Druck? Haben die Volleyballer des TV/DJK Hammelburg (2./36) nicht. Auch wenn in der Saaletalhalle gegen die L.E. Volleys (3./31) das nächste Topspiel ansteht und die Saalestädter das Wochenende im Idealfall tatsächlich als Tabellenführer der 2. Bundesliga Süd abschließen könnten. "Jeder Sieg, der jetzt noch kommt, ist ein Bonus", sagt Neu-Libero Lukas Spachmann. Wohlwissend, dass das Saisonziel Ligaerhalt schon lange übererfüllt ist. "Wer hätte vor der Saison gedacht, dass wir mit Meisterschaftsanwärter Leipzig ein Team auf Augenhöhe zum Topspiel bitten dürfen", schiebt Pressesprecher Olly Wendt hinterher. Die Sachsen hatten zu Saisonbeginn wochenlang die Tabellenführung für sich abonniert, galten gar als unschlagbar, bevor im Dezember die Formkurve abrupt nach unten zeigte: Es hagelte Niederlagen gegen Grafing, Tabellenführer Fellbach, Dachau und Schwaig, und auch das neue Jahr startete mit der Tie-Break-Niederlage im Sachsenderby gegen Delitzsch denkbar ungünstig.


Zehnmal wertvollster Spieler

"Trotzdem ist Leipzig ein erfahrenes Spitzenteam, das ganz schnell wieder den Hebel umlegen kann und hat mit Sebastian Hähner zudem den wohl besten Außenangreifer der Liga in seinen Reihen", weiß Wendt. Das "Sprungwunder" bringt bereits mehrjährige Erstliga-Erfahrung bei verschiedenen Vereinen (VV Leipzig, CV Mitteldeutschland, VC Gotha) mit und verdiente sich in dieser Saison bislang zehn Auszeichnungen als wertvollster Spieler einer Partie.

"Deshalb kann unsere Strategie nur lauten, mit Druck und Risiko im Aufschlag zu verhindern, dass man ihm jeden Ball perfekt auf dem Silbertablett serviert", sagt Michi Schottdorf, der sich noch gut an die 1:3-Hinspielniederlage und die Leipziger Erfolgsquote "über außen" erinnert. Schottdorf, der am Mittwoch 33 Jahre alt wurde, ist zusammen mit Friedrich Fell der Ur-Hammelburger, der alle Aufstiege dieser Mannschaft begleitet hat und dabei stets zum Stamm gehörte.


Adrenalin gegen Schmerzen

"Ich glaube, ich habe mit neun Jahren das Volleyballspielen begonnen", erinnert sich der 1,96 Meter große Mittelblocker, der noch lange nicht an seine Volleyball-Rente denkt: "Ich möchte schon noch zwei bis drei Jahre in der 2. Bundesliga spielen", so Schottdorf, bei dem die Wehwehchen natürlich nicht weniger werden. "Schulter-, Rücken- oder Knieprobleme wechseln bei mir munter durch", kommentiert Schottdorf seine Problemzonen, "aber das Adrenalin gerade bei Heimspielen lässt die Schmerzen vergessen". Auch Schottdorf ist natürlich von der derzeitigen Volleyball-Euphorie in Hammelburg begeistert: "Solche Fans hat kein anderes Zweitliga-Team. Und die Stimmung bei der Spieler-Vorstellung vor dem Match ist Gänsehautfeeling."

Ungeachtet der Tabellensituation verschwendet der Verein keinen Gedanken an die Bundesliga, in die der Meister direkt aufsteigt. "Das ist Utopie, da dazu viel Geld von Nöten ist und dies ein umfangreiches Lizenzierungsverfahren mit sich bringen würde. Zudem müsste man Spieler holen und bezahlen. Wir fördern lieber weiter unsere Jugendarbeit und freuen uns über unser derzeitiges Hoch in der Liga", sagt Olly Wendt.