Nach der Übernahme durch den Schweizer Handelsriesen Migros will die Supermarktkette Tegut nach Süddeutschland expandieren. "Das entspricht der Logik unserer Wachstumsstrategie", sagt Tegut-Chef Thomas Gutberlet am Unternehmenssitz in Fulda. Noch könne er aber kein detailliertes Konzept nennen, bis wann wo wie viele Filialen öffnen sollen.

Tegut, benannt nach Firmengründer Theo Gutberlet, setzt zudem seine Umstrukturierung fort. "2012 war bereits ein Jahr des Aufräumens", erklärt Gutberlet. Bislang seien heuer 25 Märkte dicht gemacht worden. Fünf weitere sollen folgen. Tegut hat dann noch etwa 280 Fil ialen. Auch dort, wo Tegut bleibt, gibt es eine wesentliche Veränderung: "Wir haben uns schon Anfang des Jahres entschieden, dass Tegut keine Vorkassen-Gastronomie mehr anbietet", sagt Gutberlet auf Nachfrage der Saale-Zeitung. Das heißt konkret: In Bad Kissingen wurde die bisherige "Herzberger"-Bäckerei bereits an "Papperts" übergeben, in Bad Brückenau steht dies für Ende November an.

"Herzberger ist ein guter Spezialist für biologisch produzierte Brot- und Backwaren", betont Thomas Gutberlet. Deshalb würden die Waren des Tochter-Unternehmens auch weiterhin in Tegut-Märkten angeboten, allerdings eben in den Regalen im Markt und nicht in einer eigenen Bäckerei vor der Kasse. Dort werde je nach Region mit Bäckereien vor Ort verhandelt. Bei Pappert sei sogar geplant, dass sie Herzberger-Produkte mit verkaufen. Gutberlet: "Da sind wir noch im Gespräch."

Investitionen im zweistelligen Millionen-Bereich


Zu den Expansionsplänen verweist Gutberlet darauf, dass Migros einen zweistelligen Millionen-Betrag bis 2015 in Tegut investieren will - auch wegen des starken Schweizer Franken. Die "Neue Zürcher Zeitung" schätzte den Preis für die Tegut- Übernahme auf bis zu 300 Millionen Franken (knapp 250 Millionen Euro). Am Samstag tagt der Migros-Genossenschafts-Bund, um den Kauf endgültig abzusegnen. Mit kartellrechtlichen Problemen werde nicht gerechnet, sagte Gutberlet. Dass Migros viel vor hat in Deutschland, kündigten die Eidgenossen bereits bei einem Besuch am Tegut-Unternehmenssitz an. Das Ziel: bundesweite Expansion, von Fulda aus als Deutschland-Zentrale.

Dass bei der Übernahme Personal auf der Strecke bleibt, müssen die 5000 Mitarbeiter der Tegut-Handelssparte offenbar nicht befürchten. "Niemand läuft Gefahr seinen Job zu verlieren. Die Verunsicherung darüber ist mittlerweile auch gewichen", sagt Betriebsratschef Harald Bottin: "Ich sehe dem kommenden Jahr positiv entgegen. Es ergeben sich viele Chancen in der Zusammenarbeit mit der Migros. Allein wäre viel weniger Wachstum möglich gewesen."

Für die Kunden soll sich zunächst nichts ändern, sagt Tegut-Sprecherin Andrea Rehnert: "Tegut bleibt Tegut." Doch das Sortiment werde schrittweise ergänzt. Migros will freilich auch seine Eigenmarken in Deutschland verkaufen. Schließlich machen die Schweizer damit einen großen Teil ihres Umsatzes.

Unterschiedliche Veränderung


Migros-Zürich-Chef Jörg Blunschi verkündet zu den Veränderungen in der Tegut-Filiallandschaft: "Bei dem einen braucht's nur eine Pinselkosmetik, bei dem nächsten muss man Mobiliar umstellen, und bei einem Dritten braucht's eine Revitalisierung." Migros plane im nächsten Jahr zwei bis drei Filialen als Pilotmärkte auszustatten.

Das Profil von Tegut - derzeit mit einem 30-Prozent-Anteil von Bio-Produkten im Sortiment - soll dadurch nicht verwässert werden. Tegut gilt schließlich als einer der Vorreiter für Bio in Supermärkten. "Wir werden bestimmt nicht unsere eigenen Stärken schwächen", betont Bottin. Aber auch dem Betriebsrats-Chef ist klar: "Wir sind der Steigbügelhalter für den größeren Migros-Einstieg auf dem deutschen Markt."

Gekauft Die Handelskette unterhält derzeit rund 280 Filialen in Hessen, Thüringen, Franken, Göttingen und Mainz. Für die gesamte Tegut-Gruppe arbeiten 6400 Menschen. Der Umsatz lag 2011 bei 1,17 Milliarden Euro.
Käufer Die Schweizer Handelskette Migros besteht aus zehn regionalen Genossenschaften und beschäftigt mehr als 83.000 Mitarbeiter. Migros hatte zuletzt einen Umsatz von 21 Milliarden Schweizer Franken. (mit dpa)