Mehrere tausend Zuschauer erwarten die Würzburger Kickers am Samstag (14 Uhr) am heimischen Dallenberg, wenn im ersten Drittliga-Heimspiel der Saison der KFC Uerdingen seine Aufwartung macht - mit Weltmeister Kevin Großkreutz, der aus Darmstadt zum Aufsteiger wechselte. Beide Vereine hatten ihr Auftaktspiel verloren, was zusätzliche Brisanz birgt.

Am 16. Oktober 2004 hatten die Kickers noch vor 250 Zuschauern gespielt - nämlich in der Bezirksoberliga beim von Rainer Graumann trainierten FC 06 Bad Kissingen. Und im Sportpark tatsächlich dieses damalige Spitzenspiel verloren. Rudolfo Ramos hatte die Mainfranken in Minute 75 in Führung gebracht, ehe Daniel May seinen großen Auftritt hatte und sein Team mit einem späten Doppelpack (85., 87.) an die Tabellenspitze schoss. Der heutige Spielertrainer der SG Sömmersdorf erinnert sich noch gut: "Das zweite Tor war total kurios. Ich lag quasi unter dem Würzburger Torwart, habe mich vorgerobbt und den Ball mit dem halb im Sand liegenden Gesicht über die Linie gedrückt. Nach dem Spiel war das eine super Stimmung, zumal unser Vorstandssprecher Peter Kohlhepp kurz davor Geburtstag hatte, da hat einfach alles gepasst."

Die Erinnerungen des Doppeltorschützen werden im damaligen Bericht der Heimat-Zeitung bestätigt: "May - im Sand der aufgefüllten Tormann-Kuhle des Kissinger Ausweichplatzes liegend - robbte in bester Bundeswehr-Manier dem langsam in Richtung Torlinie trudelnden Ball hinterher, um ihm den entscheidenden Kopfstoß zu versetzen." Proteste der Würzburger folgten, die ein Foul an ihren Torhüter Dirk Kunze gesehen haben wollten. Laut Heimat-Zeitung "musste die Kissinger Reserve-Mannschaft beinahe geschlossen als Ordnungsdienst tätig werden."

Ein Jahr zuvor hatten die Kickers sogar eine Klasse tiefer gekickt, in der Bezirksliga. Und in der damaligen Aufstiegsrunde gegen den TuS Leider/Aschaffenburg verloren, den der FC 06 Bad Kissingen im "Finale" besiegen sollte im Elfmeterschießen, nachdem die da noch von Martin Halbig trainierten Saalemänner zuvor in Eltingshausen gegen die SG Sennfeld gewonnen hatten: ebenfalls im Elfmeterschießen. Eine Spielzeit später schafften es die Kickers dann doch in die Bezirksoberliga, verloren zwar im Sportpark, gewannen dafür aber das Rückspiel am Dallenberg deutlich - und stiegen auf, womit die Qualitäts-Unterschiede beider Vereine immer sichtbarer wurden.

Im FC 06-Kader damals stand Wolfgang Werner, der sich jetzt auf ein Wiedersehen mit den Kickers freut, die am 15. August wieder mal im Sportpark zu einem Pflichtspiel antreten: diesmal als Gegner im Verbandspokal. "Da können 500 Zuschauer kommen oder 2000. Wir sind selber gespannt, wie attraktiv die Kickers für unser Rhöner Publikum sind. Und die Kickers wollen sicher auch Werbung in eigener Sache in unserer Region machen. Der Termin um 18 Uhr an einem Feiertag ist jedenfalls prima", sagt der Vorsitzende des Traditionsvereins, der als Totopokal-Kreissieger in den Genuss dieses Duells kommt.

Für die Auslosung in Bad Kötzting hatte der FC 06 den FC 05 Schweinfurt als Wunschgegner angegeben. Ebenso wie der SV-DJK Oberschwarzach, der aber das erste Zugriffsrecht hatte. "Wir waren danach an der Reihe und haben uns dann für die Kickers entschieden", sagt der 58-Jährige, der relativ gelassen in die Planung dieses Spiels geht. "Wir haben ja Erfahrungen mit größeren Kulissen und wissen, was zu tun ist", erinnert der Angestellte bei einer gesetzlichen Unfallversicherung an die organisierten Spiele des 1. FC Nürnberg gegen Kickers Würzburg oder der SpVgg Greuther Fürth gegen den SC Paderborn vor wenigen Jahren. "Unsere Planung begann quasi gleich nach dem Rakoczy-Fest, bei dem wir als Verein ja auch involviert waren, mit einer Sitzung des erweiterten Vorstands." Polizei, das Ordnungsamt der Stadt Bad Kissingen und natürlich die Kickers-Verantwortlichen sind die ersten Ansprechpartner des Bezirksligisten. Für die Fans vor Ort wird eigens ein Sicherheitskonzept erstellt.

Obwohl krasser Außenseiter, erwartet Wolfgang Werner durchaus einen engagierten Gegner, "weil die Kickers mitten in der Saison sind und es bei denen immer auch um die Stammplätze geht. Da wird dann keiner lasch auftreten wollen." Der FC 06-Boss erinnert sich diesbezüglich ans Jahr 1986, als sein Verein in einem Testspiel den Bundesligisten VfB Stuttgart samt Nationalspieler Jürgen Klinsmann begrüßen durfte. "Damals hat mich Bertram Beierlorzer regelrecht umgenietet. Und das, wohl der VfB gegen uns mit 18:0 gewonnen hat. Später habe ich erfahren, dass VfB-Trainer Egon Coordes ein zu Null und mindestens 18 Tore von seinem Team gefordert hatte."