Eine Wohngemeinschaft ist auf dem Land, wo das Eigenheim dominiert, eher etwas Ungewöhnliches. In Völkersleier haben sich aber drei junge Leute zusammengefunden. Sie leben in einer früheren Stallung.

Gerhard Bornkessel, Vater eines der drei WG-Mitglieder, hat das Gebäude umgebaut. Es ist Teil des ehemaligen Anwesens derer von Thüngen. Zu dem Stall gehört noch ein zweigeschossiger Barockbau aus dem 18. Jahrhundert. Das Alte Hofhaus war das frühere Schloss des Freiherrn von Thüngen. "Es war für mich schlecht mit anzusehen, in welchem Zustand das Anwesen war", sagt Bornkessel. Daher habe er das Gut 1998 gekauft. "Professionelle Denkmalpflege ist schließlich das, was ich beruflich mache", erklärt der Inhaber eines Zimmereibetriebs.


Rettung vor dem Verfall

Die Familie von Thüngen hatte das Anwesen bereits 1928 verkauft. Als Bornkessel es erwarb, war der Stall einsturzgefährdet. "Das erste Ziel war es, das Bauwerk vor dem Verfall zu retten."

Danach folgte die Dachsanierung. Um den Stall überhaupt erst nutzen zu können, baute Bornkessel große Tür- und Fensteröffnungen in die Längsseiten ein. Das Mauerwerk wurde innen gedämmt, und Wände in Holzständerbauweise teilten den ursprünglich völlig offenen Raum des Stalls in Zimmer ab. So entstand eine rund 140 Quadratmeter große Wohnung mit Erd- und Obergeschoss.

"Das Beispiel zeigt, wie man auch ein Nebengebäude nutzen kann", erklärt Verena Mörsner. Die Innenentwicklungsmanagerin hat das Gut daher in das Programm der Bauaktionstage aufgenommen. Die Veranstaltungsreihe soll zeigen, wie alte Bausubstanz neu belebt werden kann. Mörsner meint: "Es ist schön, dass nicht alles fertig ist. So hat man den Vergleich zwischen vorher und nachher."

Denn eine zweite, etwa 100 Quadratmeter große Wohneinheit ist in der denkmalgeschützten Stallung noch im Werden: Betonplatte und Dämmung sind die nächsten Arbeitsschritte. "Es ist schwierig, einen auf denkmalgeschützte Bauten spezialisierten Energieberater zu bekommen", berichtet Bornkessel.

Er will die Wohnung vermieten oder allein oder zusammen mit dem Hauptgebäude verkaufen. Denn das frühere Schloss steht derzeit leer. Bis Ende des Jahres dauert noch die denkmalpflegerische Voruntersuchung. Danach ist ein gutes Konzept für das Hofhaus mit Gewölbekeller gefragt. Ansonsten "machen wir kontinuierlich weiter", meint Bornkessel.