Die Pressenachricht aus dem Rathaus kam ohne Vorwarnung, wenn auch vielleicht nicht ganz überraschend. Und sie enthielt nur zwei Sätze: "Der Stadtrat der Stadt Bad Kissingen wird sich in seiner Sitzung am 12. Dezember im nichtöffentlichen Teil mit der Frage beschäftigen, ob es einen Wechsel an der Spitze der Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen GmbH geben soll." Und: "Über das Ergebnis dieser Beratungen wird die Öffentlichkeit zeitnah informiert werden."

Mit der Spitze der Staatsbad GmbH kann nur einer gemeint sein: Kurdirektor Gunter Sauer. Mehr gibt es in der dünnen Führungsluft nicht, denn ein Stellvertreter für ihn ist nie eingestellt worden. Er selbst war 2004 nach Bad Kissingen gekommen, wo er das Amt des Stellvertreters für die damalige Kurdirektorin Annette Kratz übernahm. Als sie zwei Jahre später aus dem Amt ausschied, rückte er nach - mit unbefristetem Vertrag.

Er habe von dieser geplanten Debatte im Stadtrat bereits gewusst, sagte Sauer auf Anfrage: "Mehr will ich dazu im Moment nicht sagen." Und damit auch nichts zu der Frage, ob ihn diese Ankündigung überrascht hat. Die Vorabinformation bestätigte der städtische Justiziar Joachim Kohn: "Die Staatsbad GmbH ist in Kenntnis der Befassung des Stadtrats mit diesem Thema."

Ansonsten hält sich das offizielle Bad Kissingen mit Äußerungen und Stellungnahmen stark zurück. Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD), der auch die Stadt in der Staatsbad GmbH vertritt, bestätigte lediglich, dass das Thema Personalveränderung auf der nicht öffentlichen Tagesordnung der kommenden Stadtratssitzung steht. Ansonsten könne er der nicht öffentlichen Sitzung natürlich nicht vorgreifen. Er wollte sich auch nicht dazu äußern, ob das Thema aufgrund eines Antrags einer Fraktion auf die Tagesordnung gekommen sei.

Auch aus den Fraktionen war nichts Genaueres zu erfahren. Bernd Czelustek (SPD) bat um Verständnis, sich nicht äußern zu wollen. Aus seiner Fraktion sei der Antrag auf Debatte jedenfalls nicht gekommen. Auch Klaudia Schick (CSU) wollte erst die Debatte abwarten. Und: "Vor ein paar Jahren haben die Freien Wähler mal so einen Antrag gestellt. Aber jetzt hat meines Wissens keine Fraktion die Debatte beantragt. Die Tagesordnung zu den Sitzungen macht der Oberbürgermeister." Das bestätigte auch Otto Funck (FW): "Der Antrag kam nicht von den Fraktionen, sondern von den Gesellschaftern." Beidem Antrag 2009 sei es um Fragen der Rechtmäßigkeit der Berufung Sauers gegangen.

Auch im Münchner Finanzministerium, mit einem Anteil von 60 Prozent Hauptgesellschafter der Staatsbad GmbH, hält man sich bedeckt: "Wir wissen Bescheid", erklärte Pressesprecher Horst Wolf, "aber das sind im Augenblick Belange des Stadtrates, die wir nicht kommentieren."

Gefordert ist das Finanzministerium erst, wenn der Stadtrat eine Neubesetzung des Geschäftsführerpostens verlangt. Gunter Sauer hat zwar einen unbefristeten Vertrag, der nach Aussage von Joachim Kohn allerdings jederzeit gekündigt werden kann. Eine außerordentliche Kündigung käme wohl nicht in Frage, weil Sauer nicht heimlich in die städtische Kasse gegriffen hat, in der ohnehin nichts zu holen ist. Bliebe die ordentliche Kündigung. Dann gilt die vertraglich vereinbarte oder gesetzliche Kündigungsfrist. Eine Abfindung wäre nicht erforderlich.

Die Kündigung müsste von den Gesellschaftern ausgesprochen werden, und die müssten sich einig sein. Die Stimmenanteile richten sich zwar nach den Geschäftsanteilen, und da könnte der Freistaat mit seinen 60 Prozent die städtischen 40 Prozent problemlos überstimmen. Aber bei Personalangelegenheiten liegt das Quorum bei 75 Prozent. Das ist bei zwei Gesellschaftern nur bei Einigkeit zu erzielen. Die Frage, ob der Freistaat sich einer Kündigungsentscheidung des Stadtrates anschließen würde, beantwortete Wolf nicht. Aber vom Frühjahr, als rund um die Kündigung von Kulturmanagerin Jutta Dieing Gunter Sauer öffentlich in die Kritik geraten war, steht noch die Aussage im Raum, dass München Bad Kissingen keine Steine in den Weg legen werde.