Das Personal-Karussell beim Landschaftspflegeverband (LPV) dreht sich weiter: Nach einjähriger Vakanz kam im Herbst 2016 Aglaia Abel als neue Geschäftsführerin, im Dezember 2018 ging sie in Elternzeit. Einspringen sollte Dorothea Thielen, die allerdings nur von November bis März da war und dann zum Landkreis Fulda wechselte. Seit Anfang Oktober ist nun Umwelt-Ingenieur Jan Hochstein als Fachkraft unbefristet eingestellt. Ihn hat der Landkreis aus der hessischen Rhön abgeworben. "Wir sind froh, dass wir jemanden gefunden haben, der gleich loslegen kann", sagt Landrat Thomas Bold (CSU), der gleichzeitig Vorsitzender des LPV ist. Und: Demnächst soll eine zweite Stelle geschaffen werden, denn: Seit kurzem steht fest, dass Aglaia Abel nicht zurück kommt.

Der LPV stellt Förderanträge und sorgt für die Landschaftspflege im Landkreis. "Wir sind einer der aktivsten in Bayern", betont Bold. Alleine im vergangenen Jahr wurden rund 90 Anträge mit einem Gesamt-Volumen von rund 550 000 Euro gestellt. 68 Land- und Forstwirte sowie Schäfer bearbeiten rund 200 Hektar - vom Entbuschen von Hängen bis zum Mähen von Feucht-Biotopen. 232 Mitglieder und 345 000 Euro Rücklagen hatte der Verband in der jüngsten Mitglieder-Versammlung.

Landrat Bold berichtete, dass die Untere Naturschutzbehörde (UNB) mittlerweile die Geschäftsführung des LPV übernommen habe. Die Fachbehörde musste heuer auch einspringen, um trotz der Vakanz möglichst viele Projekte auf den Weg zu bringen. Außerdem habe Verwaltungsangestellte Uschi Przybilla viel dazu beigetragen, dass trotz fehlender Fachkraft Anträge gestellt werden konnten. "Wir haben heuer etwa zwei Drittel des üblichen Volumens", berichtet Matthias Endres, neuer Leiter der Unteren Naturschutzbehörde.

Vorstand bewilligt zweite Stelle

Laut Bold seien die Sommermonate noch der günstigere Zeitpunkt für die Vakanz gewesen: "Bei den Mäharbeiten haben die Trupps viel Routine, die Entbuschung jetzt im Winter ist aufwendiger in der Betreuung." Es gebe viel aufzuarbeiten für Jan Hochstein: "Die Trupps müssen jetzt raus und müssen arbeiten", sagt der LPV-Vorsitzende, und: "Wir hoffen, dass wir heuer auch noch möglichst viele Anträge durchbekommen."

Damit es solche Engpässe wie bereits 2015 oder wie jetzt im Sommer nicht noch einmal gibt und keine Fördergelder verloren gehen, soll schnell eine zweite Vollzeit-Stelle besetzt werden. "Der Freistaat gewährt den Landschaftspflegeverbänden neu bis zu 40 000 Euro Verwaltungskostenzuschuss, außerdem haben wir genügend Rücklagen", betont Bold. Der Vorstand habe beschlossen, eine zweite Fachkraft unbefristet einzustellen: "Wir können noch deutlich mehr machen im Landkreis", gibt Bold als Devise aus.

Jan Hochstein ist 2017 nach Bad Brückenau gezogen. "Das war Zufall", berichtet der 35-Jährige. In der Langen Rhön habe er einmal Urlaub gemacht, sonst kannte der Sauerländer das Biosphärenreservat nicht. 2017 fing er dann in der hessischen Rhön als Natura-20000-Manager an. "Ich war für die Maßnahmen-Umsetzung zuständig", berichtet er von einer ähnlichen Tätigkeit wie beim LPV. Die erste Wohnung in Bad Brückenau, die er besichtigte, sagte ihm sofort zu: "Ich bin kein Stadtmensch, ich mag den ländlichen Raum", sagt er, und: "Ich gehe gerne im Sinntal spazieren."

Und was gefällt ihm an der Region? "Die Rhön bietet auf einem relativ kleinen Gebiet alles an Arten, was Deutschland auszeichnet." Zudem sei das Mittelgebirge vielfältiger als seine Heimat, vor allem gebe es mehr unbewaldete Gebiete als im Sauerland. Auch die Trockenrasen und die ehemaligen Weinberge im Saaletal und seinen Nebentälern haben es ihm angetan.

Biotop an der Schwarzen Pfütze

Peter Piel und weitere Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde weisen Jan Hochstein nun ein: Eine der ersten Fahrten ging zum Feuchtbiotop an der Schwarzen Pfütze bei Rottershausen. "Die Weiden müssen raus und die Rohrkolben gemäht werden, weil sie viel Feuchtigkeit rausnehmen", stellt Piel die geplante Maßnahme dort vor. Außerdem soll eine Mulde angelegt werden, damit sich eine offene Wasserfläche bilde.

Person Jan Hochstein ist 35 Jahre alt und im Hoch-Sauerland-Kreis Südosten von Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zum Zimmermann und dem Studium in Höxter arbeitete er als Umwelt-Ingenieur zunächst in einer biologischen Station und ab 2017 im hessischen Teil des Biosphärenreservats Rhön.

Kontakt Das Büro des Landschaftspflegeverbandes befindet sich mittlerweile im obersten Stockwerk des Landratsamt-Hauptgebäudes. Zu erreichen ist Hochstein unter Tel. 0971 /8014145 oder per Mail an jan.hochstein@kg.de. rr