Im großen Saal des Hotels Sonnenhügel in Bad Kissingen gaben sich am Mittwochvormittag Vertreter aus dem öffentlichen Leben, der Politik und der Wirtschaft die Klinke in die Hand. Der Grund war der Neujahrsempfang des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG). Heinz Stempfle, BHG- Kreis- und Bezirksvorsitzender, ging in seiner Rede darauf ein, dass die Gewinne der Branche in dem vergangenen Jahr geringer ausfielen als in den zehn Vorjahren.

Die Gründe dafür seien vielseitig. In Zeiten von Krisen, Konflikten oder Krieg im Ausland gehen laut Stempfle die Auslandsreisen zugunsten der Inlandsreisen zurück. Davon habe die Branche profitiert. "Spätestens seit vergangenem Jahr scheint sich aber die politische Lage zumindest aus der Sicht deutscher Urlauber wieder beruhigt zu haben - was an der wieder steigenden Zahl der Auslandsreisen ablesbar ist", merkte Stempfle an. Die Folge für den Inlandstourismus könnten sinkende Übernachtungszahlen sein, die auch zu einem Minus an Gästen in der Gastronomie führen. "Wir müssen noch mehr leisten, um die gestiegene Gästezahl auf Höchstniveau halten zu können", mahnte der Bad Kissinger Hotelier.

Positive Ansätze dazu gibt es laut ihm bereits. Darunter das neue Berghaus Rhön, das geplante Naturerlebniszentrum am Klaushof, die Modernisierungen an den kleinen und mittleren Hotels - aber auch Großprojekte wie das geplante 130-Zimmer Hotel an der Kisssalis-Therme. Durch solche Attraktionen würden sich neue Zielgruppen erschließen lassen. "Diesen Weg müssen wir gemeinsam weitergehen", forderte Stempfle. Eine Chance für den Inlandstourismus sieht der 80-Jährige Gastronom in der Erhöhung der Luftverkehrsabgabe zum April diesen Jahres. Damit will die Bundesregierung einen Anreiz für umweltfreundliche Verkehrsmittel für den Kunden schaffen. "Dadurch könnte der erst kürzlich wieder erstarkte Auslandstourismus erneut zurückgehen, was sich dann wiederum positiv auf unseren Inlandstourismus auswirken könnte", erklärte Stempfle den Hintergrund. Dabei handele es sich jedoch um Spekulationen.

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) äußerte sich deutlicher: "Bad Kissingen war, ist und wird weiterhin ein beliebter Tourismusort sein." Einen Grund dafür sieht der Rathauschef in der Unesco-Weltkulturerbeberwerbung, die sich laut ihm derzeit auf der Zielgeraden befindet: "Im Juli 2020 soll die Entscheidung fallen." Blankenburg rechnet mit einem positiven Ergebnis für die Kurstadt. "Damit erschließen wir eine neue, gute Gästegruppe für Bad Kissingen."

Ein dauerhaft aktuelles Thema, das das Stadtoberhaupt ansprach, war das Kurhaushotel. Eine konkrete Aussage gab es beim Neujahrsempfang zwar nicht, dennoch scheint sich etwas in der Angelegenheit zu bewegen. "Ich freue mich, sagen zu dürfen, dass es mehr als hoffnungsvolle Ansätze gibt", sagte Blankenburg.

Touristische Chancen bietet für ihn auch über die Stadtgrenze hinaus das Naturerlebniszentrum am Klaushof mit der Außenstelle in Hammelburg, das laut Blankenburg Urlauber in die Region ziehen soll, die auf der Suche nach einem unverfälschten Naturerlebnis sind.

"Wir haben das Thema Arten- und Klimaschutz als Teil des Biosphärenreservats seit nahezu 30 Jahren auf dem Schirm. Das Naturerlebniszentrum mit der Außenstelle, ist eine hervorragende Chance das weiter zu tragen", fügte Landrat Thomas Bold (CSU) an. Das Wander- und Radwegenetz wachse derzeit. "Dafür brauchen wir eine gastronomische Infrastruktur um als solche Region etabliert zu bleiben", betonte Bold. Davon, dass die Rhön touristisches Potenzial hat, ist Manuela Rottmann (B90/die Grünen, MdB) ebenfalls überzeugt. Dennoch müsse die Gastronomie sich mit ihren Angeboten auch an die Einheimischen richten. Ein Punkt, welcher der promovierten Juristin am Herzen liegt, ist das Kneipensterben in der Region. Die Ursachen darin sieht das Bundestagsmitglied beispielsweise in Personalproblemen. Das sahen Sandro Kirchner (MdL, CSU) und Bezirksrätin Karin Renner (CSU) ähnlich. Eine weitere Ursache ist für Rottmann die überbordende Bürokratie. "Diese Pflichten müssten am Umsatz und der Betriebsgröße festgemacht sein", meint sie. Dadurch ließe sich die Situation gerade für kleine Betriebe entspannen.

Im Markt Burkardroth gibt es seit kurzem einen Trendwandel: Dort haben nach mehreren Jahren des Leerstands zwei neue Gaststätten eröffnet. "Darüber freue ich mich wahnsinnig - eine Gaststätte muss eigentlich im Ort sein", meint Bürgermeister Waldemar Bug (ödp). Im Streckennetz des Mountainbike-Konzepts und dem neuen Wanderweg "Waldfensterer", der im Frühjahr eröffnet werden soll, sieht Bug touristische Attraktionen für den Markt Burkardroth.