Tradition birgt Zahlenwerk. Das erste Spiel zwischen den unterfränkischen Rivalen hatten die Kickers mit 19:0 gewonnen, im Jahr 1909 in der Ostmaingauklasse. 106 Jahre später waren die Schweinfurter ebenfalls die klar unterlegene Mannschaft, die damit weiter auf das erste Erfolgserlebnis im neuen Jahr wartet. Selbst von der so oft beschworenen Stärke unter Flutlicht ist in diesen Tagen nichts zu spüren.

"Zwischen beiden Vereinen herrscht eine besondere Rivalität. Da sagt die Platzierung gar nichts aus. Für den Erfolg werden wir wie in jedem Spiel hart arbeiten müssen", hatte Kickers-Trainer Bernd Hollerbach vor dem Spiel vor der Kamera von Sport1, das das Spiel zur besten Sendezeit live übertrug, gesagt. Und musste lächeln ob der Frage, ob sich denn mit dem Hamburger SV der Ex-Verein gemeldet hätte nach der Entlassung von "Joe" Zinnbauer. "Ich habe hier ein interessantes Projekt", sagte der 45-Jährige, der mit den Rothosen bekanntermaßen in die Dritte Liga will. "Wenn die Kickers heute gewinnen und dann bei 1860 II nicht verlieren, sollte Würzburg der Titel nicht zu nehmen sein", prognostizierte vor dem Spiel BFV-Präsident Dr. Rainer Koch, der zusammen mit 5407 Zuschauern in die Flyeralarm-Arena gekommen war.
Und "Luxus" im Würzburger Kader sah, weil Hollerbach 15-Tore-Mann Christopher Bieber auf der Bank ließ, dafür stand mit Adam Jabiri der Stürmer mit Schweinfurter Vergangenheit in der Startelf des Tabellenführers.

Gedenkminute und Netz-Probleme

Nach einer Gedenkminute für Bernhard Reitmaier, dem Vater des Ex-Profis Claus Reitmaier, und für die Toten des Flugzeugabsturzes in Südfrankreich - ging es immer noch nicht los, weil erst eine Lücke im Tornetz geschlossen werden musste.

Alles andere als verhalten geriet der Start. Der Flankenball von Steven Lewerenz durfte beim Kopfballtor von Amir Shapourzadeh sogar noch aufsetzen. Und wieder nur ein paar Zeiger umdrehungen später führte der Favorit sogar mit 2:0 durch den direkt verwandelten Lewerenz-Freistoß. Was für eine herbe Enttäuschung für den zahlreich am Dallenberg vertretenen Anhang der Grün-Weißen. Fast sogar das 3:0, als Marco Haller aber nicht genügend Kraft auf den Ball bekam. Auch die Gelben Karten für Daniel Mache und Bastian Lunz nach dem rüden Einsteigen jeweils gegen Haller verdeutlichten die Schweinfurter Hilflosigkeit. Immerhin zwang Tom Jäckel mit einem hart getretenen Freistoßball Kickers-Keeper Robert Wulnikowski zur Faustabwehr (29.), zu hoch angesetzt war dagegen der Krautschneider-Standard (36.). Von ganz anderer Qualität war auf der anderen Seite der Hochkaräter von Lukas Billick frei vor Christopher Pfeiffer, der gut den Winkel verkürzte und die Gäste damit halbwegs im Spiel hielt (43.). Positiv blieb allein die Stimmung im Schnüdel-Block, wo die 600 Fans ihr Team trotzig unterstützten.

Mit Marino Müller und Ali Yetkin erhoffte sich Gerd Klaus offensiven Schwung - was zunächst nichts am selbstbewussten Auftreten der Gastgeber änderte. Aber der Anschlusstreffer war möglich, als Steffen Krautschneider für Simon Häcker auflegte, aber Würzburgs Niklas Weißenberger einen Tick eher an den Ball kam und zur Ecke klärte. Vielversprechend war die Freistoß-Position für Krautschneider in Minute 72, doch der Standard-Experte traf den Ball nicht richtig und wurde kurz darauf ausgewechselt. Es blieb beim Bemühen, während Würzburg die Partie clever herunterspielte mit einer weiteren guten Möglichkeit für Nico Gutjahr. Ganz klar: Die Schweinfurter müssen ihre Punkte gegen andere Gegner holen.

Kickers Würzburg Wulnikowski - Weißenberger, Herzig, Schoppenhauer, Nothnagel - Billick, Haller (65. Gutjahr) - Demirtas (83. Karsanidis), Lewerenz, Shapourzadeh - Jabiri (73. Bieber).

FC 05 Schweinfurt Pfeiffer - Pigl, Man. Müller, Janz, Lunz - Fery, Mache (46. Yetkin), Krautschneider (75. Dußler), Krämer, Häcker - Jäckel (Mar. Müller).

Tore 1:0 Amir Shapourzadeh (3.), 2:0 Steven Lewerenz (7.).

Zuschauer 5407.

Schiedsrichter Christian Dietz (Kronach).