Um den bisher schlecht zugänglichen Waldfensterer Forst besser erschließen zu können, werden im Rahmen einer Flurbereinigung Wege neu angelegt oder verbreitert, Flächen zusammengelegt und Wasserabläufe gebaut. Dies sorgt für Unmut bei manchem Bürger des Marktes Burkardroths.

"Das ist übertrieben. Es gibt kaum noch Landwirte hier, warum muss da so ein Wegenetz angelegt werden?", fragt sich ein Bürger, der namentlich nicht genannt werden wollte. Auch Anlieger sind nicht zufrieden: "Ich bin bisher immer dahin gekommen, wo ich hinwollte. Dadurch wird das ganze Gebiet jetzt für jeden befahrbar." Der örtlich Beauftragte im Bereich des Waldfensterer Forsts, Johannes Schlereth (zufällige Namensgleichheit mit dem Autor), hält die Flurbereinigung dagegen für eine einmalige Chance: "90 Prozent der Kosten trägt der Freistaat, der Markt Burkardroth, und die Jagdgenossen steuern auch Gelder mit bei. Auf die Anlieger kommen lediglich zehn Prozent." "Die Flurbereinigung gibt es seit den 1970er Jahren", informiert er. "Zuerst wurde die Dorfflur bis 2016 bereinigt, und seit Juli diesen Jahres haben die Bauarbeiten im Waldfensterer Forst begonnen."

Keine offenen Widersprüche

Trotz der Skepsis mancher Bürger gäbe es aktuell "keine offenen Widersprüche". "Wir wollen keine Fahrtrasse für den Durchgangsverkehr schaffen, weshalb Teile des Wegenetzes auch Grünwege bleiben werden", teilt Schlereth mit. Gelingen soll das unter anderem auch durch eine bessere Wasserableitung. "Bisher war das im Frühjahr schwierig, das Schmelzwasser hat uns den Schotter bis zu 100 Meter in den Wald gespült." Die Wasserläufe sollen im Rahmen der Flurbereinigung zu befestigten Furten werden. "Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Zunächst gelingt es uns, damit das Wasser besser abzuleiten, und außerdem sind sie mit einem normalen Auto nur schwer zu queren." Es sei wichtig hier keinen "Autobahnverkehr" zu haben. "Das sind hochsensible Flächen: Naturschutzgebiet, Flora-Fauna-Habitat, Natura 2000 und noch mehr", begründet Schlereth. Um diese Vielfalt zu bewahren, wurden für den Zeitraum der Arbeiten Schutzzäune um Bäume in Trassennähe aufgestellt. "Wir haben das komplette Areal abgelaufen, jeder betroffene Baum hat ein individuelles Schutzkonzept bekommen", teilt der Ortsbeauftragte mit. Für manche Bäume sei dieses jedoch zu hinterfragen, weil es sich bereits um Totholz handelt, das keine Nisthöhlen aufweist oder der Gesundheitszustand des Baumes kritisch zu beurteilen sei.

"Es war ein kompromissorientiertes Arbeiten", äußert sich Wolfram Zeller von den Bayerischen Staatsforsten (BSF), denn von der Flurbereinigung ist auch ein Gebiet des Staatswaldes betroffen. "Der Spagat war, alte Bäume zu schützen, und gleichzeitig Dinge wie Kurvenradien einzuhalten." Die Arbeiten im Gebiet der BSF bereiteten zuweilen Kopfschmerzen, handelt es sich hierbei um einen Wald der Klasse 1. Wälder dieser Qualität sind durch ihr hohes Alter von bis zu 300 Jahren gekennzeichnet. "Unser Gebiet wurde sogar als potenzieller Teil der Kernzone vorgeschlagen, weil es sich hierbei um einen Buchenmischwald in der beginnenden Zerfallsphase handelt. Das ist sehr selten und stellt die Vorstufe zum Urwald dar", begründet Zeller. Das Befahren der verbreiterten Wege sei kritisch zu bewerten. "Jedes Kettenlaufwerk, das über den Wurzelraum läuft, verdichtet den Unterboden, egal ob es sich dabei um den Wegesrand oder eine Rückegasse handelt." Durch das Befahren kann es zu Wurzelschädigungen kommen, die bis zum Absterben des Baumes führen können.

Kommunikation war wichtig

"Wir mussten daher alle Arbeiten genaustens abklären", blickt Schlereth zurück. Mit im Planungsboot waren unter anderem das Wasserwirtschaftsamt, die Obere- und Untere Naturschutzbehörde, die BSF, das Amt für ländliche Entwicklung sowie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. "Die Absprachen waren sehr konstruktiv." Um Eingriffe in die Natur auszugleichen, einigten sich die Beteiligten darauf, zwei Hektar Fichtenwald zu einem Mischwald umzubauen.

Nachhall der Vergangenheit

Vor Probleme stellten die Flurbereiniger manche Eigentumsrechte. "Man müsste eigentlich davon ausgehen können, dass Grundbücher laufend fortgeführt werden. Wir hatten einige Fälle, da war als letzter bekannte Aufenthaltsort New York angegeben. Das waren Auswanderer, die in Amerika ihr Glück gesucht haben." Lässt sich kein Eigentümer ermitteln, wird ein Vormund eingesetzt. "Anschließend kann es zum Verkauf der Fläche kommen, wenn das Geld nicht abgerufen wird, geht es letztlich an den Staat", gibt Schlereth Einblick in die Hürden einer Flurbereinigung.

Zahleninfo:

10 Tonnen Achslast können die neuen Wege im Waldfensterer Forst tragen.

160 Hektar groß ist das von der Flurbereinigung betroffene Gebiet.