die Verkaufschancen trotz des Investitionsbedarfs nicht ganz so schlecht. Bad Kissingen werde auch in Zukunft eine gute Destination sein.

Problem für Lieferanten

Dass die Schließung eines Kurhauses nicht nur für Mitarbeiter und Klientel Folgen hat, bestätigt Peter Öhrlein vom gleichnamigen Getränkevertrieb. Er beliefert unter anderem das VdK-Kurzentrum und hat erst am Mittwoch von der bevorstehenden Schließung erfahren. Öhrlein liefert pro Woche 60 bis 70 Getränkekisten an das Haus, da trifft eine Schließung hart. Zumal Peter Öhrlein auch die Medis-Vitalis-Klinik bis zu deren Insolvenz beliefert hatte. "Es geht nicht an die Substanz, aber es schmerzt", sagt Öhrlein, und er weiß, anderen Lieferanten geht es genau so.

Lage Das VdK-Kurzentrum im Marbachweg 2 wurde 1972 gebaut, die Anlage besteht aus vier Gebäuden.

Angebot Das Haus verfügt über 80 Zimmer mit rund 120 Betten, Restaurant, zwei Tiefgaragen, Garten, Terrasse, Sauna und Dampfbad sowie eine hauseigene Wellness- , Bade- und Spa-Abteilung mit medizinischen Angeboten. Eine offene Badekur ist ebenso möglich wie die Abrechnung nach Rezept mit allen Kassen.

Betrieb Buchungen sind nach wie vor möglich. Das VdK-Kurzentrum wird bis zur Schließung im Januar 2014 voll weiter betrieben und steht sowohl VdK-Mitgliedern, die den Großteil der Gäste ausmachen, als auch jedem anderen Interessenten offen.