Natürlich hat Alfons Dees Fußball gespielt als Machtilshäuser. Später sogar mal Schach im Verein. "Das kann man immer spielen, auch im höheren Alter", dachte sich der heute 60-Jährige vor vielen Jahren. Die Begeisterung für den Ausdauersport kam eher durch die Hintertür. "Mit 40 habe ich angefangen, richtig Sport zu treiben", sagt Alfons Dees, der über den Marathon zum Triathlon kam, unter anderem im mittelfränkischen Roth teilnahm, am weltweit größten Wettkampf auf der Triathlon-Langdistanz.

"Es kamen immer wieder Pausen, ehe ich 2014 mein Pensum wieder gesteigert habe mit Wettkämpfen in Zürich und auf Mallorca. Der ultimativen Herausforderung stellte sich der Diplom-Ingenieur in Altersteilzeit, der nach seinem Studium viele Jahre beruflich bei Siemens in Nürnberg und Erlangen verbrachte, aber beim jüngsten Langdistanz-Triathlon in Zürich. Mit dem Ziel, sich für den Ironman auf Hawaii zu qualifizieren. Dem härtesten Ausdauerevent der Welt mit 3,86 Kilometer Schwimmen im Pazifik, 180 Kilometer auf dem Rad durch die Lavawüste der Insel und dem abschließenden Marathon über 42,2 Kilometer bei extremer Hitze und Schwüle.

In den Wochen vor dem Start trainierte Alfons Dees 15 bis 20 Stunden pro Woche. "Bei schönem Wetter waren es auch mal mehr." Meistens alleine, manchmal mit Sportlerfreunden aus dem benachbarten Hammelburg. "Bei über 40 Ironman-Rennen weltweit mit etwa 90 000 Teilnehmern werden nur knapp über 2000 Startplätze für die Weltmeisterschaft auf Hawaii vergeben, anteilsmäßig für Frauen und Männer verteilt auf alle Altersklassen, so dass schon die Qualifikation eine extrem große Herausforderung darstellt", sagt Alfons Dees, der sich seinen Traum tatsächlich erfüllte mit dem Altersklassen-Sieg in Zürich.

Da das 3,86 Kilometer lange Schwimmen im Zürich-See die schwächste Disziplin des Machtilshäusers ist, war
klar, dass er bei den nachfolgenden 180 Kilometern auf dem Rad mit mehreren langen Anstiegen und dem abschließenden Marathon eine lange Aufholjagd starten musste. "Orientierungsprobleme im Wasser haben aber dazu geführt, dass mein Rückstand von 28 Minuten auf die Spitze deutlich höher war als erwartet."

Schon auf den flachen ersten Kilometern am Seeufer zeigte sich, dass auf Grund des starken Windes und der extremen Schwüle das Radrennen besonders hart werden würde. Aber in seiner stärksten Disziplin zeigte Alfons Dees große mentale Stärke und eine sehr gute Krafteinteilung. "Ich hatte zwar keine Information über die Rückstände zu meinen Konkurrenten, aber dass ich in der zweiten 90-Kilometer-Runde viele jüngere und schnellere Radfahrer überholte, gab mir die Zuversicht, sehr gut unterwegs zu sein." Nach fünf Stunden und 25 Minuten hatte der Machtilshäuser die 180 Radkilometer bewältigt und dabei fast 1000 Athleten überholt. Mit dieser überragenden Radleistung hatte er gegenüber seinen schnellsten Altersklassenkonkurrenten über 19 Minuten aufgeholt.

Beim Start des Marathons kam von Ehefrau Barbara, die die Abstände in der Altersklasse im Internet verfolgt hatte, die erlösende Nachricht, dass lediglich drei Athleten vor ihm waren, mit weniger als zehn Minuten Vorsprung. Die Schmerzen in der verhärteten rechten Wade waren vergessen, und Dees startete hoch motiviert, aber mit kontrolliertem Tempo die Aufholjagd über vier 10,5 Kilometer-Runden entlang des Zürichsees und durch die Altstadt. Nach 18 Kilometern lag er bereits direkt hinter dem Führenden und hatte noch vor Kilometer 30 einen Vorsprung von acht Minuten herausgelaufen. Nach einer Marathonzeit von 3:54 Stunden, mit 20 Minuten Abstand die schnellste der Altersklasse, lief Dees knapp 13 Minuten vor dem Zweitplatzierten über die "Finish Line" und erlebte den Höhepunkt seiner Sportkarriere hoch emotional.

Die Gesamtzeit von 11:07 Stunden bedeutete den 320. Platz bei 1500 Startern, von denen 170 das Ziel nicht erreichten. Insbesondere die Platzierungen beim Radfahren (201.) und Laufen (227.) zeigen, zu welchen Leistungen Sportler auch im "reifen Alter" noch fähig sind. "Zwei Wochen lang habe ich nur regeneriert, um dann das Trainingspensum sukzessive zu steigern. Man ist ausgelaugt, aber so richtig Zeit zum Erholen ist halt nicht", weiß Alfons Dees. Bereits am 14. Oktober findet nämlich die legendäre Veranstaltung auf der Insel im Pazifischen Ozean statt, bei der der deutsche Weltmeister Jan Frodeno mit dem Start in der Bucht von Kailua-Kona seinen Titel verteidigen will.