Enttäuscht klebte André Betz an der Werbebande. Thulbas Spielertrainer brauchte Zeit und Abstand, um die 90 Minuten zuvor zu verstehen. Top-Spiel. Den Spitzenreiter zu Gast. Ein Achtungszeichen hatten die Frankonen kurz vor der Winterpause setzen wollen nach einigen Enttäuschungen zu viel in der jüngeren Vergangenheit. Entsprechend intensiv war der Einsatz. Und dennoch waren die Frankonen irgendwie chancenlos. Was wörtlich zu nehmen ist angesichts offensiver Harmlosigkeit. "Uns fehlt die Leichtigkeit, der Spielwitz, die letzte Aktion vor dem Tor. Reichenbach hat verdient gewonnen", gab der Übungsleiter zu. Es ist wohl der Fluch der guten Tat. In der Vorsaison hatte der FC Thulba am Tor zur Bezirksliga geklopft. Als Aufsteiger. "Wir haben viele junge Spieler. Die brauchen Zeit", weiß Betz. Und meint, dass die hohe Erwartungshaltung von außen für manch einen zum Hemmschuh geworden ist. Aktuell wird bei den Schwarz-Gelben Fußball gearbeitet, weil die Kreativität dem Team abgeht. Zu wenig, um den FC Reichenbach in seiner momentanen Form zu beeindrucken.

Eine glückliche Gelbe Karte

"Da steckt viel Arbeit dahinter, die Jungs ziehen im Training aber auch entsprechend mit", wertschätzt Marc Hartmann die hohe Laufbereitschaft seiner Truppe, die in Ballnähe immer wieder Überzahl schuf, dem Gegner kaum Räume zum Kombinieren gab. Thulba hatte die ersten guten Aktionen durch Philipp Hölzer und Tobias Huppmann, und dennoch war die Führung der Gäste durch den direkt verwandelten Freistoßball aus 18 Metern von Lukas Nöth keinesfalls unverdient. Beim Foulspiel davor hatte Sebastian Vancea nur Gelb gesehen. Glück für den Abwehrmann, weil Nöth frei vor Torsteher Daniel Neder gewesen wäre.
Das 0:2 wenige Minuten nach Wiederanpfiff schien den Gastgebern endgültig den Glauben an ein Erfolgserlebnis genommen zu haben. Michael Seith hatte einen perfekten Konter über Jannik Schäfer und Claus Kirchner abgeschlossen. Diverse Einwechslungen belebten Thulbas Angriffsspiel nicht. Stattdessen musste Neder zupacken bei den Aktionen von Jannick Schäfer und Michael Seith. Der finale Treffer machte die Thulbaer Ratlosigkeit perfekt, als Lukas Nöth nach einem eher zufälligen Ball in die Spitze per Kopf früher ans Leder kam als der Frankonen-Keeper, dessen Vorderleute vergeblich auf den Abseitspfiff gewartet hatten. Kurz vor Spielende hatte Jannick Schäfer sogar das 0:4 auf dem Fuß. "Das ist super, wie routiniert wir das momentan herunterspielen. Wir haben wenig zugelassen und schauen jetzt, wohin die Reise geht", bilanzierte Hartmann. Jetzt klopfen die Teutonen an die Tür zur Bezirksliga...

Torfolge 0:1 Lukas Nöth (31.), 0:2 Michael Seith (51.), 0:3 Lukas Nöth (73.).

Gelb-rote Karte Dominik Halbig (Thulba/90.).

FC Thulba Neder - Hölderle, Hänelt, Happ, Vancea - Adelsbach, Betz, Wüscher, Hölzer - Heim, Huppmann; eingewechselt: Kaufmann, Halbig, Hüfner.

FC Reichenbach
Back - Schmitt, P. Hergenröther, J. Hergenröther, Schmitt, Hillenbrand - Schön, Seith, Kirchner, Reininger, Schäfer - Nöth; eingewechselt: Back, Buhlheller, Trägner.

Zuschauer 120.

Schiedsrichter Josef Brüger (TSV Irmelshausen).

SV Riedenberg - TSV Oberthulba 3:1 (1:1) - Torfolge: 1:0 Philipp Dorn (3.), 1:1 Kevin Voll (12.), 2:1/3:1 Philipp Dorn (48./70.).

Die Gastgeber feierten gegen den Aufsteiger den erwarteten Erfolg, der allerdings erst einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang zu verdanken war. Dabei schien der Favorit schnell auf der Erfolgsspur zu sein, denn schon der erste Angriff konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Hereingabe von André Römmelt, der kurzfristig für den verletzten Dominik Fröhlich in die Anfangsformation rutschte, hatte TSV-Innenverteidiger Oliver Hofmann zunächst Glück, dass sein verunglückter Befreiungsschlag an die Latte schlug, doch mit der Hacke bugsierte Philipp Dorn das Leder über die Torlinie. Dieser Gegentreffer warf das Defensivkonzept von TSV-Coach Norman Jung über den Haufen, doch zehn Minuten später war der Rückstand bereits egalisiert. Ein Steilpass von Erik Beyer in die Schnittstelle der SV-Deckung, in der Thomas Schaab den wegen einer Fußverletzung auf der Bank sitzenden Thomas Vorndran vertrat, landete auf dem Fuß von Kevin Voll, der anschließend Keeper Florian Dorn umkurvte und ins leere Tor einschob. Wenig später hatten die Gäste großes Glück, als Manuel Schuhmann nach einem Missverständnis in der TSV-Defensive zum Schuss kam, der Ball von Hofmann aber vor der Torlinie weggeschlagen werden konnte. Im Rest der ersten Halbzeit waren die Gastgeber zwar überlegen, doch ihr langsames Aufbauspiel kam dem kompakt stehenden Kontrahenten entgegen.
Gleich nach Wiederanpfiff schlug erneut Philipp Dorn zu. Nach Flanke von Max Schultheiß, der auf Anweisung von Charly Storch die Außenverteidigerposition mit Schuhmann getauscht hatte, schlug der Kopfball von Dorn unhaltbar im langen Eck ein. Die Gäste waren danach zwar um den Ausgleich bemüht, doch das Fehlen von Stefan Muth machte sich negativ bemerkbar. Die Platzherren erhöhten jetzt die Schlagzahl, nach präzisem Rückpass von Simon Hergenröder schlenzte Dorn überlegt ins lange Eck. "Das war zu einfach", schimpfte anschließend TSV-Coach Norman Jung, dessen Schützlinge zwar tapfer weiterkämpften, aber in der Offensive den weitgehend beschäftigungslosen Florian Dorn nicht zu prüfen wussten. In der Schlussphase hatte Schultheiß nach Pass von Christoph Dorn das 4:1 auf dem Fuß, doch der herausstürzende Philipp Metz verkürzte geschickt den Winkel. An der Berechtigung des SV-Erfolges zweifelte nach dem Abpfiff niemand. "Die zweite Halbzeit war okay", bilanzierte Storch knapp. sbp

SV Ramsthal - TSV Rannungen 4:2 (2:1) - Torfolge: 0:1 Raphael Berninger (20.), 1:1 Matthias Hallhuber (Foulelfmeter/40.), 2:1 Alexander Unsleber (43.), 3:1 Enrico Ott (52.), 4:1 Alexander Unsleber (62.), 4:2 Julian Stahl (87.) - Gelb-rote Karte: Raphael Berninger (Rannungen/90.).

Gegen den Aufsteiger blieb der SV Ramsthal zunächst sehr passiv. Die Gäste agierten druckvoller und besaßen in Raphael Berninger einen Stürmer von Format. Er war es auch, der seine Farben in Front schoss. Danach sahen die Zuschauer weiter eine Rannunger Mannschaft, die auf Teufel komm raus auf das 2:0 drängte. Erst allmählich setzte sich die spielerische Reife der Hausherren durch, die per Doppelschlag kurz vor dem Seitenwechsel das Match drehten. Matthias Hallhuber hatte einen von Sebastian Meurer an Marcel Schmitt verwirkten Elfer vollstreckt und Alexander Uns leber nach sehenswerter Vorarbeit von Sascha Ott das 2:1 markiert. Die erste Phase der zweiten Halbzeit gehörte der Mannschaft von Thorsten Büttner. Binnen zehn Minuten gelangen Enrico Ott und Unsleber die entscheidenden Treffer nach Flanken von Björn Morper und Hallhuber. Dem TSV Rannungen gelang zwar noch das 2:4, doch Ramsthal ließ nichts mehr anbrennen. Jochen Hesselbach vor Ort: "Nach relativ zähem Beginn haben wir das Spiel in den Griff bekommen und aufgrund der Steigerung in der zweiten Halbzeit auch verdient gewonnen." ksei