Wenn Andreas Karich etwas macht, dann macht er es richtig. Seit Februar hat er die Leitung der Judo-Abteilung beim TSV Bad Kissingen übernommen. Einen BLSV-Lehrgang zum Übungsleiter Breitensport (Kinder und Jugendliche) absolvierte er mittlerweile erfolgreich. "Meine praktische Prüfung musste ich im Handball ablegen, aber ich hätte ein schlechteres Los erwischen können", lacht er. Dass er sich in Sachen Judo bestens auskennt, versteht sich von selbst. Diesen Sport übt der 1976 in Turkmenistan geborene Karich seit seinem neunten Lebensjahr aus. 1992 und 1993 wurde er turkmenischer Meister. 1996 kam er nach Wildflecken und machte einen Sprachkurs, mittlerweile beherrscht er die deutsche Sprache sehr gut. Nach einer entsprechenden Ausbildung arbeitete er zehn Jahre als Koch. Da blieb für Judo keine Zeit. "Ich musste Geld verdienen, das hatte Vorrang", spricht er ohne Bitterkeit über die lange beruflich bedingte Auszeit. 2004 folgte der Umzug nach Bad Kissingen, seit 2008 ist er Mitglied im TSV Bad Kissingen. "Ich habe 2008 als Koch aufgehört und arbeite seitdem als Galvaniseur bei einer Firma in Hammelburg." Der Schichtdienst ermöglicht es ihm, jetzt vierzehntägig wieder Zeit für Judo zu haben. Im Februar diesen Jahres hat er die Leitung der Judo-Abteilung übernommen. "Ich bin froh, dass wir ihn haben", freut sich die TSV-Vorsitzende Hannelore Schön.

In den zwei Jahren zuvor war wegen Trainermangels nicht mehr viel geboten. Sven Taubmann musste gesundheitsbedingt aufhören, Manfred Albert hat das Training noch durchgezogen und hielt die traditionsreiche Abteilung quasi als Einzelkämpfer am Leben. Immer noch mit Leib und Seele Judoka ist Rustam Alakhveran, der Andreas Karich unterstützt und das Training leitet, wenn der wegen des Schichtdienstes verhindert ist. Rustam besucht die zehnte Klasse des Gymnasiums. Mittlerweile gibt es 25 aktive und 45 passive Mitglieder. Das Training ist Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 17.30 Uhr bis 19 Uhr, freitags ab 19 Uhr können dann die Älteren auf die Matte, die von Richard Bendhun angeleitet werden.

Dass Andreas Karich besonders gerne Kinder und Jugendliche trainiert, hat viel mit seinem Sohn Viktor zu tun. Für den Trainer ist Judo der ideale Sport, auch schon für kleinere Kinder. Es werden nicht nur Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, sondern auch die Achtung vor dem Partner gelernt. "Dieser gegenseitige Respekt ist mir sehr wichtig", betont Andreas Karich. Sein Sohn Viktor hatte es nicht immer leicht in der Grundschule. Das ging anderen Kindern ebenso, "im Lauf des Jahres hat fast die ganze Klasse mal beim Judo-Training geschnuppert und nicht nur Viktor ist dabei geblieben", berichtet der Trainer über wachsendes Interesse. "Viktor hat damals Flyer verteilt, das hat auch mein Interesse geweckt", erinnert sich Daniel Siryi. Im Training gefallen ihm die Übungen zum Werfen am besten. Alexander Elsner, der nach einem Gespräch seiner Eltern mit einem Lehrer zum Judo kam, bevorzugt die Haltegriffe. "Man lernt sich zu verteidigen. Es ist gut zu wissen, wie man bei einem Angriff reagieren kann", betont Viktor Karich, der mittlerweile das Gymnasium besucht, einen weiteren wichtigen Aspekt.

Andreas Karich sorgt dafür, dass der Spaß im Training nicht zu kurz kommt. "Wir spielen eine Art Reise nach Jerusalem, nur bei uns heißt das Reise nach Kodokan. Wir laufen im Kreis und müssen uns dann einen Partner suchen, um ihn zu werfen", berichtet sein Sohn. Kodokan ("Lehrhalle des Weges") ist die älteste und bedeutendste Judo-Schule der Welt. Sie befindet sich in Tokio und wurde 1882 vom Begründer des Judo, Kano Jigoro, gegründet. Alexander Elsner freut sich, wenn Zielübungen auf dem Programm stehen. "Da müssen wir Klammern in Eimer werfen, das ist eine schöne Abwechslung. Außerdem waren wir im Sommer einmal gemeinsam im Freibad, das war klasse." Doch die Jungs haben auch sportlich Ehrgeiz. Ihre erste Prüfung für den gelb-weißen Gürtel haben sie gemeinsam mit anderen Gruppenmitgliedern erfolgreich abgelegt. Denis Justus ist mit dem gelben Gürtel eine Stufe weiter. Die nächste Prüfung darf erst in einem halben Jahr absolviert werden.

"Wir wollen möglichst weit mit den Gürtelprüfungen kommen und auch Turniere bestreiten", betonen Daniel, Alexander und Viktor. Das ist ganz im Sinne ihres Trainers, für den die Teilnahme an Unterfränkischen Meisterschaften das Nahziel ist. "Die Jungs und Mädels sollen sich beim Training austoben, aber Disziplin ist mir wichtig", betont Andreas Karich. Das sieht man schon bei der Begrüßung in der Halle, die klaren Regeln folgt. Zum Aufwärmen wird dann gelaufen, wobei die größeren Kinder darauf zu achten haben, dass auch das jüngste Gruppenmitglied mithalten kann. Es folgen Rollen vorwärts und rückwärts sowie Wurftechniken und Wurfkombinationen. "Die Kinder lernen das Fallen, die Koordination wird verbessert und auch die Kondition kommt nicht zu kurz. Aber meine oberste Maxime bleibt der Respekt untereinander", fasst Andreas Karich zusammen.