Es hat den Bauernkrieg vor 500 Jahren erlebt, wurde in Brand gesetzt und wieder aufgebaut, es gehörte mittelalterlichen Würzburger Bischöfen, war Sitz der Hennerberger und von Fürstbischof Julius Echter. Das historische Schloss in Ebenhausen hat zwar eine bewegte Geschichte, aber eine ungewisse Zukunft.

Seit mehr als fünf Jahren steht das denkmalgeschützte Gebäude nun leer, wird nur ab und zu für Veranstaltungen genutzt. Die Gemeinde Oerlenbach, die die Immobilie 2009 erworben (siehe Infokasten) hat, will sie seitdem wieder los werden; tut sich aber schwer bei der Investorensuche. Über mehr als loses Interesse ist die Gemeinde bislang nicht hinaus gekommen. Daran hat sich nichts geändert. "Wir haben Interessenten da, die sind noch aus Siegfried Erhards Zeiten", sagt Franz Kuhn (CSU), der Erhard dieses Jahr als Oerlenbacher Bürgermeister beerbt hat.

Gemeinde ergreift Initiative

Unter Erhard wurde das Schloss nicht verkauft, weil mögliche Investoren kein überzeugendes Nutzungskonzept vorgelegt hatten. "Wir entscheiden, an wen wir verkaufen. Sonst wäre das Schloss womöglich in falsche Hände geraten", sagte Erhard vor zwei Jahren im Gespräch mit der Saale Zeitung. Die Gemeinde hat das Thema nicht vergessen und ist jetzt aktiv geworden: Ein Gutachten soll her. "Damit hat man eine Grundlage für künftige Interessenten", sagt Bürgermeister Franz Kuhn.

Welcher Aufwand ist nötig?

Der komplette Bestand des Schlosses soll erfasst werden, ebenso wie der Zustand des Gebäudes. Das Gutachten soll außerdem darüber Auskunft geben, welche Sanierungsarbeiten notwendig sind und was diese kosten. Bisher steht die Summe von 20 Millionen Euro im Raum. Investoren hätten mit dem Gutachten die Möglichkeit, sich vorab genau zu informieren. Bürgermeister Kuhn: "Bisher können wir nur sagen, geht rüber und schaut es euch an."

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ist für die Erstellung eines solchen Gutachtens zuständig. Wie Kuhn berichtet, steht die Gemeinde deswegen in Gesprächen mit der Behörde. Gegenstand der Verhandlungen: die Finanzierung. Das Gutachten zu erstellen, ist zeitaufwendig und teuer. Laut Kuhn könne ein fünfstelliger Betrag, also mehr als 10 000 Euro anfallen. "Eine Förderung durch das Landesamt ist realistisch. 75 Prozent wurden in Aussicht gestellt", sagt Kuhn. Es sei denkbar, dass es im Herbst grünes Licht für das Vorhaben gebe.

Die Zeit drängt nicht

Das Gutachten stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Verkauf des Schlosses dar, ist aber kein Allheilmittel. Kuhn schraubt die Erwartungen deshalb auch zurück: "Man ist darauf angewiesen, dass sich jemand interessiert." Aber: Man könne mit dem Gutachten aktiver auf potenzielle Käufer zugehen und sie auf die Immobilie aufmerksam machen. Die Gemeinde werde nicht überregional Werbung schalten. Das sei zu teuer und wenig erfolgversprechend. Die Gemeinde hat keine akute Not, das Schloss loszuwerden. "Der Zustand des Gebäudes ist gleichbleibend schlecht", schildert Kuhn seinen Eindruck. Aber des Dach halte dicht, das Wetter setze dem Schloss nicht mehr als jedem anderen Haus auch zu. Das Schloss sei nirgends so marode, dass die Gemeinde aus Sicherheitsgründen dringende Reparaturen unternehmen müsste. "Aber der Zustand wird auch nicht besser, wenn es nicht genutzt wird", meint er.



Vom Mittelalter bis heute: Das historische Schloss in Ebenhausen