Für Pavel Moravec ist es ein besonderer Tag. Entsprechend groß ist die Nervosität und das flaue Gefühl im Magen. Er ist extra deswegen 500 Kilometer bis nach Bad Kissingen gefahren. Schon einen Abend vorher ist er angereist und hat in einem Hotel in der Kurstadt übernachtet. Am nächsten Tag wollte er fit für den Schwarzgurttest sein, an dem er teilnimmt. Gut geschlafen hat er allerdings nicht. Vor lauter Aufregung.

Der 42-jährige Tscheche trainiert, seitdem er ein Teenager ist, verschiedene Kampfkunst-Formen. Shotokan, also japanisches Sport- und Wettkampfkarate hat er ausprobiert, chinesisches Kung-Fu auch. Als Austauschschüler in Amerika hat er dann aber eine ganz andere, traditionelle Form der asiatischen Selbstverteidigung kennengelernt: Das Uechi-Ryu Karate, das ursprünglich aus Okinawa stammt. "Erst dachte ich, das sind verrückte Leute mit ihren Übungen zum Abhärten", erzählt Moravec. Schnell hat er aber gemerkt, dass im Training mehr dahinter steckt, als nur zu lernen, Angriffe abzuwehren. "Uechi-Ryu geht sehr in die Tiefe. Die Art des Trainings hat mir gut gefallen", sagt er. Auch wenn er in seiner Heimat Tschechien niemanden hat, der ihn unterrichtet, trainiert er diesen Karatestil bis heute.

Kontakt nach Kissingen

Vor einigen Jahren kam der Kontakt zu Andreas Haberzettl, zustande, der seit 35 Jahren in Bad Kissingen und Würzburg Uechi-Ryu unterrichtet. Haberzettl trägt den 7. Dan und gehört damit zu den ranghöchsten Uechi-Ryu-Karatekas in Europa. Seit dem Kennenlernen fährt Moravec inzwischen mehrmals im Jahr nach Bad Kissingen, um in Haberzettls Karateschule mitzutrainieren. Jetzt wurde er nach mehr als 20 Jahren Training mit anderen Karateschülern aus Bad Kissingen erfolgreich zum Schwarzgurt getestet. "Das bedeutet mir sehr viel. Auch, weil ich meinem Sohn vorlebe, dass man alles im Leben erreichen kann, wenn man sich anstrengt", sagt er.

Schwarzgurt als Zwischenschritt

Neben Moravec wurden außerdem Andreas Riemann und Florian Haberzettl zum 1. Dan geprüft. Vanessa Bocklet bestand den Test zum ersten Junioren-Schwarzgurt. Die Assistenztrainer Nicola Ferger, Nils Reith und Ilko Augsten legten die Prüfung zum 2. Dan ab.

Für Andreas Haberzettl war es ein besonderer Test. "Ich freue mich natürlich, dass ich meinem einzigen Schüler aus Tschechien die Prüfung abnehmen konnte", sagt er. Moravec aber auch die anderen Testkandidaten war die Prüfung spürbar am Herzen gelegen. Alle hätten viel investiert und hart dafür gearbeitet. Auch dass die Assistenztrainer nach ihrer ersten Schwarzgurt-Prüfung dabei geblieben sind und viel trainiert haben, um sich weiterzuentwickeln, sei für ihn sehr wichtig.