Die Faszination Handball zieht die Bad Brückenauer seit Jahrzehnten in ihren Bann. "Schon als es hier überhaupt noch keine geeignete Halle gab, haben die Brückenauer auf dem alten Sportplatz des FC mit großer Begeisterung Handball unter freiem Himmel gespielt", erklärt Abteilungsleiter Dirk Stumpe. Vom Feldhandball früherer Tage bis zum modernen, rasanten Handball unter dem Hallendach hat sich der sportliche Aspekt zwar grundlegend gewandelt, geblieben ist indes die Begeisterung der Sinnstädter für diese Sportart. "Wir haben rund acht Jahre lang immer wieder um den Aufstieg mitgespielt und in der Relegation mitgekämpft. Bei jedem Heimspiel hatten wir da echt volles Haus", sagt Stumpe. Nachdem die durchschlagenden sportlichen Erfolge ausblieben, legte sich das Zuschauerinteresse zwischenzeitlich zwar wieder, "aber jetzt spüren wir ganz deutlich den Aufwärtstrend".

Die Rückkehr der Ultras

Viele Monate hatte die Handballabteilung des FC Bad Brückenau sogar einen eigenen Fanclub: "Die haben sich Ultras genannt und uns zu jedem Spiel begleitet." Auch musikalisch wurden die Handballer immer wieder mit Instrumenten angefeuert. Aufgrund des sogenannten doppelten Abiturjahrgangs sind viele junge Bad Brückenauer zum Studium in weiter Ferne: "Das macht sich natürlich schon bemerkbar. Sowohl bei den jungen Fans, als auch bei den Nachwuchsspielern." Mangels Masse haben sich die "Ultras" als feste Fangruppierung also wieder aufgelöst, sind aber ab und an wieder auf den Rängen anzutreffen. Dass es viele Einheimische aus beruflichen oder schulischen Gründen in die Fremde zieht, macht den Handballern durchaus zu schaffen: "Es gibt eben nicht viele Handballvereine im Kreis. Der Fußball hat schon allein aufgrund der Vielzahl an Mannschaften in der Umgebung eine viel höhere Aufmerksamkeit."

Begeisterung für Damen und Herren

Weil gerade bei der Herrenmannschaft allerdings nun viele Aktive aus der Jugend ins Team drängen, füllen sich die Zuschauerplätze in der Dreifachturnhalle in Römershag nun wieder: "Die Eltern, von denen viele früher selbst Handball gespielt haben, interessieren sich natürlich für den Nachwuchs. Da entdecken manche ihre alte Leidenschaft plötzlich wieder." Positiv merkt Stumpe an, dass sich die Brückenauer schon immer für beide Teams, also die Damen- und die Herrenmannschaft, begeistern konnten: "Es gab durchaus schon Spieltage, da war bei den Mädels mehr los auf den Rängen als bei den Herren." Dass die weithin bewunderte Fankultur der Brückenauer Handballer zwischenzeitlich "etwas eingeschlafen war", nimmt Stumpe keinesfalls den Mut, den Handballsport in der Region weiterzuentwickeln. "Handball ist einfach ein attraktiver Sport für die Zuschauer. Es ist ein echter Kontaktsport. Da brennt es richtig auf dem Feld", schwärmt Stumpe. Und so lässt es sich der Abteilungsleiter nicht nehmen, die Fans bei den Partien als Moderator nach vorne zu treiben. Am Mikro beweist Stumpe nicht nur sein Fachwissen, sondern vor allem seine Qualitäten als echter Einheizer. "Ich merke es selbst, in dieser Saison läuft es wieder besser, vor allem was die Stimmung anbelangt."

Glücksfall Klaus Sieß

Überhaupt kümmern sich die Handballer seit einigen Monaten wieder verstärkt um die Jugend. "Wir haben das Glück, dass Trainer Klaus Sieß für den Handballsport lebt. Er belebt die Zusammenarbeit mit den Schulen und sucht so fast jeden Tag nach neuen Talenten." So bieten die Handballer bereits an der Grundschule freiwillige Unterrichtseinheiten an, bei denen es allerdings nicht nur um Handball, sondern um Bewegung und Motorik im Allgemeinen geht. "Das ist eine tolle Sache, bei der Klaus die Kids richtig begeistern kann." Die Handballer stehen als Abteilung des FC Bad Brückenau bei der Rekrutierung neuer Talente letztlich immer auch in Konkurrenz zum allgegenwärtigen Fußballsport. "Es gibt sicher einige Jugendliche, die in beiden Sportarten glänzen können. Aber nach einiger Zeit gibt es fast immer eine Entscheidung für die eine oder andere Sportart", sagt Stumpe. Für die Kleinsten und Jugendlichen bieten die Handballer daher eine ganze Menge: Fackel-Wanderungen, Trainingslager, Fahrten zu Bundesliga-Spielen.

Der Einsatz stimmt

Bei der Damenmannschaft hatte sich nach einigen Partien in dieser Saison herausgestellt: "Die Personaldecke ist zu dünn. Das wird richtig eng." Der personelle Engpass hat sich derart verschärft, dass teilweise nur zwei Spielerinnen auf der Ersatzbank sitzen: "Das ist natürlich zu wenig und zehrt an den Kräften." Die aktiven Handballerinnen zeigen dafür umso mehr Einsatz, um den Spielbetrieb reibungslos aufrecht zu erhalten: "Da werden auch schonmal Dienstpläne angepasst und hunderte Kilometer zum Spiel gefahren. Das verdient absoluten Respekt." Umso bedauerlicher findet es Stumpe, dass die Damen in dieser Saison noch ohne Sieg geblieben sind: "Ich hoffe, dass das Engagement und die Motivation darunter nicht leiden."

Emotionsgeladener als beim Fußball

Der Bau des giftgrünen "Hexenkessels" im Schulzentrum Römershag war ein Glücksfall. Denn zuvor hatten die Handballer im gesamten Altlandkreis keine geeignete Sporthalle: "Die sind alle zu klein." So mussten die Handballer vor vielen Jahren sogar zum Bundesgrenzschutz nach Oerlenbach ausweichen, um in den Wintermonaten spielen und trainieren zu können. Diese Strapazen waren durch den Bau der Dreifachturnhalle endgültig beendet. Mit dem Stimmungsaufschwung bei den Spielen in dieser Saison zeigt sich Stumpe, der selbst als Schiedsrichter aktiv ist, ziemlich zufrieden. Die Atmosphäre sei grundsätzlich emotionsgeladener als bei einem Fußballspiel, weil ein Handballspiel von Natur aus ein Auf und Ab, ein Hin und Her ist. "Für Zuschauer ist Handball einfach echt attraktiv", sagt Stumpe. Nach dem Spiel in Bergrheinfeld gehen die FC-Handballer erst einmal in die Winterpause. In der Hoffnung, dass im kommenden Jahr die "Jugend das Zepter noch stärker übernimmt". Bei den Herren hat sich die Jugend bereits Stammplätze erobern können oder macht in der Joker-Rolle auf sich aufmerksam: "So muss es doch auch sein."