"In meiner Klasse sind um die 120 Kinder und Jugendliche zwischen neun und 20 Jahren. Sogar eine Frau mit 33 Jahren ist dabei", erzählt Katrin Lutz. Die Ebenhäuserin arbeitet seit Mitte August für ein Jahr als Missionarin auf Zeit in einer Schwesternstation. "Bei Tests tauchen immer wieder neue Namen auf. Ich mag meine Klasse und lasse viel übersetzen."

Katrin Lutz erzählt, dass in sechs von acht Klassenräumen die Kinder auf dem Boden sitzen, in zweien gibt es Bänke. Der Lehrer steht auf einem Podest, eine schwarz gestrichene Wand dient als Tafel. Fast kein Kind bekomme in dieser staatlichen Schule ein Buch. " Jetzt bin ich schon vier Monate in Malawi in Südostafrika und sitze in dem kleinen Dorf Guillemme nahe der Grenze zu Sambia und Mosambik im warmen Herzen Afrikas." So beschreibt es Katrin Lutz, die im Frühjahr ihr Abitur abgelegt hatte. "Im Großen und Ganzen geht es mir ganz gut", bilanziert sie, nachdem die Verständigung mit den Einheimischen immer besser klappt.

"Unser Dorf hat zur Primary- und Secondaryschule für Mädchen und Jungen ein Internat (Boarding) mit sechs Dorms (einfachen Steinbauten) für je 60 Kinder. Morgens um 5.30 Uhr beginnt meine Arbeit." Sie weckt die Kinder. Mitschwester Anna-Michelle schickt die Kinder zum Frühstück. "Nach Schule und Mittagessen - wir kochen uns das meist selbst - helfe ich im Internat", erzählt Katrin Lutz. Vor 60 Jahren war dieses von einem kanadischen Orden gegründet worden. Inzwischen arbeiten dort nur noch malawische Schwestern. Das Internat sei relativ teuer.

Zudem gibt es das Haus der Boarding-Mama: "Eine total liebe Frau, die immer für alle da ist, vorausgesetzt wir finden sie. Ein Bereich ist die Küche mit großen Töpfen und immer total verqualmt. Da hält man es nicht lange aus. Das Essen selbst finde ich total lecker." Morgens gibt es Phala (Reis-Porridge), mittags und abends Nsima (Brei aus Maismehl) mit Kohl oder Bohnen. Einmal in der Woche stehen Fleisch, Fisch oder Eier, sonntags Reis, Tee und Brot im Programm.

"Zum Internatsbereich gehören Waschplatz, auf den die Kinder von morgens bis abends Wasser pumpen, um ihre Klamotten zu waschen, Garten, Lager und Büro, in dem auch unser Häuschen untergebracht ist", ergänzt Katrin. "Wir haben je ein Zimmer sowie zusammen einen Ess- und Arbeitsraum mit Internet." Über einen Innenhof erreicht man ein Open-Air-Waschbecken mit Vogelnest darüber, dann Toilette und Dusche, die am Anfang mit Moskitos besiedelt waren. "Die Kommunikation ist nach wie vor ein großes Problem. Das Englisch der Kinder ist noch schlecht." Katrin Lutz' Chichewa reicht inzwischen für Small-Talk und Einkauf auf dem Markt.
Wichtig findet sie die Wochenenden, wenn mit anderen Missionaren auf Zeit Touren unternommen werden. Daneben versucht sie viel vom malawischen Leben zu erfahren. Oft sei Wasser knapp: ein Eimer als Vorrat, fünf Tassen für eine Kurzdusche. "Am meisten beeindruckt hat mich eine Beerdigung", erzählt Katrin Lutz. "Wir banden uns einen Chitenje (Art Tuch) auf den Kopf. Erst wurden wir als Weiße etwas belacht, am Ende aber gelobt für diese Form der Anteilnahme. In einem kleinen Raum waren viele Frauen, die sangen und klatschten. Die Gemeinschaft war spürbar."

Ein Schock sei ein Besuch der Hauptstadt Lilongwe gewesen. "In riesigen Einkaufsgeschäften, in denen fast nur Weiße und Schwestern sind, gibt es alles. Ich kam mir vor wie in einer anderen Welt. Ich wollte nur weg, zurück in mein ruhiges kleines Dorf", sagte Katrin Lutz.

Viel Pläne hat sie noch. Daher beschleicht sie das Gefühl, die Zeit renne ihr davon: "Ich möchte einen traditionellen Doktor besuchen, in eine malawische Disco gehen und ein Huhn schlachten. Wahrscheinlich bin ich noch viel schneller zu Hause als ich denke." Weihnachtsstimmung bei Glühwein komme dagegen überhaupt nicht auf.