Drei Mal war Udo Tremer schon beim Sulzthaler Grenzgang dabei, doch der "Moarkgang" (Moark für Gemarkung) am Samstag, 27. April, war etwas ganz besonderes für ihn: Zusammen mit Johannes Halbig wurde Udo Tremer im vergangenen Jahr als Feldgeschworener vereidigt. "Ich bin der Stift", sagte Tremer deshalb schmunzelnd.
Die Feldgeschworenen schlagen ihren Nachwuchs traditionell selbst vor: "Ich bin gefragt worden, und für mich ist es eine Ehre, Feldgeschworener zu sein", musste Udo Tremer nicht lange überlegen. Schließlich interessiert er sich als Nebenerwerbslandwirt seit jeher für die Natur und die Grundstücksgrenzen. "Es sollte jemand sein, der sich in der Gemarkung auskennt und der integer ist", nennt Willi Diez - selbst seit zehn Jahren im Amt- als Voraussetzung.
Bereits seit 1996 hütet Alfred Tremer das Geheimnis der Siebener. Mittlerweile ist er Obmann und führte als solcher den Grenzgang an: An der Linde in der Dorfmitte trafen sich gut 50 Bürger. Bis zur Euerdorfer Grenze kamen weitere dazu, so dass 89 an einer provisorisch gebauten Brücke über den Sulzbach auf den Grenzgang starteten. Weitere kamen während der Tour dazu.
Ältester Teilnehmer war Herbert Sachs (75). "Ich bin heuer zum vierten Mal dabei", berichtet er. Beim vorherigen Grenzgang vor sechs Jahren habe er wegen einer Knie-Operation gefehlt. Und früher sei er oft aus beruflichen Gründen verhindert gewesen: "Da hatte man am Samstag meistens keine Zeit", berichtete Herbert Sachs.
Mit von der Partie waren von Anfang an auch Feldgeschworene aus Engenthal und Bürgermeister Konrad Weingart (CSU). Mit den Sulzthaler Feldgeschworenen begrüßte er an den Dreimärkern zahlreiche Gäste, darunter den Ramsthaler Bürgermeister Franz Büttner, den 2. Bürgermeister von Poppenhausen, Jürgen Hartmann aus Kützberg oder den Elfershausener Bürgermeister Ludwig Neeb. Sie alle wurden nach alter Tradition gestaucht - wie auch mancher Teilnehmer. Aber alle so sanft, dass die Grenzsteine keinen Schaden nahmen und an Ort und Stelle stehen blieben. "Der Gestauchte muss seinen Stein jedes Jahr sauber halten", beschreibt Alfred Tremer den Sinn des Rituals.

Größe

Die Gemarkung Sulzthal umfasst 1504 Hektar, davon sind 743 Hektar landwirtschaftlich genutzt, 595 Hektar sind bewaldet, die Straßen nehmen 93 Hektar ein, die Bebauung 34 Hektar. Der Rest ist Ödland. Aktuell ist die Gemarkung in 2263 Flurstücke gegliedert.

Grenzen

Die Gemarkung Sulzthal grenzt an acht weitere Gemarkungen an. Von Norden beginnend sind dies im Uhrzeigersinn: Euerdorf, Wirmsthal, Ramsthal, Kützberg, Obbach, Wasserlosen, Machtilshausen und Engenthal.

Länge

Dominik Metz hat den Weg entlang der Grenze per PPS-Daten ausgemessen: Der Weg einmal um die komplette Gemarkung herum ist rund 20,6 Kilometer lang, beim Grenzgang kamen jeweils rund 1,1 Kilometer von der Ortsmitte zur Grenze und zurück hinzu. Der tiefste Punkt am Sulzbach liegt auf 255 Höhenmetern, der höchste im Flurstück "Hohenroth" auf 429 Meter. Die Wanderer überwanden insgesamt rund 735 Höhenmeter (Link zu den Daten hier).

Feldgeschworene

In Sulzthal gibt es derzeit sieben Feldgeschworene: Mit Abstand am längsten, nämlich 51 Jahre, ist Alfons Tremer dabei. Obmann ist derzeit Alfred Tremer, sein Stellvertreter Josef Diez. Zudem zählen Willi Diez, Thomas Herterich und seit dem vergangenen Jahr Johannes Halbig und Udo Tremer zu den Feldgeschworenen.