Welchen Platz die Hammelburger genau belegen, das erfahren sie erst bei der Preisverleihung am 21. März 2013. Aber: "Wir sind sehr stolz", bekundete Schulleiterin Ingeborg Hoffmann, "diese Platzierung motiviert und bestätigt uns in unserer Arbeit und trägt auch draußen zu einem positiven Ruf der Mittelschule bei." Den haben sich die Verantwortlichen hart erarbeitet.

Inzwischen hat die Mittelschule Hammelburg fünf Standbeine: Das größte ist die Berufsorientierung, ein enges Netz aus Berufsberatern. Darüber hinaus bietet sie eine gebundene Ganztagesschule sowie den M-Zug. Sie ist die einzige Musik-Mittelschule in Unterfranken. Und sie unterhält auch als einzige Mittelschule in Unterfranken eine Kooperation mit der Wirtschaftsschule Bad Neustadt und somit die Möglichkeit zur mittleren Reife ab der 8. Klasse.

Diese Vorzüge nahm eine Jury einen Tag lang genau unter die Lupe, bevor die Hammelburger zu "Deutschlands besten Schulen, die zur Ausbildungsreife führen" zählten. Im Mittelpunkt der Präsentation stand die Berufsorientierung. Hier berichteten Schüler von ihren Praktika, angefangen von den Siebtklässlern Julius Horn und Maurice Pache, die ihre Väter beim Eltern-Schnuppertag in der Infanterieschule besuchten, bis hin zum kontinuierlichen Praxistag, bei dem die Acht- und Neuntklässler ein Jahr lang jede Woche einen Tag in einem Betrieb schnuppern.

Julian Kessler (9a) hat so beispielsweise bei der Hammelburger Präzision GmbH den Beruf des Zerspanungsmechanikers für sich entdeckt und weil Betriebsleiter Alois Knüttel "tadellos zufrieden mit dem Hauptschüler ist", wird er der zweite Azubi sein, den die Firma nach dem Abschluss einstellt. Ina Proskurin hat auch nach dem Praktikum als Azubi in der Haargalerie eine Stelle bekommen. Jetzt ist sie im dritten Lehrjahr und unterweist mit Manan Matar die nächste Praktikantin. Die Neuntklässlerin erfährt, dass es nicht nur um die Frisur geht, auch Blickkontakt und freundliches Auftreten den Kunden gegenüber sind wichtig.

Bäckermeister Walter Emmert, der schon mehrere Hauptschüler eingestellt hat, hält die Praktika für "eine gute Möglichkeit für beide Seiten." Ihm sei auch aufgefallen, dass die Motivation der Azubis zum Teil besser ist. Im Praktikum finden die Schüler heraus, welcher Beruf ihnen liegt und "es ist auch wichtig zu erkennen, was man nicht will", sagt Henriette Jähn. Die Sozialpädagogin, die wie ihr Kollege Simon Schütz bei der GbF angestellt ist, steht den Schülern im sogenannten "Jobraum" mit Rat und Tat zur Seite.Während sie mit den Acht- und Neuntklässlern Bewerbungen schreiben übt und Einstellungstests macht sowie die Praktika vermittelt und betreut, kümmert sich Simon Schütz um die Berufseinstiegsbegleitung, unterstützt auch Auszubildende an ihrem Arbeitsplatz. Hervorragend ergänzt wird die Arbeit der beiden Sozialpädagogen durch Berufsberaterin Eveline Horstmann von der Agentur für Arbeit, die die Kontakte zu den Firmen pflegt und herstellt. In der Schule zeigt sie den Abgängern zudem Möglichkeiten für die Zeit nach dem Abschluss auf.

Das Ergebnis spricht für sich: "Wir haben sehr gute Übergangsquoten", bestätigt sie mit Blick auf die Statistik, dass sich diese vielen kleinen Mosaiksteinchen auf dem Weg in die Ausbildung bezahlt machen. "Von 77 Schulabgängern hatte letztes Jahr jeder eine Aus- oder Berufsfortbildung." Die Konzepte sind fruchtbar, die Abbruchzahlen deutlich gesunken. Ihr Erfolg macht die Hammelburger Mittelschule zum Vorbild für viele andere Schulen.