Ohne Fleiß kein Preis: So heißt es auch im Sport, selbst bei Sportarten, die von der Zahl der Aktiven her eher ein Schattendasein führen. Dazu gehören auch die Bogenschützen, die in der Vergangenheit etwas unbeachtet ihren Sport ausübten. Sie sind nach der Aufnahme in die olympische Familie aber im Aufwind und dürfen sich über steigernde Mitgliederzahlen freuen. Dass sich die Bogenschützen in der Region mit der deutschen Elite messen können, ist daher mehr als erfreulich. Ein solches Aushängeschild ist der 18-jährige Adrian Bier, Mitglied der königlich privilegierten Schützengesellschaft Münnerstadt.

Kannst Du dich kurz vorstellen?
Adrian Bier: Ich bin 18 Jahre alt, gebürtiger Münnerstädter und absolviere zur Zeit eine Ausbildung zum Biologie-Laborant in Großenbrach.

Wann hast Du mit dem Bogenschießen begonnen?
Ich habe im Alter von fünf Jahren begonnen, da habe ich noch mit dem Recurve-Bogen geschossen. Meinen ersten Wettkampf habe ich 2006 bestritten und wurde noch im selben Jahr Gaumeister bei den Schülern.

Kann man in diesen jungen Jahren schon vernünftig schießen? Das Bogenschießen scheint, jedenfalls nach dem äußeren Erscheinungsbild, auch eine Kraftsache zu sein?
Karl-Heinz Dallner: Man kann, wie bei den meisten Sportarten, gar nicht früh genug anfangen. Den Kindern wird dabei das Schießen durch spezielle kleine Bögen sowie die verkürzte Distanz erleichtert. Das macht den Schülern auch Spaß, der Trainingseifer ist groß und unsere Gruppe, die sich am Dienstagnachmittag um 17 Uhr auf der Bogenschießanlage am Schützenhaus trifft, wird immer größer.

Sie gelten als Vater des Münnerstädter Bogenschießens. Wie kamen Sie auf die Idee, eine solche Abteilung innerhalb des Vereins aufzubauen?
Ich bin eigentlich ein langjähriger "Waffenschütze". Das Bogenschießen war zunächst eine Abwechslung, da im Freien geschossen wird und der Saisonverlauf (Schützen im Winterhalbjahr, Bogenschützen im Sommer, Anm.d.R.) nicht kollidiert. Ich habe mir das Bogenschießen weitgehend selbst beigebracht, bin seit 2003 Trainer und Bogenreferent. Einer meiner ersten Schützlinge war Adrian.

Und er ist Ihr Erfolgreichster?

Zweifellos. Adrian ist der erfolgreichste, was auch seinem Ehrgeiz geschuldet ist, außerdem ist er ein Vorbild für die Jüngeren, die er nun auch selbst betreut.

Was waren deine bisherigen Erfolge, Adrian?
Ich war Gaumeister bei den Schülern und war danach in der Jugend mehrfach Gau- und Bezirksmeister. Ich habe fünfmal die Teilnahme zu den Bayerischen Meisterschaften, dreimal in der Jugend und zweimal als Junior, geschafft.

Dein größter Erfolg war dann die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft?
Bier: Bei der Bayerischen Meisterschaft in der Saison 2016/17 in Olching habe ich die Qualifikationsnorm geschafft, durfte dann zur Deutschen Meisterschaft nach Hof fahren und habe dort unter acht Teilnehmern den siebten Platz belegt.
Dallner: Das war eine ganz hervorragende Leistung von Adrian, denn er hat persönliche Bestleistung geschossen, was aufgrund der Nervenbelastung nicht zu erwarten war und bei Meisterschaften eher ungewöhnlich ist.

Da hast du aber nicht mehr mit dem Recurve-Bogen, sondern mit dem Compound-Bogen geschossen, oder?
Ich bin 2013 auf den Compound-Bogen umgestiegen. Im Unterschied zum Recurve ist es einfach ein Hightech-Gerät, das aber vom Ablauf her dem Schützen noch mehr abverlangt, weil es vom Schussaufbau her wesentlich komplexer ist.

Um so erfolgreich zu sein, bedarf es wohl auch eines intensiven Trainings?
Dallner: Normalerweise trainieren wir zweimal in der Woche, vor Meisterschaften erhöhen wir die Intensität auf drei Trainingseinheiten.

Lässt sich diese zeitliche Belastung mit der Ausbildung vereinbaren?
Bier: Da gibt es keine Probleme, auch weil mein Arbeitgeber Verständnis zeigt, wofür ich sehr dankbar bin.

Wie sieht nun die sportliche Zukunft aus?

Dallner: Ziel ist es, dass sich Adrian in seiner Leistung stabilisiert, ja weiterentwickelt, was bei noch mehr Erfahrung nicht unrealistisch sein dürfte.

Ist auch das Thema "Nationalmannschaft" oder "Teilnahme an den Olympischen Spielen" realistisch?
Bier: Das dürfte eher unrealistisch sein, denn dann müsste ich in ein Leistungszentrum des Verbandes wechseln, was mit meiner beruflichen Zukunft, die Priorität hat, wohl nicht zu vereinbaren ist.

Du bleibst also der Münnerstädter Schützengesellschaft erhalten?
So sieht es derzeit aus. Hier macht es mir Spaß, unsere Aktiven-Mannschaft steht ungeschlagen vor dem Aufstieg. Und ich möchte ehrlich gesagt auch bei meinem Trainer Karl-Heinz Dallner, dem ich in sportlicher Hinsicht alles zu verdanken habe, bleiben.