Die Bahn ist zugewachsen und kaum noch zu erkennen, die Brücke steht schief und verrostet im hohen Gras - die Bad Kissinger Minigolfanlage an den Tennisplätzen ist Geschichte. Doch wer hip sein will, spielt heutzutage sowieso Adventure-Golf. Bei einem Pressetermin wurde der Entwurf der geplanten Anlage vorgestellt.

Was sich so abenteuerlich anhört, ist es auch: Adventure-Golf ist eine spezielle Art von Minigolf, bei der das Spiel durch verschiedene bauliche Elemente hindurchführt. Ein Wasserrad, Tunnel, Brücken, ein Floß und sogar einen kleinen Wasserfall sieht der Entwurf für die Bad Kissinger Anlage unter anderem vor. Erstellt hat ihn die Firma Tour Green, die sich seit 30 Jahren auf das Gestalten von Golfplätzen spezialisiert.

Vorgesehen für das sportliche Abenteuerland ist ein Grundstück in der Lindesmühlpromenade im Luitpoldpark, genauer gesagt neben dem Wasserwirtschaftsamt, gegenüber des Tennisplatzes. Im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen, im Sommer 2019 bereits die ersten Bälle rollen. Eigentümer der vorgesehene Fläche ist der Freistaat Bayern, vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt, welches das Areal wiederum an die Staatsbad GmbH verpachtet hat. Die Firma Tour Green ist Unterpächter. "Eine sehr verworrene Konstellation", sagt Geschäftsführer Bodo Korczynski lachend.


Mindestens 350 000 Euro fürs Adventure-Golf

Das Konzept der Anlage sei zwar noch nicht komplett durchkalkuliert, die Ausgaben dafür werden sich aber voraussichtlich auf mindestens 350 000 Euro belaufen und komplett von Tour Green übernommen. "Wir investieren in Bad Kissingen", sagt Korczynski. Die alte Minigolfanlage sei für das Konzept prädestiniert und so könne eine bisher brachliegende Fläche wieder aktiv genutzt werden.

Die ersten Gespräche darüber gehen bis in den Herbst zurück, damals noch mit dem ehemaligen Kurdirektor Frank Oette. Seine Nachfolgerin Sylvie Thormann ist sich mit Blick auf den Entwurf sicher: "Die Anlage fügt sich wunderbar in den Park ein. Außerdem greifen die Wasserläufe das Thema Heilwasser wieder auf." Die Bauskizze sei auch mit der Bad Kissinger Kurgärtnerei abgesprochen, um den aktuellen Baumbestand integrieren zu können, erklärt Matthias Lotz, Leiter des Gebäudemanagements der Staatsbad GmbH.

Nach der ersten Vorstellung des Entwurfes geht es nun an die Planung der einzelnen Golfbahnen. Dafür möchte Bodo Korczynski Elemente mit einem historischen Bezug zu Bad Kissingen ergänzen. Besonders wichtig sei den Planern aber, der neuen Anlage einen Wohlfühl- und Ruhecharakter zu verleihen. Für Eltern oder Großeltern, die selbst keine Lust aufs Golfen haben, aber die Kinder und Enkel beim Bälleschlagen im Blick behalten wollen, sind mehrere Ruhezonen angedacht. Allgemein achte das Team von Tour Green darauf, die Anlagen parkähnlich zu gestalten und sie naturbelassen in das bestehende Gelände einzubinden. Die Anlage soll zudem während der Nacht beleuchtet sein und bis 22 Uhr geöffnet bleiben.


Pflegeleichte Bahnen für neue Golfanlage

Nach fünf bis acht Jahren wäre der Austausch einzelner Elemente möglich, um die Attraktivität für Besucher aufrechtzuerhalten. Die Bahnen seien außerdem absolut pflegeleicht, versichert Bodo Korczynski. "Das einzige Problem hier ist das Laub. Das werden wir regelmäßig abblasen müssen." Zusätzlich seien Laubsammelzonen auf dem Gelände geplant. "Wenn alles schick und sauber bleibt, ist die Anlage auch nur zum Hinschauen ein Genuss." Die Anlage werde ein Unikat, da Tour Green ihre Entwürfe nie zweimal umsetze.

Die Adventure-Golfanlage solle aber dem bestehenden Golfclub keine Konkurrenz machen. "Ich sehe das viel eher als eine Ergänzung zum Golfplatz, als eine Art Symbiose", meint der Dritte Bürgermeister Thomas Leiner (CSU). Eventuell hätten manche Besucher so viel Spaß auf der neuen Anlage, dass sie sich auch am "normalen" Golf ausprobieren möchten.

"Golf hat lange einen elitären Touch gehabt", erzählt Bodo Korczynski. "Das hat sich aber extrem gewandelt." Es gebe mittlerweile viele junge Spieler und in den meisten Golfclubs seien auch keine Aufnahmegebühren mehr fällig. Fürs Adventure-Golfen sei die Zahl des Handicaps sowieso nicht ausschlaggebend. "Bei uns kann jeder spielen."