Begonnen hatte die Saison der SpVgg Haard tatsächlich mit einem Rückschlag. Ein bereits sicher geglaubter Sieg bei der zweiten Mannschaft aus Salz und Mühlbach wurde auf dramatische Art und Weise in letzter Minute hergeschenkt (3:3). Mehrere kuriose Schiedsrichterentscheidungen spielten dem Gegner in die Karten und kosteten den ambitionierten, jungen Haardern zwei Punkte. Punkte, das war nach dem ersten Spieltag allen bewusst, die möglicherweise am Ende fehlen könnten. "Das war tatsächlich sofort bei allen Spielern in den Köpfen drin", berichtete Trainer Christoph Then, "sogar bei der Meisterfeier wurde noch darüber geredet." Doch anscheinend beflügelte dieser Hintergedanke die Mannschaft.

Im weiteren Saisonverlauf der A-Klasse Rhön 2 wurde kein Gegner mehr unterschätzt, jede Partie mit voller Konzentration angegangen und eine fabelhafte Runde hingelegt. Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg ist Christoph Then. Der 35-Jährige übernahm 2017, nachdem die Mannschaft zuvor sang- und klanglos aus der Kreisklasse abgestiegen war, und hauchte ihr neues Leben ein. Then leistete Überzeugungsarbeit bei Altgedienten, die ans Aufhören dachten, und integrierte aufgerückte, hungrige Nachwuchsspieler. So schrammte man nur knapp am Relegationsplatz vorbei und belegte einen respektablen vierten Platz.

Der Abteilungsleiter stapelt tief

Dennoch gab Abteilungsleiter Peter Haupt vor Beginn der Saison nur den Klassenerhalt als Ziel aus. "Da hat er schon etwas tief gestapelt", lacht Then, "wir sind ein junges Team, hatten wenig Druck. Den Aufstieg wollten wir eigentlich eine Saison später in Angriff nehmen. Es ist umso schöner, dass es jetzt schon geklappt hat." Nach dem ersten Spieltag gewann Haard sechs Spiele in Folge, räumte dabei Meisterschaftsfavoriten wie Poppenlauer und Sulzfeld aus dem Weg. Folgerichtig grüßte die Spielvereinigung zur Winterpause von der Tabellenspitze.

Im Wintertrainingslager in Crailsheim, wo unter professionellen Bedingungen auf Kunstrasen und bei Bedarf sogar in einer Soccer-Halle trainiert werden kann, machten die Spieler sich fit für die Rückrunde. "Da wurde uns dann klar, was wir erreichen können. Dementsprechend haben die Jungs in der Vorbereitung mitgezogen", berichtet der Spielertrainer.

Die eingeführte, aber mitunter noch fehleranfällige Viererkette fand immer besser zusammen. Und in der Mittelfeldzentrale zog Then selbst, der beim TSV Großbardorf schon höherklassig Erfahrung gesammelt hat, gemeinsam mit Jan Niklas Kiesel die Fäden. Der erst 21-Jährige erwies sich zudem als Standard-Spezialist und bewies bei Elfmetern eine bemerkenswerte Abgeklärtheit: Seine Trefferquote: hundert Prozent.

In der Doppelspitze wurde der schnelle Rene Bartsch, der mit 29 Treffern den zweiten Platz in der Torjägerliste belegte, perfekt vom erfahrenen Jens Mammitzsch unterstützt. So installierte Then ein System, in dem nur selten auf die verpönten langen Pässe und Befreiungsschläge zurückgegriffen wird. Stattdessen sucht Haard die spielerische Lösung und kombiniert sich nach vorne. Der Steilpass auf Rene Bartsch bleibt dabei stets eine Option. "Auf den Außenbahnen haben wir richtig gute Leute, vorne wie hinten, die alle wichtigen Wege gehen", lobt der Coach und fügt an: "Es gibt bei uns viele verschiedene Spielertypen, die sich super ergänzen."

Diese unterschiedlichen Spielertypen waren in der vergangenen Saison zudem endlich fast alle einsatzfähig. Im Jahr zuvor wurde die SpVgg nämlich von geradezu groteskem Verletzungspech heimgesucht. Torwart Christian Albert musste am Oberschenkel operiert werden, Abwehrchef Fabian Dietz fiel über ein Jahr mit Schien- und Wadenbeinbruch aus. Dann ist da noch die Geschichte seines Bruders Daniel Dietz, der in Pfändhausen beim Stand von 3:3 sein Comeback gab, nach einem Kreuzbandriss. Der sonst nicht gerade als Kopfballungeheuer bekannte Kapitän erzielte, und zwar mit Strickmütze, tatsächlich per Kopf den Siegtreffer in der Schlussphase. Besagte Kopfbedeckung durfte in den folgenden Spielen als Glücksbringer nicht fehlen.

Die Rückrunde verlief sogar noch besser für den Herbstmeister. Bis auf eine kleine Schwächephase im April mit einer Niederlage und einem Remis ließ Haard nichts anbrennen und gewann alle zwölf Spiele. Dass man dabei nur läppische 14 Gegentore zuließ, lag auch an Florian Gehring. Der Innenverteidiger, der auch als Spielmacher eingesetzt wird, spielt seit vier Jahren für die erste Mannschaft, hat in seiner kurzen Karriere mit einem Abstieg und nun einer Meisterschaft also schon einiges erlebt. Den Erfolg führt er vor allem auf den Teamgeist zurück. "Wir waren von Anfang an ein Team", bekräftigt der 21-Jährige, "jeder kämpft für jeden und alle brennen immer auf das nächste Spiel. Ich persönlich glaube, dass ich einen großen Sprung gemacht habe. Das liegt zu großen Teilen an Christoph. Aber auch daran, dass ich andere Interessen gerne hintenan gestellt habe." Sein Trainer stößt ins gleiche Horn: "Die Spieler haben richtig Bock, sind bei jedem Spiel mit Euphorie dabei. Die Trainingsbeteiligung ist sogar noch besser als letztes Jahr. Man merkt auch, dass für viele der Fußball im Stellenwert wieder gestiegen ist. Dafür muss ich der Mannschaft ein großes Kompliment machen."

Rauf auf den Faschingswagen

Dieser Teamgeist zeigt sich aber nicht nur auf dem Platz, denn feiern können die Mannen aus Haard auch. Der Meisterschaftsgewinn am vorletzten Spieltag kam etwas überraschend, weshalb die erste spontane Fete etwas kleiner ausfiel, zumal die extra bedruckten T-Shirts noch nicht fertig waren. Umso größer trumpften die Meister nach dem letzten Spiel in Bad Bocklet auf. Die Spielerfrauen und Freundinnen überreichten ihren Jungs eine selbstgebastelte Meisterschale. Auf den Tross aus Fans und Spielern wartete an der heimischen Kirche der in Vereinsfarben geschmückte Haarder Faschingswagen. Mit diesem zog die bunte Parade ausgelassen durch das ganze Dorf und ließ manchen unbeteiligten Zuschauer sprachlos zurück.

Zum Abschluss kamen die Feiernden im Sportheim zusammen und stießen bis in die Morgenstunden auf den verdienten Erfolg an. Zu guter Letzt zeigte sich Christoph Then von seiner großzügigen Seite, lud seine Schützlinge einige Tage später zu einem Mannschaftsabend zu sich nach Hause ein und rundete so eine rundum gelungene Spielzeit ab.

Auf die Kreisklasse blickt der Verein optimistisch und mit freudiger Erwartung. Man wird eine Spielgemeinschaft mit dem benachbarten TSV Nüdlingen eingehen, ein Neuzugang auf der Torhüterposition ist auch schon eingetütet. "Es wird bestimmt eine Herausforderung, wir müssen ja auch erst zusammenwachsen", freut sich Florian Gehring und macht gleichzeitig eine Kampfansage: "Ich will auf jeden Fall immer spielen." Der Meistertrainer bleibt der neu formierten SG erhalten und blickt positiv in die Zukunft: "Hier gibt es viele gute, junge Spieler, die längst nicht am Limit sind. Wir wollen hier noch viel erreichen."