Acht versetzte Parkplätze, vier links, vier rechts. Sie bilden das etwa 60 Meter lange Nadelöhr der Theresienstraße. Je nach Breite der Fahrzeuge wird es für den Gegenverkehr richtig eng. Das bleibt nicht folgenlos. Laut Verkehrsstatistik der Polizei befindet sich hier der Unfallschwerpunkt im Stadtgebiet. "Da wird sich durchgedrängt, da fliegen die Spiegel", sagt Polizeihauptkommissar Alfons Geisel.

"Normalerweise gehört da überhaupt nicht geparkt", beschwert sich Busbetreiber Reinhard Weltz. 100 Mal täglich durchqueren Stadtbusse die Straße und schlängeln sich durch zwischen Wild-Parkern und Autos, die in den gekennzeichneten Parkflächen abgestellt sind. "Teilweise müssen die Busse auf den Gehsteig ausweichen", berichtet er.


60 Zentimeter zu wenig

Geisel spricht von der "Problemzone Theresienstraße". Die Straßenbreite reicht nach Ansicht des Verkehrssachbearbeiters nicht aus, für den alltäglich durchrollenden Verkehr und zusätzlich am Straßenrand parkende Autos. "Nach den Richtlinien für den Ausbau von innerörtlichen Straßen ist die Mindestbreite eines Fahrstreifens mit 2,75 Metern bemessen", erklärt er. In beide Richtungen müssen es 5,50 Meter sein.Dafür ist dort alles berücksichtigt, vom Motorrad bis zum Bus.

Die Theresienstraße misst von Bordstein zu Bordstein 6,90 Meter. Das ist eigentlich mehr als ausreichend. Die von der Stadt Bad Kissingen ausgewiesenen Parkflächen verengen die Fahrbahn um zwei Meter, so dass die Straße in diesem Bereich 60 Zentimeter hinter den Mindestvorgaben zurückbleibt. "Für die Autofahrer zeigt sich beim Herannahen an diese Engstellen zunächst eine ausreichende Fahrbahnbreite, die jedoch nicht gegeben ist", sagt Geisel. "Das ist gefährlich, weil viele Autofahrer einfach in den Bereich hineinfahren." Bei drei Fahrzeugen nebeneinander ist an einen Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos nicht zu denken. Das provoziert Unfälle.

Geisel verweist auf die Verkehrsunfallstatistik 2012. Auf den 60 Metern innerhalb der Geschwindigkeitszone 30, wurden 20 Verkehrsunfälle aufgenommen. "Das ist enorm hoch", betont Geisel. Die Theresienstraße ist damit absolute Spitze im Stadtgebiet. "Wenn dort kein Platz ist, kann ich da niemanden parken lassen", kritisiert der Polizist. Er schlägt vor, die Parkplätze abzuschaffen, oder sie teils auf die breiten Gehwege zu verlagern.
Rathaussprecher Thomas Hack verweist darauf, dass die versetzten Parkflächen ein legitimes Mittel seien, um die Geschwindigkeit in dem Bereich zu regulieren. "Wenn dort niemand steht, würde da kein Mensch 30 fahren. In der Innenstadt hat die Sicherheit Vorrang", betont Hack. Die Verkehrsteilnehmer müssten sich den Begebenheiten anpassen und sich dementsprechend umsichtig verhalten.

Abgefahrene Seitenspiegel und andere Bagatellschäden gehören überall zum Verkehrsgeschehen. In der Häufung scheint die Theresienstraße allerdings landkreisweit ein Sonderfall zu sein. "Wir haben keinen solchen Unfallschwerpunkt", berichtet Günther Sachs von der Polizei in Hammelburg. Wenn Parkschäden verursacht werden, lägen oft Fehleinschätzungen der Fahrer zugrunde. "Dass Autofahrer meinen, dass drei aneinander vorbei passen, kann überall vorkommen." Christian Pörtner, stellvertretender Dienststellenleiter in Bad Brückenau, schließt für den Altlandkreis einen solchen Unfallschwerpunkt aus.


Rettungskräfte unbeeinträchtigt

Das wird die Stadt gern hören: Die Engstelle Theresienstraße behindert keine Rettungsfahrzeuge im Einsatz. Das bestätigen sowohl Stadtbrandinspektor Harald Albert, als auch Rot- Kreuz-Rettungsdienstleiter Rudolf Baier. "Im Einsatz hatten wir noch keine Probleme", sagt Albert. Es staue sich meist punktuell, wenn ein Laster oder ein Bus am Straßenrand halten. "Aber gerade wenn wir mit Sondersignal unterwegs sind, kommen wir gut durch", bestätigt Baier. Das Verkehrsaufkommen in der Theresienstraße verzögert die zwölfminütige Anfahrtszeit nicht, die ein Rettungswagen maximal benötigen darf.

Beschränkter Platz ist ein allgemeines Problem im Stadtgebiet und vor allem in Nebenstraßen. Die Rettungsfahrer des Roten Kreuzes vermeiden es etwa, die unübersichtliche Einmündung von der Landwehr- in die Hartmannstraße zu benutzen. Für die breiten Einsatzwägen ist beim Linksabbiegen aufgrund der parkenden Autos nicht genug Platz. Sie müssten zuerst den Verkehr durchlassen, bevor sie weiterfahren. "Unter anderem deswegen rücken wir nur über die Erhardstraße aus", sagt Baier. Einsätze werden dadurch nicht beeinträchtigt. "Es ist der allgemeine Verkehr, der davon betroffen ist."