TV/DJK Hammelburg - L.E. Volleys 3:2 (18:25, 25:22, 22:25, 25:18, 15:12).
Olly Wendt hatte Bock auf Superlative. "So einen Abend hat Hammelburg noch nicht erlebt." Großes Kino und große Gefühle. Ein Saale-Blockbuster, der den Hallensprecher gepackt hatte. Wie auch die 600 (!) Fans in der Halle, die jedwede fränkische Zurückhaltung zum Teufel wünschten. Würdige Ovationen für die TV/DJK-Jungs, die Veitstänze auf dem Feld vollführten und wie ihr Publikum gar nicht zu wissen schienen wohin mit all diesen Emotionen. Ein denkwürdiger Abend.

Sitzverbot in der Halle. Bis zum ersten Hammelburger Punkt. Gemacht von Henning Schulte. Die Fans durften sich wieder setzen, aber die Stimmung blieb auf Anschlag vor voller Hütte. Gleich 40 Tickets hatten Volleyballer vom TSV Rottendorf geordert, um das TV/DJK-Tollhaus live zu erleben. Für die Fans eigentlich schade, dass die Sachsen zum Spitzenspiel ohne Sebastian Hähner antraten. Der Außenangreifer mit Erstliga-Erfahrung hatte den Unterfranken im Hinspiel ordentlich weh getan beim 3:1-Sieg der ambitionierten Messestädter. Aber im Team von Steffen Busse steckt natürlich Qualität. Absolut ausgeglichen geriet der erste Satz, in dem die Leipziger mit 13:11, 15:13 und 18:15 führten, ehe Tado Karlovic auf den kleinen Lauf der Gäste mit einer Auszeit reagierte - diesen aber nicht stoppen konnte gegen den Zweitliga-Meister von 2014.



Jetzt kommen die Emotionen

Mehr Emotion brauchte das Hammelburger Spiel. Und die kam mit dem Block von Oscar Benner oder dem Angriffsschlag von Mario Radman. Netzberührungen des Gegners halfen zusätzlich beim Wende-Versuch (8:7). Aber das Leipziger Allerlei hatte Geschmack an der Partie gefunden, ging mit 10:8 , 11:9 und 12:10 in Führung. Doch Fortuna schlug sich wieder auf die TV/DJK-Seite. Wie beim Aufschlag-Ass von Oscar Benner mit Netzberührung zum 15:13 für den TV/DJK, der nach dem Bendikowski-Pfund, dem Ass vom späteren MVP Aldin Dzafic und einem kernigen Block mit 20:15 führte. Auf 19:21 verkürzten die L.E. Volleys, um sich mit einem Aufschlagfehler selbst auszubremsen. Ein Bendikowski-Punkt, ein Leipziger Annahmefehler und das nächste Knallbonbon von Bendikowski behielten den Satz an der Saale.


Der Riese schlägt zu

Ist schon so, dass zu einem guten Spiel immer zwei Teams gehören. Und so war es an diesem Samstagabend, an dem die Sachsen keineswegs verunsichert wirkten nach zuletzt schwächeren Auftritten. Vor allem Zweimeter-Mann Jannik Kühlborn war immer wieder ein Faktor bei den Leipzigern, die im dritten Satz lange eine Führung hielten, die beim 12:8 erstmals vier Punkte betrug, rasch wieder schmolz (12:13). 16:14 führte der Gast bei der zweiten technischen Auszeit. "Kein Problem" fand Hallensprecher Olly Wendt - und sollte recht behalten, weil Karlovics Kerle mal eben einen 3:0-Lauf hinlegten, allerdings das verletzungsbedingte Aus von Hennung Schulte (Mittelfußbruch) verkraften mussten. Mario Radman leitete mit dem spektakulären 18:17 ein Finale furioso ein. Mit dem sensationellen Block von Lorenz Karlitzek oder dem nächsten Geniestreich von Aldin Dzafic. Nur: Leipzig ließ sich nicht abschütteln, legte wieder vor und verwandelte den ersten Satzball. Hatte damit einen von drei möglichen Punkten damit im Sack.

Vorsorglich schwor der Mann am Mikro das Publikum auf fünf Sätze ein. Und die Richtung stimmte mit dem Blitz-5:1. Aber diese Leipziger hatten trotz der nur zwei Wechselspieler genügend Power zum Widerstand (7:7). Faszinierender Sport, der da geboten wurde. "Unfassbar. Das ist Volleyball", fand Olly Wendt passende Worte für dieses Match, das die Hammelburger beim 14:9 wieder klarer vorne sah. Die Dramaturgie dieses Spiels schienen alle Protagonisten zu genießen. Viel positives Mienenspiel. Und immer wieder wichtige Punkte von Felix Bendikowski vor der zweiten technischen Auszeit (16:13). Die Phase der Ekstase führte mit dem von Lorenz Karlitzek angeschlagenen Block zum 21:15. Das nächste Leipziger Comeback wurde damit zur mission impossible. Es passte, dass der erfolgreiche Satzball aus einem der intensivsten Ballwechsel der Partie resultierte.

Etwas anderes als den Tiebreak hatte dieses Spiel auch nicht verdient. Mit einer 3:2-Führung als emotionalen Einstieg. Noch ein Stückchen fester wurden jetzt die Fäuste geballt, Fangesänge von der Tribüne belohnte Michi Schottdorf mit dem Block zum 6:4. "Wir sind alles Hammelburger Jungs", skandierte das Publikum, ehe es beim 8:5 zum Seitenwechsel ging. Beim Punkt zum 10:7 forderten die Gäste vehement eine Hammelburger Ballberührung ein. Im heißen Tanz blieben die TV/DJKler cool, stellten auf 12:8 und verwandelten durch Bendikowski den zweiten Matchball. Der sollte zwar nicht zur Tabellenführung reichen, weil Fellbach klar gewann. Aber das war an diesem Abend so was von egal...