Abends in Bad Kissingen: 49 junge Musikerinnen und Musiker aus dem gesamten unterfränkischen Regierungsbezirk versammeln sich am gemeinsamen Abfahrtspunkt. 13 Stunden Busfahrt durch die Nacht liegen vor ihnen, was sie genau dort erwartet, ahnen die meisten zu diesem Zeitpunkt noch nicht in vollem Umfang. Viele Proben sind angekündigt, auch gemeinsam mit französischen Musikern, diverse Aktivitäten und ein Konzert in der Kathedrale von Lisieux. An dessen Ende wird das Orchester mit Standing Ovations belohnt, was einer der Gründe ist, warum Veranstalter und Teilnehmer am Ende der Fahrt eine insgesamt positive Bilanz ziehen.

Doch bis dahin war es für das Bezirksjugendblasorchester Unterfranken ein weiter Weg. Die organisatorische Leitung lag in Händen des Orchestersprechers Thomas Morche. Unterstützt wurde er hier durch das Partnerschaftsbüro der unterfränkischen Regierung. Bei der Suche nach einer passenden Unterkunft und französischen Partnern waren die engagierten Mitarbeiter hier (und auch im französischen Pendant) eine große Hilfe. So konnte Kontakt zum Konservatorium für Musik und Tanz in Lisieux hergestellt werden.

Gemeinsame Proben

Mit dem Blasorchester des Konservatoriums unter der Leitung von Dimitri Robinne fanden gemeinsame Proben statt, und auch der zweite Teil des Konzertes wurde gemeinsam bestritten. Für die unterfränkischen Musiker stellte dieser musikalische Austausch sowohl eine großartige Erfahrung, als auch eine große Herausforderung dar. Eine Probe in einer Mischung zwischen englisch, französisch und deutsch war für Viele Neuland. Gleichzeitig konnten erste Kontakte mit den französischen Partnern gemacht werden. Vertieft wurde der Austausch noch durch weitere gemeinsame Programmpunkte. Die Unterkunft der deutschen Musikerinnen und Musiker war in der Stadt Courseulles-sur-Mer, diese liegt 20 Kilometer nördlich von Caen direkt an der Atlantikküste. Unvergesslich wird dem Orchester das Geschrei der Möwen im Hintergrund bei den Proben bleiben, auch spontane Spaziergänge durch das Watt oder das Baden im Meer an den warmen Tagen waren sehr beliebt und haben zu einer angenehmen Probenphase beigetragen.

Die musikalische Verantwortung trug bei dieser Arbeitsphase des Bezirksjugendblasorchester Adrian Blümm, der Kreisdirigent von Rhön-Grabfeld. Er sprang kurzfristig für den Bezirksdirigenten Andre Degand ein, der leider absagen musste. Er übte in den intensiven Proben das noch von Degand ausgesuchte Programm mit dem Orchester ein, das von Marsch bis Musical reichte und eine große Bandbreite der sinfonischen Blasorchesterliteratur abdeckte.

Geschichtliches Zusatzprogramm

Neben der musikalischen Arbeit durfte auch ein gewisser Anteil an Zusatzprogramm nicht fehlen. So besuchten die jungen Unterfranken das Mémorial in Caen, bei dem der D-Day, die Landung der Alliierten in der Normandie zur Befreiung Europas von der nationalsozialistischen Herrschaft, und dessen Vorgeschichte intensiv beleuchtet wurde. Auch wurden Bunkeranlagen der deutschen Besatzer besucht, die im Calvados in großer Zahl zu finden sind. In Courseulles-sur-Mer selbst, dem Unterkunftsort des Orchesters, sind vor 75 Jahren die Kanadier gelandet.

Bei einer Führung in Lisieux wurde den jungen und jung gebliebenen Musikern die örtliche Heilige Sainte Thérèse näher gebracht, der u.a. die beeindruckende Basilika in Lisieux gebaut wurde. Sportlich ging es beim Strandsegeln zu.

Das ursprünglich geplante Kajak-Fahren im Meer musste wetterbedingt kurzfristig ausfallen, als Alternative bestiegen die Musiker dreirädrige Gefährte mit Segel, in denen man in teilweise hoher Geschwindigkeit über den Wattboden "segeln" kann. Eine große Ladung Sand und Spritzwasser für jeden blieb hierbei nicht aus. Das Freizeitprogramm rundeten eine Wanderung durch die nähere Umgebung und auch ein Besuch im Hochseilgarten ab.

Konzert in der Kathedrale von Lisieux

Mit Spannung erwarteten die Teilnehmer den großen Höhepunkt der Woche: Das Konzert in der Kathedrale von Lisieux gemeinsam mit den französischen Musikern. Die Kathedrale ist ein sehr beeindruckender voluminöser Bau im gotischen Stil. Der lange Nachhall erforderte einige musikalische Anpassungen, gerade auch was die Lautstärke angeht, die aber die deutschen Orchestermitglieder gewissenhaft umsetzten, so dass ein gutes Gesamtergebnis erzielt werden konnte.

Den Unterfranken wird dieses Konzert aufgrund der beeindruckenden Kulisse, dem Zusammenspiel mit den Musikern aus dem Departement Calvados und dem musikalischen Erlebnis mit Sicherheit lange in Erinnerung bleiben.