"Glutton" heißt der neue Mitarbeiter der Stadt Bad Kissingen, oder genauer gesagt: des Servicebetriebs. Das ist Englisch und bedeutet auf Deutsch "Vielfraß". Der Name verspricht nicht unbedingt einen angenehmen Kollegen, aber der Eindruck täuscht.

Glutton sieht aus wie ein etwas aus den Fugen geratener Staubsauger auf vier Rädern - und das ist er auch. Der Engländer, der allerdings aus dem belgischen Namur stammt, soll die Stadtreinigung nachhaltig entlasten.

"Das ist jetzt der neueste Stand der Technik", betonte Servicebetrieb-Chef Jürgen Kober bei der Vorstellung. Auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht meint, wenn man das etwa mannshohe Gerät mit seinem dicken, etwa zwei Meter langen Saugrüssel, seiner 240-Liter-Normmülltonne als "Rucksack" hinten dran und dem gelben Warnblinklicht auf der Maschinenabdeckung sieht. Da hat es ein bisschen was von "Fliewatüüt".

Aber es sind vor allem die inneren Werte des Glutton, die Jürgen Kober Recht geben. Die Konzeption ist ganz auf Umweltfreundlichkeit ausgelegt. Betrieben wird der Sauger über einen leistungsfähigen Akku, der acht Stunden Arbeit im Volllastbetrieb ermöglicht. Erst dann, also am Ende eines regulären Arbeitstages, muss er wieder an die Steckdose. Er wird über eine Deichsel gesteuert, ist aber selbstfahrend - in verschiedenen Geschwindigkeiten und natürlich auch mit Rückwärtsgang. Auch die Saugleistung lässt sich je nach Anforderungen erhöhen oder verringern.

Das Gerät ist erstaunlich leise, was auch einen Einsatz in empfindlichen Bereichen ermöglicht. Das Lauteste - und etwas Nervende, aber das soll es ja auch sein - ist das Warngepiepse beim Rückwärtsfahren. Aber das haben die großen Lkw-Brüder ja auch.

Glutton saugt alles auf, was nicht niet- und nagelfest ist und was durch seinen rund 15 cm dicken Schlauch passt. Das geht von Laub und Papier über Kaffeebecher bis hin zu Plastik- und Glasflaschen. Sollte einmal eine noch glühende Zigarettenkippe darunter sein, ist auch das kein Problem. Denn ein Sensor merkt sofort, wenn die Temperatur in der Mülltonne ansteigt und setzt Löschwasser aus einem eingebauten Tank in Bewegung. An Menschen hat sich Glutton noch nicht versucht. Man kann ihm sich unbedenklich nähern.

Das ist auch ein Grund, warum die Fachleute geradezu ins Schwärmen kommen. Der Glutton kann auch im dichtesten Trubel eingesetzt werden. Er kommt in alle Ecken, in die die großen Reinigungsfahrzeuge nicht kommen, zum Beispiel beim Rakoczyfest.

Ausschlaggebend für die Anschaffung, so Jürgen Kober, war die Abschaffung des wechselseitigen Parkens in der Stadt. Die temporäre Sperrung der jetzt dauerbelegten Parkflächen zum Zweck der Reinigung war einfach zu umständlich und zu personalintensiv. Jetzt kann der Glutton problemlos die Rinnsteine gleichsam im Vorübergehen sauber halten, ohne mit den Autos in Kontakt zu kommen. Da wird Stadtreinigung zum Spaziergang. Peter Fell muss es wissen, denn er bedient das neue Gerät.

Überhaupt: Der E-Sauger schafft, so heißt es, so viel weg wie fünf Reinigungskräfte mit Besen und Schaufel. Das kann durchaus sein. Aber es gibt auch etwas, was der Glutton nicht mag, wie Peter Fell erfahren hat - und da bekommt er keinen Widerspruch von seinem Chef: nasses Laub. Da muss er auch jedes Blatt einzeln vom Boden abkratzen. Da ist er auch nicht schneller als seine analogen Kollegen mit Muskelkraft und Besen. Aber sonst...

Kennen gelernt haben die Kissinger den Glutton, als der neue Stadtrat in Schweinfurt seinen Antrittsbesuch machte. Das standen zwei Geräte vor dem Rathaus. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Nach einer umfangreichen Marktanalyse stand fest, dass das Gerät den Anforderungen entspricht. Am 1. August dieses Jahres fand eine Vorführung beim Servicebetrieb statt, anschließend ging der Bestellschein raus nach Namur. Die Anschaffungskosten liegen bei 18 800 Euro. Dazu kommt ein Anhänger für 1880 Euro, damit der Glutton schnellstmöglich dahin kommen kann, wo der Dreck wartet.