Natürlich weiß Mikhail Nemirovsky, dass seine Mannschaft punkten muss in den verbleibenden vier Spielen der Zwischenrunde, um noch Vierter zu werden und damit die Playoffs zu erreichen. Natürlich weiß der Spielertrainer der Kissinger Wölfe (5./6 Punkte) auch, dass die Chancen am Freitag in Vilshofen (4./7) auf einen Erfolg doch etwas höher sein dürften als am Sonntag in Erding (1./18), auch wenn man den Gladiators am Sonntag zuvor in einem hervorragenden Spiel nur knapp mit 7:8 unterlegen war. "Wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt, daher war ich enttäuscht."

Aber Nemirovsky geht es um die Fokussierung auf den Sport und nicht um Wahrscheinlichkeits-Rechnungen. "Wir konzentrieren uns jetzt auf das erste Drittel in Vilshofen. Und wenn das vorbei ist auf das nächste."
Gegen die niederbayerischen "Wölfe" um ihr Spielertrainer-Duo Vladimir Gomow und Nils Hanfstingl hatten die Saalestädter im Hinspiel beim 5:4-Sieg die ersten Punkte in der Zwischenrunde geholt. Klar, dass "Nemo" dennoch Respekt vor dem Gegner hat, "der viel Erfahrung und einen guten Goalie besitzt". Was den 41-Jährigen aber eher Sorgen bereitet, ist das Freiluft-Stadion des ESC. "Ich wundere mich schon, dass es im Jahr 2016 noch offene Stadien gibt in diesem Sport. Wir müssen einfach hoffen, dass das Wetter passt."

Eine Woche zuvor hatten die Kissinger bereits in Fürstenfeldbruck die Launen der Natur auf der dortigen Freifläche zu spüren bekommen mit viel Schneefall. "Das war am Schluss kein Eishockey mehr. Aber wir waren die bessere Mannschaft. Hatten die bessere Disziplin und mehr Energie als der Gegner", erinnert sich Nemirovsky gerne an den 4:1-Sieg zurück, der durchaus als gutes Omen taugt, zumal die Saalestädter da mit einer Rumpftruppe angetreten waren.

Dass die jüngsten Neuzugänge seiner Truppe noch einmal einen Schub gegeben haben, daran lässt der Coach keinen Zweifel. "Für einen so kleinen Verein ist es nicht einfach, Spieler dieser Qualität zu finden", weiß Nemirovsky. "Der Dennis Tausend kann Verteidiger und Stürmer spielen, Oliver Dam hat noch Trainingsrückstand, aber einen super Schuss und Eugen Nold ist ein starker Mittelstürmer. Sollten wir die Playoffs erreichen, sind wir für alle Mannschaften ein gefährlicher Gegner."

Aus persönlichen Gründen fehlt in Vilshofen Kevin Faust, der am Sonntag in Erding wieder auflaufen kann. Beim Tabellenführer und Aufstiegs-Favoriten sieht der frühere Profi sein Team ebenfalls nicht chancenlos. "Amberg hat auch in Erding gewonnen. Jedes Spiel muss erst gespielt werden." Und schnell regeneriert werden. "Die Jungs, die in Bad Kissingen oder in der Nähe leben, können in der Halle eine halbe Stunde ein wenig trainieren. Die, die weiter weg wohnen, sollen im Fitness-Studio etwas Fahrrad fahren oder Stretching machen. Am Sonntagfrüh genügt ein Spaziergang und ein gutes Frühstück", gibt der Trainer Erholungs-Tipps.

Von der wachsenden Begeisterung auf den Rängen zeigt sich Nemirovsky übrigens angetan. "Es könnten noch mehr sein, aber wie die Leute uns unterstützen, ist hervorragend und hilft uns auch als Mannschaft. Hier in Bad Kissingen müssen alle zusammenhalten: die Spieler, Fans und Sponsoren. Nur dann sind wir als Verein eine gute Adresse." Für das Spiel am 29. Januar beim ERSC Amberg hat der Wölfe-Fanclub "Lenzenberg" übrigens einen Fan-Bus organisiert.