Ein Prototyp für Eishockey? Ist Jakub Revaj gar nicht. Der 22-jährige Stürmer misst 1,68 Meter und bringt nur 64 Kilogramm auf die Waage. Ein bulliger Stürmer sieht anders aus. Und trotzdem spielt der kleine Tscheche eine wichtige Rolle im Teamgefüge der Kissinger Wölfe. Und die bemisst sich nicht nur an Toren.

Wer mit Revaj spricht, wundert sich erst einmal: Knapp vier Jahre lebt der aus dem nordböhmischen Jablonec stammende Tscheche erst in Deutschland. Und spricht die Sprache ziemlich flüssig, mit wenig Akzent. Mag sein, dass es daran liegt, dass sein Vater Deutscher ist. Und seine Freundin, die in Memmingen lebt, ebenfalls. Mit ihr spricht er jeden Tag deutsch. Doch Jakub Revaj, der sich der Coolness wegen "Kuba" nennen lässt, war immer bereit zu lernen. Und das trifft neben der Sprache auch aufs Eishockey zu.

In der Jugend trainierte Revaj noch in Liberec, fuhr aber regelmäßig über die nahegelegene deutsche Grenze, um für Jugendteams der namhaften Zweitligavereine Füchse Weißwasser und Dresdner Eislöwen anzutreten. Permanent lebte und spielte der Stürmer erst vor reichlich drei Jahren in Selb.

2016 lotste ihn dann sein Cousin Jan Kouba, heute Spieler der Mighty Dogs in Schweinfurt, nach Memmingen. Von dort ging es für Revaj für jeweils ein Jahr in die Landesliga zu den Devils Ulm/Neu-Ulm und den Oberligisten Höchstadt Alligators. Da muss der heute 22-Jährige schon ins Blickfeld von Wölfe-Coach Mikhail Nemirovsky gerückt sein. Jedenfalls sprach der ihn vor dieser Saison an, ob er nicht nach Bad Kissingen kommen wolle.

"Nemo" bot Revaj unter anderem das, was er bei seinen anderen Stationen teilweise nicht bekam: Spielpraxis. In der Vorrunde stand der Tscheche bei allen Spielen auf dem Eis. Laut der deutschen Eishockey-Datenbank Rodi-DB erzielte er dabei zwar nur zwei Tore, leistete aber sieben Vorlagen.

Diese Statistik bedeutet seinem Trainer zwar nicht so viel. Nemirovsky ist mit dem kleinen Tschechen aber trotzdem zufrieden. "Er ist ein flexibler, sehr aktiver Spieler mit guten Bewegungen. Er findet durch seine geringe Körpergröße oft das 'Loch im Spiel'. Auch verfüge Revaj über eine recht gute Technik.

Inzwischen ist der 22-Jährige auch in Bad Kissingen angekommen. Er hat gemeinsam mit seinem Mannschaftskameraden Krister Freibergs eine Wohnung in der Stadt bezogen. Außerdem arbeitet er in einem Schnellrestaurant, nicht weit von der Eishalle. Da ist es zum Training und zu Spielen ein Katzensprung.

Nach einer Verletzung am Anfang der Saison hat sich der Stürmer gut ins Team integriert, findet sein Trainer. "Er ist immer positiv, ein Super-Typ." Dennoch wäre "Nemo" nicht "Nemo", wenn er kein Potenzial mehr in seinem Spieler erkennen würde. Revaj brauche noch mehr Selbstvertrauen und Erfahrung, um noch etwas cleverer zu spielen.

Jakub Revaj weiß, "dass ich aufgrund meiner Körpergröße noch mehr arbeiten und kämpfen muss". Gerade in der Aufstiegsrunde sei das Spiel noch schneller und körperlicher als in der Vorrunde. "Jeder gibt das Beste und will aufsteigen." Dieses Ziel gibt auch er selbst an. Mit Platz drei und zwölf Punkten nach sechs Spieltagen scheint das in Reichweite.

Im Heimspiel am Freitag, 20 Uhr, empfangen die Kissinger Wölfe den aus der Vorrunde bekannten EHC Königsbrunn. Ein Team, bei dem die Bad Kissinger Anfang November 6:3 gewannen und das Rückspiel im Dezember 4:6 verloren. Ein gefährlicher Gegner also, auch wenn der EHC sich bisher in der Aufstiegsrunde nicht sonderlich gut schlägt. Mikhail Nemirovsky warnt: "Es ist immer schwer, gegen die zu spielen. Sie haben gute Verteidiger und einen guten Torwart, sind sehr aktiv und können Tore machen."

Indes steht für den ERV Schweinfurt zum Abschluss der Hinrunde in der Abstiegsrunde am Freitagabend, 20 Uhr, mit Pfaffenhofen ein Hochkaräter auf dem Programm. Denn der letzte Gegner, auf den die Schweinfurter in dieser Saison nicht getroffen sind, reist als Tabellenführer zum Icedome.