Wer eine Frage zur Tier- und Pflanzenwelt im Landkreis hat, ist bei Ulf Zeidler immer an der richtigen Adresse. Sein Expertenwissen hat sich auch weit über die Region herumgesprochen: Ein Anrufer aus Baiersdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) möchte wissen, wie ein ausrangiertes Trafohäuschen zu einem Tierhotel umgebaut werden kann. Zeidler sei ihm als Ansprechpartner empfohlen worden.

"Bei mir geht den ganzen Tag das Telefon", sagt Zeidler im Bürozimmer in seinem Haus. Doch jetzt soll es ruhiger werden. Zeidler gibt den Vorsitz der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) ab. Franz Zang, bisher zweiter Vorsitzender, soll in der Jahreshauptversammlung am kommenden Freitag die Leitung des Vereins übernehmen. "Ich möchte die formale Verantwortung abgeben", erklärt Zeidler. Dazu gehören die vielen Termine und Verpflichtungen sowie die Verantwortlichkeit für mehr als 100 Hektar Grundbesitz des BN. Der 76-Jährige sagt: "Es wird Zeit, ein jüngeres Team ranzulassen."

Im Büro blicken Vogelpräparate den Besucher aus ihrer Schrankvitrine an. Auf dem Boden davor bilden einige Aktenordner eine Reihe. Sie warten auf den Umzug. Das BN-Büro in Zeidlers Haus wird aufgelöst. Es zieht an den Wohnsitz des neuen Vorsitzenden, nach Bad Brückenau. "Wenn Sie in einem Vierteljahr herkommen, steht hier vielleicht eine gemütliche Sitzecke und hier ein Aquarium", deutet Zeidler auf Schreibtisch und Zimmerewand.

Zeidler engagiert sich seit fast 40 Jahren im BN, davon mehr als 30 Jahre als Vorsitzender. "Ich habe die Entwicklung des Umweltbewusstseins in der Gesellschaft miterlebt." In der Anfangszeit, in den 70er Jahren, seien die Naturschutzbehörden und -gesetze gerade aufgebaut worden. "Wir haben mit angeschoben und uns eingemischt", sagt Zeidler. Er gibt ein Beispiel für die ersten Aktionen in der Region: "Wir haben den ersten Problemmüll gesammelt: Altöl und Spritzmittel." Über die Presse sei regelmäßig der Umwelttipp der Woche veröffentlicht worden.

Mittlerweile habe sich ein breites Netzwerk etabliert. Es gibt zum Beispiel Arbeitskreise zu den Themen Amphibien, Insekten und Energie. Das Thema Energie sieht Zeidler auch als eine der beiden Herausforderungen für seinen Nachfolger: "Wir müssen schauen, wie wir mit den Landschaftsveränderungen durch Wind- und Fotovoltaikanlagen zurechtkommen." Der BN setze bei Vorhaben auf Einzelfallprüfungen. So müssten zum Beispiel Windräder in Feuerthal wegen der Fledermauskolonie aus naturschutzrechtlichen Gründen abgelehnt werden. Als zweite Aufgabe für das neue Leitungsteam definiert Zeidler die Nachwuchsgewinnung. "Die Nachfolger müssen sich darum kümmern, junge Leute zu motivieren, sich für die Natur vor der Haustür einzusetzen."

Zeidler sagt über sich, dass er sich von klein auf für die Natur interessiert habe. Über die Jahre hat er sich ein umfangreiches Wissen angeeignet. "Die Natur ist eine gute Lehrmeisterin. Jeder kann von ihr lernen. Man muss nur einen Blick für die Kleinigkeiten haben."

Der BN-Kreisvorsitzende wurde in Marienbad geboren und wuchs in Eberbach bei Heidelberg auf. Er machte eine Ausbildung zum Banker, ging später aber zur Bundeswehr. Zeidler war zuletzt an der Infanterieschule für die Schießausbildung verantwortlich. In einer Würdigung des Vorsitzenden des BN Bayern, Hubert Weiger, heißt es, Zeidler habe "bundesweit in den Naturschutzverbänden als Erster die Bedeutung von Truppenübungsplätzen für den Naturschutz thematisiert".

Nach der Bundeswehrzeit wurde das Hobby Natur zum "zweiten Beruf". Ehefrau Ilse hat Zeidler bei seinem Engagement unterstützt. "Ohne meine Frau wäre es nicht gegangen", bestätigt der Kreisvorsitzende. Nun, sagt Ilse Zeidler, hat auch sie künftig mehr Zeit.