Das Lob für Tim Eckert kommt aus berufenem Mund: "Tim ist für uns von unglaublicher Bedeutung, da muss man sich nur die Statistik anschauen. Er hat in jeder Saison seine Zahl der geschossenen Tore verbessert und etliche Treffer vorbereitet. Er ist extrem spielintelligent und bildet mit Philipp Hesselbach ein top funktionierendes Kapitäns- und Mittelfeld-Duo. Aber auch was das Thema Kameradschaft angeht, geht Tim voran", sagt mit Stephan Penquitt der Trainer des 26-Jährigen, der in Euerdorf bei "perma" als Außenhandelskaufmann arbeitet. Vor dem Spitzenspiel am Sonntag bei der SG Oerlenbach/Ebenhausen haben wir den Sulzthaler zum Interview gebeten.

Mal zum Warmwerden: Mit dem Derbysieg über Aura habt Ihr in der in der Kreisklasse Rhön 1 wieder die Tabellenführung übernommen. Was macht Euch diese Runde so stark?

Tim Eckert: Zwei Sachen fallen mir da ein: Zum einen waren wir in der vergangenen Saison in einer Ausgangsposition, die der aktuellen sehr ähnlich ist. Dann sind wir aber durch die vielen Englischen Wochen außer Tritt geraten. Aus dieser Situation hat die Mannschaft gelernt, aber auch neue Motivation gewonnen. Außerdem sind wir ein Verein, der traditionell wenige Zu- und Abgänge hat, also auf ein eingespieltes Team zurückgreifen kann. Wir wissen, wie der Nebenmann tickt. Und wir haben von der Altersstruktur her eine ideale Mischung aus Erfahrung und Spritzigkeit.

Und was braucht es für eine Rückkehr in die Kreisliga?

Bestimmt weniger englische Wochen. Aber auch, dass wir vom Verletzungspech verschont bleiben, das ist das Wichtigste. Im Sommer hatte sich im Gemeindepokal Timo Eichmann einen Kreuzbandriss zugezogen, was wir derzeit kompensieren können. Um aufzusteigen, braucht es aber auch den Willen, dieses Ziel zu schaffen. Und ein wenig Glück, dass man aber selbst beeinflussen muss. Ich vertrete die These, dass der mehr bekommt, der mehr investiert. Ich denke da an die Trainingsbeteiligung oder Urlaubsplanung.

Andererseits ist diese Kreisklasse ja so schlecht nicht: Relativ kurze Wege und interessante Gegner: Wärst Du arg traurig, wenn es mit dem großen Wurf nicht klappen würde?

Mit der Formulierung der Frage bin ich absolut einverstanden. Die Wege in dieser Liga sind kurz, es kommen viele Zuschauer, auch neutrale Fans. Ich bin aber auch der Meinung, dass es der Titel wert ist, auch in der vermeintlich uninteressanteren Kreisliga zu spielen. Auch über die Relegation wäre es den Aufstieg allemal wert.

Viel hängt auch von Deiner Torquote ab. Was zeichnet Dich aus?

Von der Gegenseite wurde schon öfters meine Schusstechnik gelobt. Ich selbst will vor allem effizient sein und schließe nur ab, wenn ich davon überzeugt bin, dass das ein Tor werden kann. Einen gesunden Egoismus vor dem Tor braucht es dennoch. Wenn man übertrieben nur den Mitspieler sucht, funktioniert das nicht. Der größte Faktor sind sicher meine Mitspieler, die mich suchen und in die passende Situation bringen. Oder mir den Rücken freihalten wie unser Kapitän Philipp Hesselbach, ich bin ja kein Stürmer, sondern spiele auf der Zehner-Position. Meistens spielen wir nur mit einem Stürmer den ich selber gerne und zwingend unterstütze.

Da passt natürlich die Frage, gegen wen Du nicht so gerne spielst/gespielt hast?

Ungerne habe ich im Training gegen meinen Vater Christian gespielt. Da hat's immer weh getan. Ansonsten möchte ich keine konkreten Namen nennen. Nicht gerne spiele ich tatsächlich gegen schnelle Spieler, weil mein Antritt und meine Endgeschwindigkeit nicht die besten sind. Robustere Gegenspieler sind zwar nie schön, aber liegen mir dann doch besser als die schnelleren.

Du hast jetzt einen Wunsch frei: Wen würdest Du für den VfR verpflichten, wenn Du die Möglichkeit hättest. Warum?

Da sage ich mal: den Florian Heim vom FC Thulba. Ein extrem ballsicherer Spieler mit einer guten Technik. Ob im Junioren- oder Herrenbereich: Wenn wir gegeneinander gespielt haben, war das immer überzeugend, was er abgeliefert hat. Flo ist ein Gewinn für jede Mannschaft.

Ich habe mir sagen lassen, dass Du ein Faible für Mallorca hast. Erzähl mal.

Im Jahr 2012 war ich das erste Mal auf Mallorca, das war aber alles nicht so, wie ich mir das erhofft und gewünscht hatte. Nie mehr wieder, dachte ich damals. Dann war ein Jahr Pause, ehe es 2014 wieder auf die Insel ging. Heuer wird es das achte Mal sein, wie immer gemeinsam mit Fußball-Kollegen. Und im Idealfall während Großereignissen wie einer Welt- oder Europameisterschaft, um in der Masse Fußball zu schauen und Party zu machen.

Viel gesungen wird beim VfR Sulzthal sowieso, und auch da gehst Du vorneweg. Was wird denn da so von Dir angestimmt?

Mit dem Singen im Sportheim bin ich quasi aufgewachsen. Und bei uns wird auch nach Niederlagen gesungen, nach Siegen kann das ja jeder. Es gibt bei uns ein gewisses Repertoire, was sich von den Standardgesängen unterschiedet. Zum Beispiel "Wenn Blau und Weiß nach auswärts ziehn", was in dieser Form nur in Sulzthal und in Fuchsstadt gesungen wird. Dann gibt es noch das Vereinslied schlechthin: das VfR-Lied. Da habe ich eine abgewandelte Form mal auf Youtube entdeckt, gesungen von Fans von Hannover 96. Dann fällt mir noch das Jägerslied ein mit einer angepassten Strophe. Statt "Jäger" heißt es: "Sulzthaler Stürmer schießen nie vorbei." Wenn dieses Lied angestimmt wird, sind vor allem unsere älteren Fans begeistert.

Du organisierst Mannschaftsabende, bist im Verein zweiter Kassier. Wie bringst Du das alles unter einen Hut?

Da hilft mir meine Freundin sehr, sonst wäre das wirklich schwierig. Sogar die Oma unterstützt mich. Es kommen ja neben den angesprochenen Aufgaben noch weitere interne Aufgaben innerhalb der Mannschaft dazu, wie das Waschen der Leibchen oder das Abstreuen des Platzes. Und Mannschafts-Abende oder Kabinen-Partys müssen halt angeleiert werden.

Du bist auch Vize-Sitzungspräsident bei der "Sulzler Fosenacht".

Stimmt. Da sind die Sitzungen immer in der Woche vor dem regulären Faschings-Wochenende, und damit immer auch in der Vorbereitung auf die Rückrunde. Ich moderiere die Sitzungen, und zwar immer dann, wenn der Sitzungspräsident selbst einen Auftritt hat, das ist immer etwa die Hälfte der Veranstaltung. Man darf sich und das Leben nicht so ernst nehmen, daher ist das immer eine witzige Sache.

Das heißt also, dass Du auch Spaß beim Jonglieren mit der Sprache hast?

Ja, das liegt mir durchaus. Ich habe ja an der Uni in Würzburg auch spanisch und italienisch studiert, schreibe und telefoniere von Berufs wegen täglich mit Kunden in aller Welt.

Du bist großer Fan des FC 05 Schweinfurt. Wie kommt's?

Ich habe in der U-17 für den FC 05 gespielt und war in dieser Zeit mal als Fan bei einem Landesliga-Spiel in Selbitz dabei. Da hat das alles angefangen. Später kamen die Derbys gegen Würzburg dazu, seitdem bin ich öfters im Willy-Sachs-Stadion. Es ist aber auch schon wieder weniger geworden aufgrund der diversen angesprochenen Verpflichtungen. Wenn es sich mal anbietet, bin ich aber immer noch gerne in Schweinfurt, und ein Auto bekommen wir dann eigentlich immer voll. Das Willy-Sachs-Stadion ist quasi die erste Anlaufstelle, ansonsten schaue ich gerne mal in Thulba oder Fuchsstadt zu oder bei unseren Kontrahenten in der Kreisklasse.

Auf zum Endspurt, Tim. Aber bitte nicht zerren. Wie war das noch mal mit der offensichtlich vererbten fehlenden Geschmeidigkeit beim Dehnen?

Das finde ich tatsächlich selbst witzig. Man kennt ja den Dehn-Klassiker: bei gestreckten Beinen mit den Händen an die Zehenspitzen zu greifen. Bei mir hieß es immer: Tim, für dich reicht es, in Richtung Boden zu greifen. Es ist zwar schon besser geworden, aber zum Boden schaffe ich es einfach nicht. Und das ist tatsächlich vererbt. Mein Vater war jedenfalls in seiner aktiven Zeit vom Dehnen befreit. Ich mache das mehr für den Kopf und das gute Gefühl, es würde aber sicher auch ohne Dehnen gehen. Von muskulären oder Bänder-Problemen bin ich übrigens immer verschont geblieben.

Was hat es mit dem Ort auf sich, den Du für den Fototermin vorgeschlagen hast?

Auf dem Spielplatz in Sulzthal habe ich mit meinen Kumpels immer nach der Schule gekickt, in den Ferien quasi vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Übrigens auch, wenn am Abend Training war, entsprechend müde sind wir da mitunter aufgetaucht. Ich weiß noch, wie ich Nachhilfe hatte und dabei fast verrückt wurde, weil die Kumpels schon am Spielplatz waren. Beim Bolzen haben wir auch unsere Technik verfeinert. Und einer ging immer zum Bäcker, um Eis oder Süßigkeiten zu holen. Witzigerweise hängen in einem Fangnetz immer noch meine Fußballschuhe, die ich dort 2016 leicht angeheitert reingeworfen habe, als wir Meister wurden und mit dem Bus aus Schönderling kamen.

Stationen Für zwei Vereine hat Tim Eckert gespielt: den VfR Sulzthal und den FC 05 Schweinfurt.

Größte Erfolge sind für den 26-Jährigen die Landesliga-Vizemeisterschaft mit dem FC 05 Schweinfurt sowie mit dem VfR Sulzthal der Aufstieg in die Kreisklasse 2011 sowie die Meisterschaft in der Kreisklasse samt Aufstieg in die Kreisliga im Jahr 2016.

Größte Karrieremomente waren für Tim Eckert Testspiele in der Jugend gegen Eintracht Frankfurt, Rot-Weiß Erfurt, Greuther Fürth und 1860 München sowie der Aufstieg mit Vater Christian im Jahr 2011.js