Schäferhündin Sophie war mehr tot als lebendig. Abgemagert, kahl, verlaust und verängstigt, bot sie einen Anblick des Schreckens. Es waren schockierende Bilder, die im Juli letzten Jahres veröffentlicht wurden. Das Veterinäramt stellte bei einer Kontrolle eines Tierhalters im Landkreis massive Verstöße gegen den Tierschutz fest, beschlagnahmte drei völlig verwahrloste Hunde sowie mehrere Kleintiere und brachte alle ins Tierheim Wannigsmühle. Der Halter, paradoxerweise ein gelernter Tierpfleger, wurde am Mittwoch wegen roher und quälerischer Tiermisshandlung vor dem Amtsgericht Bad Kissingen angeklagt. Die zuständige Staatsanwältin warf ihm vor, die Tiere systematisch gequält zu haben.

Leidensweg dauerte ein Jahr

Der 41-Jährige hatte unter anderem zwei Mischlingshunde regelmäßig in einer Transportbox eingepfercht, Schäferhündin Sophie musste in einem wenige Quadratmeter großen, abgedunkelten Zimmer hausen. Alle Tiere waren mangelernährt und kurz vor dem Verhungern. Sie erhielten offenbar keinen Auslauf und waren gezwungen, inmitten ihrer Exkremente zu leben. Sophie war in der erbärmlichsten Verfassung. " Es wurde überlegt, das Tier einzuschläfern", sagte Amtstierarzt Richard Roider während der Verhandlung. "Ihr Leidensweg hat sich über ein Jahr gezogen. Sie hat immer nur so viel zu Fressen gekriegt, dass sie nicht kaputt geht."

Es war nicht das erste Mal, dass der Mann tierschutzrechtlich auf sich aufmerksam gemacht hat. Er ist deshalb bereits mehrfach vorbestraft und wurde immer wieder vom Veterinäramt kontrolliert. Allerdings waren die Zustände erst letzten Sommer so katastrophal, dass die Behörden einschritten. Laut Tierheimleiterin Ursula Boehm werden nur Einzelfälle aufgedeckt. Sie schätzt, dass extreme Haltungsbedingungen häufiger auftreten. "Es wird leider nicht schnell genug gehandelt", kritisiert sie.

Der Angeklagte gestand seine Schuld in vollem Umfang ein. Er gab auch zu, bei der Beschlagnahmung Tierarzt Roider beleidigt und einen Polizisten verletzt zu haben. Er äußerte sich jedoch nicht persönlich zu den Vorwürfen, sondern nur über seinen Verteidiger. "Eine Systematik ist nirgendwo zu erkennen", entgegnete der auf die Staatsanwältin. Die Zustände auf dem Grundstück nannte er grauenhaft und unerträglich. Dennoch: "Mein Mandant ist niemand, der sein ganzes Leben darauf ausgerichtet hat, anderen Leid zuzufügen", betonte der Verteidiger. Der 41-jährige Arbeitslose lebe mit seiner Familie in messie-artigen Verhältnissen und sei auf therapeutische Hilfe und Unterstützung durch einen Familienbegleiter angewiesen.

Die Richterin wertete diese Sichtweise nicht strafmildernd. Sie zeigte sich von den Bildern der verwahrlosten Tiere erschüttert. "Sie wurden ein Jahr lang sinnlos gequält und misshandelt. Ich bin der Meinung, dass das Verhalten so schlimm ist, dass man um eine Freiheitsstrafe nicht herum kommt", sagte sie. Sie verurteilte den Mann zu 15 Monaten Haft ohne Bewährung. Außerdem verbot sie ihm, sein restliches Leben Tiere zu halten oder zu betreuen. Der Angeklagte nahm das Urteil nicht an. Er hat die Möglichkeit, Berufung einzulegen.


Wie geht es den Tieren?

Ein Chinchilla wurde eingeschläfert. Die übrigen Tiere - sechs Hunde sowie mehrere Chinchillas und Kaninchen - haben sich im Tierheim gut erholt. Bis auf Schäferhündin Sophie wurden alle an neue Besitzer vermittelt. Sophie ist fast blind, wird dadurch aber nach Aussagen von Tierheimleiterin Ursula Boehm nicht beeinträchtigt. Trotz des hohen Alters von etwa acht bis zehn Jahren hofft Boehm, ein neues Zuhause zu finden.