Makellos, blau und unberührt stehen sie da: sechs Schraubstöcke. Kein Kratzer, kein Staubkorn ist auf ihnen zu sehen. Sie scheinen förmlich darauf zu warten, endlich benutzt zu werden. Doch sie müssen sich noch eine Weile gedulden.
Noch ist die Werkstatt, in der sie bereitstehen, nicht bezogen. Noch ist der Ausbildungsstützpunkt, zu dem die Werkstatt gehört, nicht fertig. "Zu Beginn der neuen Jagdsaison am 1. Mai 2016 wollen wir ihn in Betrieb nehmen", sagt Marco Herbert, der bei den Bayerischen Staatsforsten Bad Brückenau für den Umbau zuständig ist.
Der neue Ausbildungsstützpunkt entsteht seit April auf dem Gelände des ehemaligen Forst-Maschinenbetriebs in der Wendelinusstraße in Stangenroth. Rund 500 000 Euro investieren die Bayerischen Staatsforsten in den Umbau. Künftig sollen hier junge Leute zu Forstwirten ausgebildet werden. "Pro Lehrjahr stellen wir zwei Auszubildende ein", erklärt Theodor Escherich. Er ist als Servicestellenleiter des Staatsforstbetriebes Bad Brückenau für den Bereich Ausbildung zuständig und somit auch für den neuen Stangenrother Stützpunkt.


Ausbildung vor Ort

Dieser wird dringend gebraucht. Schließlich haben die Bayerischen Staatsforsten die Ausbildungsrahmen für angehende Forstwirte geändert. Seit der Forstreform in 2005 wurden diese zentral in Südbayern ausgebildet, nun verläuft die Lehre wieder dezentral in den einzelnen Forstbetrieben.
16 Ausbildungsbetriebe gibt es aktuell bei den Bayerischen Staatsforsten, vier Standorte davon befinden sich in Unterfranken: Bad Brückenau, Bad Königshofen, Ebrach und Heigenbrücken. Bayernweit bilden die Staatsforstbetriebe jährlich etwa 35 Forstwirte aus. "Davon haben etwa 15 die Chance, übernommen zu werden", so Escherich. Auch die anderen Absolventen würden gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Forstwirte seien schließlich sehr begehrt.


Werkstatt für die Praxis

Um ein solcher zu werden, braucht man mindestens einen Qualifizierten Hauptschulabschluss. Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist in drei Bereiche unterteilt. Die Praxis wird in den Forstbetrieben vermittelt, die Theorie im mehrwöchigen Blockunterricht an der Berufsschule in Neunburg in Niederbayern. "Den dritten Teil der Berufsausbildung bilden Sonderlehrgänge und Prüfungsvorbereitungen, die im Forstbildungszentrum in Buchenbühl bei Nürnberg stattfinden", so Escherich. Neben dem Wissen und Können rund um den Wald, seine Pflege und seine Nutzung erlernen die angehenden Forstwirte auch zahlreiche praktische Fertigkeiten. "Zum Beispiel wie man die Sägeblätter der Motorsägen schärft oder einen Axtstiel anfertigt", erklärt er. Dafür wird die neue Werkstatt in Stangenroth benötigt. Dementsprechend stehen dort auch schon eine neue Hobel- und eine neue Sägemaschine bereit.


Noch Arbeiten nötig

Zwar ist das Hauptgebäude, in dem sich die Ausbildungswerkstatt befindet, weitestgehend umgebaut: Die Außenhülle erstrahlt in einem orangefarbenen Anstrich, die Sanitäranlagen sind modernisiert, und auch eine neue Pelletsheizung wurde eingebaut. "Jedoch müssen noch zwei Nebengebäude abgerissen und der Hof hergerichtet werden", erklärt Bauleiter Marco Herbert.


Neue Wildkammer

Parallel dazu muss auch noch die neue Wildkammer fertiggestellt werden. Im Moment ist der Fliesenleger darin tätig. Die Kammer befindet sich ebenfalls in dem orangefarbenen Hauptgebäude und dient den Jägern des Staatsforstbetriebes dazu, erlegte Wildtiere zu säubern und kurz zu lagern. Die bisherige Wildkammer im Nebengebäude wird mit abgerissen.
Bereits bezugsfertig sind die neuen Büros im Obergeschoss des Hauptgebäudes. "In einem davon sitzt schon der Einsatzleiter", sagt Marco Herbert. Dieser koordiniert die Einsätze von Unternehmen, die in den Wäldern des Staatsforstbetriebes tätig sind. In dem anderen Büro werden zwei Förster unterkommen, unter anderem Richard Henneberger, der für das Revier Stangenroth zuständig ist.