S eit einigen Jahren werden in Supermärkten immer mehr glutenfreie Produkte angeboten: Kuchen, Würste, Nudeln und Naschereien. Es liegt im Trend, auf Gluten zu verzichten. Prominente wie Lady Gaga und Gwyneth Paltrow schwören auf diese Art der Ernährung. Produzenten springen auf und profitieren. Aber: Ist es gesünder, wenn man Lebensmittel mit Gluten von seinem Speiseplan streicht?

Der Mythos ist so jung, dass zuverlässige Daten über den Nutzen einer glutenfreien Ernährung fehlen. Trotzdem hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass diese Form der Ernährung das Wohlbefinden stärken und das Abnehmen fördern könnte. Wir sollten einen Schritt zurückgehen und uns fragen: Was ist Gluten überhaupt?

Gluten ist eine natürlich vorkommende Eiweißverbindung, die auch Klebereiweiß genannt wird. Sie sorgt dafür, dass unser Brot in Form bleibt und dass das Innere vom Brötchen schön fluffig ist. Gluten ist deshalb ein beliebtes Bindemittel. Und das tut manch einem gar nicht gut.

Patienten profitieren vom wachsenden Angebot

Menschen mit dem Krankheitsbild namens Zöliakie sind besonders betroffen. Auch für Weizenallergiker und glutenintolerante Personen kann der Verzicht oder eine Einschränkung sinnvoll sein. Für sie sind glutenfreie Nahrungsmittel sinnvoll und das Angebot eine Erleichterung im Alltag. Doch nicht nur betroffene Patienten schwören auf glutenfreie Produkte. Auch unter gesundheitsbewussten Konsumenten erfreut sich dieser Trend wachsender Beliebtheit.

Sie fühlen sich ohne Gluten energiegeladener oder meinen damit besser abnehmen zu können. Meiner Meinung nach dürfte dies aber weniger am Glutenverzicht und vielmehr an einer generellen Ernährungsumstellung liegen. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Eier und mageres Fleisch begünstigen eine vitale und gesunde Lebensweise. Das gleiche gilt für die "erlaubten" Getreide beziehungsweise Pseudogetreide wie Buchweizen, Naturreis, Hirse oder Quinoa, die als Alternative auf dem Speiseplan landen. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich jedenfalls keinerlei Anhaltspunkte für die Sinnhaftigkeit einer Glutendiät, die nicht krankheitsbedingt ist. Österreichische Forscher haben die Inhaltsstoffe von 63 glutenfreien Produkten unter die Lupe genommen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie wohl nicht gesünder sind als glutenhaltige Nahrungsmittel. Der Mensch nimmt Gluten zu sich seit er vor mehr als 10 000 Jahren mit dem Anbau von Getreide begonnen hat.

Effekt nicht nachgewiesen

Die Industrie greift die Mode der glutenfreien Ernährung nur zu gerne auf. Ähnlich wie vor Jahren mit dem Eiweißbrot verhilft dieser Trend den Produzenten zu steigenden Umsätzen. Es profitieren aber auch andere von dem erweiterten Sortiment: Diese Lebensmittel sind sinnvoll, wenn bestimmte Krankheiten und Unverträglichkeiten zugrunde liegen. Für Menschen, die nicht an einer krankheitsbedingten Glutenunverträglichkeit leiden, gibt es aktuell keinen Grund, auf glutenhaltige Lebensmittel zu verzichten. Der gesundheitliche Effekt ist nicht nachgewiesen. Noch dazu sind glutenfreie Produkte meist teurer als die Alternative.