Auf dieses Spiel haben die Handballfreunde der Region schon seit Saisonbeginn hingefiebert. Erscheint doch zum Unterfrankenderby zwischen dem HSC Bad Neustadt (5./19:15 Punkte) und dem TV Großwallstadt (9./14:20) nicht mehr und nicht weniger als einer der deutschen Traditionsklubs mit äußerst klangvollem Namen auf dem Schulberg. "In der Vergangenheit mussten wir einiges hinlegen, um eine solche Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel nach Bad Neustadt zu bringen", sagt Dieter Schulz, Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer der HSC GmbH & Co KG. Vor viereinhalb Jahren gastierte der TVG als Bundesligist zu einem Test in der Bürgermeister-Goebels-Halle und siegte mit 32:23. Mit Michal Panfil, Franziskus Gerr, Maximilian Schmitt, Vilim Leskovec, Gary Hines und Trainer Margots Valkovskis können sich sechs HSC-Spieler noch gut an dieses Spiel erinnern.


Ex-Nationalspieler als Anführer

Diesmal kommen die Großwallstädter - bedingt durch den Zwangsabstieg aus der Zweiten Bundesliga - zu einem Punktspiel. Das dürfte besonders ihrem Trainer Heiko Karrer wehtun, hatte er als aktiver Spieler mit seinem Heimatverein doch wesentlich bessere Zeiten erlebt. Der Ex-Nationalspieler, der Bad-Neustadt-Erfahrung als Coach der DJK Rimpar Wölfe hat, übernahm nach der Trennung von Maik Handschke Anfang September den Trainerposten. Sein erstes Spiel war das 26:28 im Hinspiel gegen den HSC. "Großwallstadt kommt immer besser in Tritt", so die Beobachtung von HSC-Coach Margots Valkovskis, "der Gegner dürfte für uns nun wesentlich gefährlicher werden". Angeführt vom 37-jährigen Ex-Nationalspieler Jens Tiedtke haben die Großwallstädter ein junges Team beisammen. Das in der kommenden Saison um einige Spieler verstärkt wird, die im HBLZ Großwallstadt ausgebildet worden sind. So wurden die Spieß-Brüder Tom und Lars von der DJK Rimpar Wölfe verpflichtet, außerdem Andre Göpfert vom Ligakonkurrenten TV Kirchzell. Darüber hinaus wurde der Vertrag mit dem bei anderen Klubs sehr begehrten Florian Eisenträger, der mit 152 Treffern die Liga-Torjägerliste unangefochten anführt, verlängert. "Dieser Spieler wird unserer Deckung Kopfzerbrechen bereiten", ist sich Margots Valkovskis sicher, "aber auch Spieler wie Luca Denic sowie Patrick Gempp und David Karrer werden uns zu einem leidenschaftlichen Kampf zwingen".

Valkovskis selbst sieht sich weiterhin mit personellen Problemen konfrontiert, die nach dem Testspiel gegen Motor Zaporoshije am Dienstag zwar nicht größer, aber auch nicht kleiner geworden sind. Lukas Böhm fällt weiterhin aus, Jan Wicklein und Franziskus Gerr sind angeschlagen und Felix Schmidl zwickt es weiterhin im Oberschenkel. Dass sich der Coach aber wie im Testspiel noch einmal das Trikot überstreifen wird, schließt er eher aus: "Da müsste schon viel passieren." Dass er gegen die Ukrainer auflief, war weniger dem persönlichen Ehrgeiz geschuldet, "es war zur Schonung von Franziskus Gerr gedacht, sein Einsatz am Samstag hat für uns Priorität".


Remis gegen den Tabellenzweiten

Denn die Rot-Weißen wollen nach dem Sieg in Gelnhausen unbedingt eine erfolgreiche Heimserie starten und die letzten Misserfolge in heimischer Halle vergessen machen. Die jüngsten drei Heimspiele auf dem Schulberg hat die Valkovskis-Sieben verloren. Besonders die Niederlage gegen Auerbach kurz vor Weihnachten steckt Valkovskis noch in den Knochen: "Und Großwallstadt ist mit Sicherheit nicht schlechter als Auerbach." Das bewies der TVG eindrucksvoll letzte Woche, als er nach deutlichem Rückstand dem Tabellenzweiten TuS Fürstenfeldbruck beim 30:30 einen Punkt abknöpfte und den zweiten durch den Ausgleichstreffer der Oberbayern in letzter Sekunde verpasste.

Dies hat natürlich den Optimismus des Gastes beflügelt, der ansonsten alle psychologische Kniffs in die Waagschale wirft. "Dass der Gegner aus einer Kurstadt kommt, könnte hierbei ein gutes Omen sein", heißt es auf der Großwallstädter Homepage, schließlich feierte der TVG seinen letzten Auswärtssieg in Bad Blankenburg, "auch eine Kurstadt". Dass es dazu nicht kommt, ist das Ansinnen der Gastgeber. "Ein Sieg wäre nicht nur für unser Selbstvertrauen gut, wir würden uns klar von der Abstiegszone absetzen und hätten dann auch den direkten Vergleich mit der Karrer-Truppe gewonnen", sagt Margots Valkovskis.