Ein turbulentes Jahr liegt hinter den beiden großen Wintersportvereinen in der bayerischen Rhön. Zwei Ereignisse haben den WSV Oberweißenbrunn und den RWV Haselbach in den zurückliegenden Monaten stark bewegt. Im August war Kilian Abert aus Wildflecken, eine der großen Persönlichkeiten des Rhöner Wintersports, unerwartet gestorben. Und über Wochen hinweg beschäftigte die Zukunft der traditionsreichen Schanzenanlage in Haselbach die einheimischen Wintersportler. Letztlich wurde der gemeinschaftliche Betrieb der Anlage nicht mehr weitergeführt. "Nach langen und reiflichen Überlegungen hat sich die Vorstandsriege vom WSV Oberweißenbrunn dazu entschieden, sich nicht an den geplanten Ausbaumaßnahmen zur Verbesserung der Schanzenanlage in Haselbach zu beteiligen. Der RWV Haselbach wird sich in Zukunft alleine in Verbindung mit der Stadt Bischofsheim und dem Landkreis Rhön-Grabfeld um den Betrieb und den Unterhalt der Anlage kümmern", erläutert WSV-Vorsitzender Ewald Simon. Im Jahr 1952 war mit dem Bau der mittlerweile legendären "Kreuzbergschanzen" begonnen und somit ein neuer Grundstein für das Skispringen in der Rhön gelegt worden. 1955 trug man die ersten bayerischen Meisterschaften in der Nordischen Kombination aus. Die gemeinsame Skisprung-Mannschaft, die sogenannten "Rhönadler", unter der bewährten sportlichen Leitung von Maximilian Lange, werde aber auch weiterhin ein Gemeinschaftsprojekt der beiden benachbarten Vereine RWV Haselbach und WSV Oberweißenbrunn bleiben. "Wir werden auch in Zukunft die Rhönadler in jeder nur erdenklichen Art und Weise unterstützen", sichert der WSV-Vorsitzende zu.

Kopfschmerzen bereitet den Rhöner Wintersportlern die extrem unsichere Schneelage in der Region. "Sprach man in unserer Vereinschronik vom Winter 1993/94 noch von einem Winter mit vier Monaten Schnee, konnten wir uns zumindest im letzten Winter auf eine gute Schneeperiode von zwei bis drei Wochen stützen. So nutzten wir diesen stabilen Zeitraum von Ende Januar bis Mitte Februar und führten unseren Kinder-Skikurs am Arnsberg und unseren traditionellen Nachtskisprint hinter der Kirche in Oberweißenbrunn durch", erklärt der WSV-Vorsitzende. Es folgten im März eine Skifreizeit unter der Leitung von Michael Geck aus Riedenberg, der Wintersportler-Abschluss im Gasthof Mühlengrund im April und die WSV Bike Tour im Juni 2019. "Große Events stellten der bayerische Schüler-Cup in Haselbach Ende Juli und das Kinder-Zeltlager am Erlich unter der bewährten Leitung von Bettina Back Anfang August dar."

Sprungtraining in Thüringen

Doch wie geht es im Winter 2019/2020 weiter angesichts einer nicht wintersporttauglichen Schneedecke? Bei den Rhöner Skispringern ist die Situation schnell erklärt. Das Sprungtraining findet auf Schanzen in Thüringen statt. Die Trainingszeiten legt Trainer Maximilian Lange fest. Auf den Matten-Sprungschanzen des RWV in Haselbach besteht im Sommer die Möglichkeit, das Skispringen zu erlernen und zu trainieren. Auch die Turniere der Skispringer richtet der RWV vorrangig in den warmen Monaten weit außerhalb der Winterzeit aus. Insofern sind die springenden Rhönadler überhaupt nicht auf Schnee angewiesen, um ihrem Wintersport nachzugehen. Auch die alpinen und nordischen Wintersportbegeisterten sind nicht nur dann aktiv, wenn die glitzernde weiße Pracht die Rhön bedeckt. Kraft, Koordination und Ausdauer trainieren die WSVler seit Oktober in der neuen Schulturnhalle in Wildflecken einmal pro Woche. Auch in der Schulturnhalle Bischofsheim sind die Sportler in verschiedenen Leistungsgruppen aktiv, um sich auf den Winter vorzubereiten. Bei ausreichender Schneelage führt der WSV Oberweißenbrunn Ski- und Snowboard-Kurse durch. Das Mindestalter der Teilnehmer am Skikurs liegt bei fünf Jahren und beim Snowboardkurs bei acht Jahren.

Nachtskisprint im Januar geplant

Der legendäre und publikumswirksame Nachtskisprint des WSV Oberweißenbrunn ist für den 8. Januar 2020 angesetzt. Die Vereinsmeisterschaft Alpin ist beim WSV Oberweißenbrunn für den 19. Januar 2020 geplant, die WSV-Vereinsmeisterschaft im Langlauf soll am 26. Januar 2020 stattfinden. Auch der RWV Haselbach hat seine Terminplanung abgeschlossen. So soll am 2. Februar 2020 die RWV-Vereinsmeisterschaft Alpin stattfinden. Für den 9. Februar ist die RWV-Vereinsmeisterschaft im Langlauf angesetzt. Auch ein Nacht-Rennen der nordischen Wintersportler möchte der RWV durchführen, und zwar am 12. Februar. Alle Termine stehen und fallen mit der Schneelage in der Rhön.

Auch wenn die Diskussion um die Zukunft der Kreuzbergschanzen in Haselbach in der Öffentlichkeit für viel Zündstoff gesorgt hatte, so sind der der WSV Oberweißenbrunn und der RWV Haselbach doch auf vielfältige Weise miteinander verbunden. "Alle Wintersportvereine habe das gemeinsame Problem, dass bei den Kindern und Jugendlichen zwar Skifahren und Snowboarden immer noch angesagt ist, aber sportliche Wettkämpfe möchte der Nachwuchs im alpinen Bereich kaum noch bestreiten", erklärt Stefan Back vom WSV Oberweißenbrunn. Die Vereinsmeisterschaften dienen daher vor allem dazu, den Zusammenhalt der Vereinsmitglieder zu fördern.

Dass die Wintersportler auch aufgrund der unsicheren Schneelage in der Rhön mittlerweile ihre sportlichen Aktivitäten auf den Mountainbikes intensiviert haben, ist ein Trend, der sich Jahr für Jahr in der Region verstärkt.