Was er da beschrieb, war der Liednachmittag im Schmuckhof, der schließlich nur deshalb stattfinden konnte, weil Semion Skigin mit Daniel Kotlinski und der eilends aus Berlin anreisenden Julia Novikova ein Ersatzprogramm zusammenbastelte. Und zur Überraschung aller wurde das ein höchst vergnüglicher Nachmittag - zumindest für die, die einen Platz im Schatten ergattert hatten.

Auch für die beiden Singenden, die sich von der Begeisterung des Publikums tragen ließen und zusehends frei wurden, die Stimmen öffneten. Das Programm war aber auch danach; es war zumindest nicht ständig vom Tod die Rede. Martinis vorromantischer Schleicher "Plaisir d'amour" war ebenso dabei wie Rossinins "La calunnia" oder Puccinis "Quando m'en vo". Und da war - viel zu selten - ein russischer Block: wunderbar gesungen, aber völlig unverständlich. Natürlich hätte man über die Lieder gerne etwas mehr gewusst als: Wenn's raufgeht, ist's Liebe, wenn's runtergeht, Tod. Dass Tschaikowskys "Solovej" Nachtigall bedeutet, wissen wir schon aus anderen, zumeist abgesagten Programmen. Bei Rachmaninoffs von Julia Novikova elegant gesungener "Vocalise" gibt's keine Textprobleme.

Ein bisschen problematisch war nur der Beginn - für beide. Wenn die Stimme ihren Sitz noch nicht gefunden hat wie bei Novikova oder die normale Nervosität das Tremolo verstärkt wie bei Kotlinski, dann sind Händels "Piangerò" oder Scarlattis "O cessate di piagarmi" eigentlich verschenkt. Tostis "Ninon", Mozarts "Giunse alfin" und noch einmal das köstliche Duett "La ci darem la mano" gab's als Zugaben.