"Über 500 Mitglieder und Gäste haben im Jahr 2018 unsere Veranstaltungen besucht - ein Beweis für das Interesse an unserer Arbeit", resümierte die Vorsitzende des Ortsrings Bad Kissingen im Deutschen Frauenring, Birgit Fischer, bei der Jahreshauptversammlung, zu der fast die Hälfte der Mitglieder gekommen waren.

Wenngleich das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern der Vergangenheit anzugehören scheint, so gibt es doch noch viele Hürden zu überwinden, bis Frauen auch finanziell mithalten können. Die größte Hürde ist noch immer, wenn Mütter, der Familie wegen, ihre Berufstätigkeit zurückstellen, ihre Aufstiegschancen vergeben und im Alter mit Minirenten zurechtkommen müssen. Um immer wieder auf diese Ungleichheit hinzuweisen, informiert der Bad Kissinger Frauenring seit fünf Jahren am Equal Pay Day die Öffentlichkeit mit einem Info-Stand in der Fußgängerzone. Dieser Aktionstag findet immer an dem Tag statt, bis zu dem Frauen im aktuellen Jahr arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Dass in Deutschland der Equal Pay Day 2018 erst wieder Mitte März stattfand zeigte, dass das Lohngefälle hierzulande noch größer ist als in anderen Ländern, betonte die Vorsitzende.

Dass Liebe keine Altersvorsorge ist, stellte auch Dr. Uwe Schweighöfer von der Uni Bamberg in den Mittelpunkt seines Vortrags, den er im Sommer beim Frauenring hielt - er thematisierte die schlechte Rentensituation von Frauen und deren unterschiedliche Gründe.

Mit der Schweizer Filmdrama "Die göttliche Ordnung" präsentierte der Ortsring im Universum Kinopalast einen spannenden und auch lustigen Kinofilm, der zeigte, mit welchen Problemen die Frauen in unserem Nachbarland Schweiz kämpfen mussten, bis sie endlich 1971 durch einen Volksentscheid das Recht zum Wählen und Gewählt werden auf Bundesebene erhielten. Mehr als 100 Mitglieder und Gäste des Ortsrings waren der Einladung ins Kino gefolgt.

Abenteuerliche Flucht

Wie Frauen und Mädchen in anderen Ländern leben und was so eine Flucht bedeutet, erzählte die 17-jährige Schülerin Zahra Nouri, die beim Frauenring über ihr Leben in Afghanistan, ihre Erlebnisse auf der schwierigen Flucht und das "Ankommen" in Deutschland berichtete. Karin Reinshagen vom Ortsring hatte Zahra bei dem wöchentlichen Gesprächskreis zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, der jeden Donnerstag im Jukuz stattfindet, kennen gelernt und war von Anfang an beeindruckt von den Sprachkenntnissen und der Offenheit der Schülerin - so war die Idee zu der Veranstaltung "Meine Geschichte und der lange Weg nach Deutschland" entstanden. Und das Interesse der Frauenrings-Mitglieder und vieler Gäste an der abenteuerlichen Flucht und Lebensgeschichte der jungen Afghanin war riesengroß.

Eine starke Frau in der Vergangenheit war Katharina von Bora, die Frau an der Seite des Reformators Martin Luther, die ihrem Mann eine unentbehrliche Gefährtin und Beraterin war. Referentin Ruth Lürken arbeitete viele Jahre in der Lutherstadt Wittenberg als Stadtführerin und hatte sich in dieser Zeit ausführlich mit dem Leben der Katharina von Bora befasst. Mit einer Busfahrt in die Lutherstadt Eisenach und einer Führung auf der Wartburg knüpfte der Ortsring zum Auftakt des Herbstprogramms an den Vortrag über Katharina von Bora an. Auf der Wartburg hatte Martin Luther die Bibel übersetzt.

Hohe Auszeichnung für Thiele

In der Zeit um den 3. Oktober hatte der Ortsring mit Gabriele Stötzer eine starke Frau aus der jüngeren Vergangenheit eingeladen, die in Zeiten der ehemaligen DDR Einschüchterung, Willkür, Zuchthaus und den Verrat erlebte. Dass es auch in den Reihen des Ortsrings immer wieder erfolgreiche und engagierte Frauen gibt, bewies die hohe Auszeichnung, mit der das langjährige Vorstandsmitglied Barbara Thiele im September 2018 geehrt wurde. Sie erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande des Bundespräsidenten.

Vorsitzende Birgit Fischer betonte, dass sie diese Auszeichnung vor allem für ihre Arbeit beim Deutschen Frauenring erhalten habe. Barbara Thiele war nicht nur Vorsitzende des Ortsrings Bad Kissingen, sie war auch mehrere Jahre Landesverbands-Vorsitzende und Beisitzerin im Landesverband Bayern.

Der Bad Kissinger Frauenring informiert regelmäßig seine Mitgliedsfrauen über Entwicklungen und Neuerungen in der Kurstadt- mit einer sachkundigen Führung durch das 2017 fertig gestellte Luitpoldbad brachte Baudirektor Erwin Full vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt die Geschichte und Bedeutung des ehemaligen Badehauses näher - in vierjähriger Bauzeit wurde es zu einem Behördenzentrum umgestaltet und generalsaniert.

Der Literarische Nachmittag am Kamin bei Vorstandsmitglied Barbara Thiele rundete das kulturelle Jahresprogramm ab. Bei der Adventsfeier kam eine beachtliche Spendensumme von fast 2000 Euro zusammen - ein Betrag, der stets Kissinger Bürgerinnen zu Gute kommt. Der Ortsring Bad Kissingen zählt 74 Mitglieder. Der Vorstand des Frauenvereins wurde einstimmig von den Mitgliedern entlastet. Bei ihren Mitstreiterinnen bedankte sich Birgit Fischer für die tatkräftige Unterstützung Unterstützung und Karin Reinshagen dankte der Vorsitzenden für ihr Engagement mit einem Blumenstrauß..red