Mit zehn weiteren Badestädten von Weltbedeutung bewirbt sich Bad Kissingen um die Aufnahme in die Unesco-Weltkulturerbeliste: "Great Spas of Europe". Beim Bad Kissinger Frauenring stellte Kulturreferent Peter Weidisch, Projektleiter für die Unesco-Bewerbung von Bad Kissingen, das für die Stadt wichtige Projekt und seine Fortschritte vor. Die Zahl der Besucherinnen im Kaminzimmer des Hotel Wyndham Garden zeigte das große Interesse an diesem Thema.

"Unser Antrag auf Aufnahme zum Weltkulturerbe in der Bewerbergruppe "Great Spas of Europe" ist ein ambitioniertes und umfassendes Projekt", betonte Peter Weidisch, die Stadt sei schon viele Schritte gegangen - etliche stünden noch bevor. "In etwa 90 Wochenzeitungen wurden redaktionelle Berichte allein anlässlich der Aufnahme von Bad Kissingen auf die Unesco-Tentativliste der Bundesrepublik veröffentlicht", sagte er, "eine unbezahlbare Werbung für Bad Kissingen, die unsere Stadt nach vorne bringen wird".

Bereits im 19. Jahrhundert sei die Kurstadt für Gäste attraktiv gewesen, Adel und Prominenz hatten für das Weltbad eine besondere Vorliebe. Als Kissingen 1883 zum "Bad" erhoben wurde, habe diese Baderhebung der Kurstadt einen großen Schub gegeben - und so sollte es mit der Bewerbung um den Titel Weltkulturerbe auch sein, wünscht sich der Kulturreferent: "Es wäre der Quantensprung für Bad Kissingen im 21. Jahrhundert".

Wie andere namhafte Kurstädte in Europa habe Bad Kissingen die Tradition des Kurbads und die wesentlichen Attribute eines Weltbades bewahrt, Original-Schauplätze seien bis heute erhalten und auch erlebbar.


Elf haben es auf die Liste geschafft

16 europäische Kurbäder sind gemeinsam für die Nominierung um Aufnahme in die Weltkulturerbeliste der Unesco gestartet, elf davon haben es auf die endgültige Liste geschafft: Die tschechischen Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad, in Deutschland stehen neben Bad Kissingen auch Baden-Baden und Bad Ems auf der Liste, das britische Bath, das belgische Kurbad Spa, Vichy in Frankreich. Baden bei Wien in Österreich und Montecatini Terme in Italien runden die europäische Bewerberliste ab.

"Bad Kissingen hat es also auf die Nominierungsliste für die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste der Unesco geschafft", so Weidisch - gemeinsam streben diese "Great Spas" die Ernennung zum Weltkulturerbe an. Alle diese Städte verfügten über ein großes Kulturerbe und alle wichtigen Merkmale eines "Weltbades".

"Bad Kissingen ist weit gekommen und auch gut aufgestellt", betonte Weidisch, und appellierte: "Seien Sie stolz auf unsere Stadt." "Bad Kissingen besticht durch seine Einzigartigkeit, durch seine Authentizität und seine Integrität".

Die sogenannte Kern- oder Schutzzone reiche vom Kaskadental, das schon im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugziel gewesen sei, über die Obere und Untere Saline, das Turniergebäude, die Saale-Auen, Altstadt, Kurviertel mit Arkadenbau, Regentenbau und Wandelhalle bis hin zum Golfplatz.

"In Bayern gibt es bisher sieben Weltkulturerbe-Stätten", erklärte der Kulturreferent, "die Wieskirche, Bambergs und Regenburgs Altstadt, der Limes, die prähistorischen Pfahlbauten, das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth und die Würzburger Residenz - Bad Kissingen wäre in sehr guter Gesellschaft".

Vorstandsmitglied Barbara Thiele bezweifelte, ob allen Kissingern bewusst sei, welche Schätze unsere Stadt bietet - vielleicht könne man durch spezielle Führungen diese Besonderheiten deutlich machen.

Peter Weidisch wies auf das neue Führungskonzept der Stadt und der Bayerisches Staatsbad Bad Kissingen GmbH hin. Im Museum Obere Saline erwarte nachgerade ein ganzer Themenreigen mit unterhaltsamen Erlebnis- und Kostümführungen die Gäste.

Die stellvertretende Ortsrings-Vorsitzende, Karin Reinshagen, berichtete von ihrer spontanen Begeisterung, als sie zum ersten Mal vor einigen Jahren in einer Stadtratssitzung von der Möglichkeit einer Bewerbung Bad Kissingens zur Weltkulturerbe-Stadt erfuhr. Es sei ihr schon damals klar gewesen, dass schon diese Bewerbung für Bad Kissingen ein riesiger Gewinn sein würde.


Anlass zu einer Reise

Sie appellierte daher an alle, diese Bewerbung zu unterstützen. Sie selbst habe immer wieder beobachtet, dass besonders Besucher aus fernen Ländern diese Weltkulturerbe-Stätten bei ihren Europareisen in ihren Reiseplan mit aufnehmen. Und Peter Weidisch ergänzte: "Es gibt den "Publikumsmagnet Unesco-Welterbe", für 34 Prozent aller ausländischen Besucher sind Weltkulturerbestätten Anlass einer Reise".

"Die gemeinsame Bewerbung kann nur so gut sein, wie der schwächste Partner in der Gruppe", so der Kulturreferent - "aber alle elf Bewerber haben die Möglichkeit Weltkulturerbe-Stätte zu werden - im Herbst 2017 wird es einen "Completeness-Check geben, im Frühsommer 2018 soll dann die Haupteinreichung erfolgen".