Der vierte Verhandlungstag im Strafverfahren um die bislang größte illegale Haschisch-Outdoor-Anlage der Region hat für die beiden Angeklagten die Wende gebracht. Der Vorsitzende Richter der großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt, Eric Ohlenschläger, gab unter den Protesten der Staatsanwaltschaft den Hinweis, dass - neben dem illegalen Anbau - gegen die beiden jungen Männer fortan nur noch der überwiegende Tatverdacht des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gem. § 29 a BtMG im Raum steht. Da zudem nur ein einmaliger Fruchtzyklus der Cannabispflanzen bewiesen werden könne, liege im rechtlichen Sinne nur eine Tat vor - und dem Vorwurf der Bandentätigkeit sei wohl der Boden entzogen.
Die zu erwartenden Freiheitsstrafen dürften daher deutlich niedriger ausfallen als erwartet. Dem Angeklagten Michael G. dürfte zudem ein Stein vom Herzen gefallen sein, dass das Gericht Zweifel daran hegt, dass er Verfügungsbewusstsein über den in seinem Zimmer stehenden Baseballschläger hegt.
Zuvor hatte sich die Mutter vor Michael G. in ihrer Zeugenaussage in Widersprüche verstrickt und behauptet, die Polizisten hätten anlässlich der Hausdurchsuchung den vor dem Baseballschläger stehenden Schreibtisch im Zimmer ihres Sohnes eigenmächtig verrückt. "Das Zimmer war danach das reine Chaos!", versuchte die 47-jährige Bäckereifachverkäuferin ihre Gedächtnislücken auf Nachfrage des Gerichtes zu verteidigen.
Oberstaatsanwalt Jakobeit brachte dies auf die Palme. Nachdem er mit alten Fotos aus einer Akte anlässlich einer Hausdurchsuchung im Jahr 2009 die Aussagen der Geschiedenen widerlegen konnte, kündigte er an, möglicherweise gegen sie wegen Falschaussage zu ermitteln: "Sie sind der Lüge überführt worden. Das wird Konsequenzen haben." Die Verteidigung konnte der von ihr benannten Zeugin nur bedingt beispringen. Der Antrag, ihr einen Zeugenbeistand beizuordnen, stieß beim Gericht auf Kopfschütteln.
Der vierte Verhandlungstag war im Übrigen geprägt von prozesstaktischen Scharmützeln zwischen den Strafverteidigern und der großen Strafkammer, die aber noch nicht das Niveau einer Konfliktverteidigung erreichte. Ein zunächst gestellter Antrag, die Hauptversammlung wegen neu eingeführter Beweismittel auszusetzen, wurde später von Strafverteidigerin Ulbrich zurückgezogen. Der Vertreter der Staatanwaltschaft äußerte zudem seine "Beklemmung" aus dem Zusammenhang zwischen der Rücknahme des Antrages und den gerichtlichen Hinweisen: "Ich war daran nicht beteiligt." Ob er damit andeutete, einen unzulässigen Deal zu erkennen, blieb sein Geheimnis.
Eine als Zeugin geladene Dame wurde mündlich das Erscheinen vor Gericht von ihrem Chef verboten, eine in Windeseile ausgestellte schriftliche Ladung wurde ihr von einem der beteiligten Polizeibeamten während der Verhandlung zugestellt.