Die 36. bayerischen Hallenmeisterschaften wurden zu fränkischen Festspielen. Als der Bayerische Fußball-Verband (BFV) vor dem Finale um den Lotto Bayern Hallencup die Bayernhymne über die Hallenlautsprecher schickte, sangen die 960 Zuschauer zwar vom weiß-blauen Himmel, drinnen in der Bürgermeister-Goebels-Halle dominierte aber das Rot und Weiß Frankens. Alle vier Halbfinalisten kamen aus den fränkischen Bezirken, für die Klubs aus den anderen Regionen des Freistaats war nach der Vorrunde Schluss. Den Titel sicherte sich Türkspor Nürnberg durch einen 1:0-Sieg im Finale gegen den TSV Rottendorf.

Der Bezirksligist aus dem Würzburger Westen hatte zuvor ein begeisterndes Turnier gespielt und im Halbfinale den Ausrichter TSV Großbardorf ausgeschaltet. "Es ist einfach überragend, was die Jungs in den letzten Wochen geleistet haben", sagte Trainer Manuel Gröschl, "zumal alle zehn Spieler, die hier dabei waren, aus dem eigenen Verein kommen." Schon eine Woche vorher, im Finale der Bezirksmeisterschaft in Aschaffenburg hatte der TSV die Grabfeld-Gallier bezwungen (2:1), diesmal war der Sieg aber noch ein Stückchen höher einzuschätzen.


Held im Sechsmeterschießen

Der neue Großbardorfer Trainer André Betz hatte mit Stefan Piecha, Dominik Zehe, Shaban Rugovaj, Lennart Seufert und Maximilian Mosandl fünf neue Leute dabei, die zu den Stammkräften in der Bayernliga Nord gehören. Zehe und Piecha schossen die Grabfeld-Gallier zweimal in Führung, Martin Hesselbach und Julian Weber konterten. "Die haben zweimal auf unser Tor geschossen", sah Großbardorfs sportlicher Leiter Andreas Lampert das Unheil kommen. 2:2 hieß es nach der regulären Spielzeit von 15 Minuten, im Sechsmeterschießen wurde Peter Trappschuh zum Rottendorfer Helden. Auch, wenn es weh tat. Den Schuss von Maximilian Mosandl wehrte er mit dem Bauch ab und musste erst einmal ganz tief durchschnaufen. Der Schmerz war vergessen, als kurz darauf Julian Weber den entscheidenden Sechsmeter verwandelte. "Wenn man schon einmal so weit gekommen ist, will man natürlich das Turnier gewinnen", registrierte Betz das 4:5 nach Sechsmeterschießen enttäuscht. Dennoch bewertete er den Gesamteindruck, den seine Mannschaft hinterlassen hatte, positiv: "Sie hat mit ihrer Leistung das zurückgezahlt, was der Verein und die vielen ehrenamtlichen Helfer vorgestreckt hatten."


Die größeren Reserven


"Für uns war es gut, dass Rottendorf die Großbardorfer ausgeschaltet hat", sagte Gökhan Yetkin, der im Herbst 2013 mal einige Spiele für den TSV Aubstadt absolviert hat und nun für Türkspor Nürnberg kickt. Der mittelfränkische Meister hatte selbst im Halbfinale die Oberfranken vom FC Oberhaid ausgeschaltet, die bis dahin den besten Eindruck hinterlassen hatten. Im Endspiel hatte Türkspor die größeren Reserven. Rottendorf wehrte sich bravourös, lauerte wie zuvor gegen Großbardorf auf Fehler des Gegners. 90 Sekunden vor Ultimo lag der Ball aber doch im Netz von Peter Trappschuh, der immerhin später zum besten Torhüter des Turniers gewählt wurde.
"Aus unterfränkischer Sicht hätte ich mich natürlich über einen Sieg für Rottendorf gefreut", sagte der unterfränkische Bezirksvorsitzende und stellvertretende BFV-Vorsitzende Jürgen Pfau aus Frankenwinheim, "aber Türkspor Nürnberg hat eine sehr gute sportliche Leistung gebracht." Ein gutes Zeugnis stellte er auch den übrigen Mannschaften samt ihrer Fans sowie dem Ausrichter TSV Großbardorf aus: "Das Turnier war toll, das sportliche Niveau hoch und die Halle bis zum Ende voll. Vor allem waren die Leute gerne da." Regelmäßige Besucher des Lotto Bayern Hallencups konnten sich nicht an ein derart gut besuchtes Turnier mit so lautstarken Fangruppen erinnern. "Das lag daran, dass es viele kleinere Vereine nach Bad Neustadt geschafft haben", vermutete der mittelfränkische Bezirksspielleiter Ludwig Beer.


Ein gelungener Einstand

Die Großbardorfer feierten mit einem locker herausgespielten 3:2-Erfolg gegen den oberbayerischen Kreisligisten FC Hepberg einen gelungen Turniereinstand. Maximilian Mosandl, Shaban Rugovaj und Florian Dietz trafen für den Nord-Bayernligisten. Der nach dem 2:0-Sieg gegen Türkspor Nürnberg sein primäres Ziel schon erreicht hatte. Shaban Rugovaj und Maximilian Dietz mitten hinein in eine Druckphase der Mittelfranken machten das Vorrücken der Grün-Weißen in die Vorschlussrunde vorzeitig perfekt. Das 4:0 (Tore: Stefan Piecha 2, Lukas Dinkel, Eigentor) gegen den 1. FC Reichstorf war das Sahnehäubchen auf einer ansprechenden Gruppenphase der Gallier.