Flutlicht-Spiele tun dem FC 05 gut, seit Jahren schon. Also wird es auch angeknipst gegen den FC Bayern München II. Der darf, wenngleich auf Platz sechs abgerutscht und von vornherein selbstauferlegt nicht aufstiegswillig, von seiner spielerischen Qualität her in einem Atemzug mit Spitzenmannschaften wie Regensburg oder Burghausen genannt werden. Und die haben die Schweinfurter unter künstlicher Beleuchtung auch schon beeindrucken können: mit Leidenschaft, Kampfkraft und Punkten.


Können zu Hause jeden schlagen

"Wir haben es ja bewiesen, dass wir zu Hause jeden Gegner schlagen können, warum also nicht auch den FC Bayern?" Das fragt 05-Coach Gerd Klaus mit einer Portion Überzeugung in der Stimme beinahe rhetorisch. Schließlich kommen den Schweinfurtern Mannschaften gelegener, die sich etwas mehr am gepflegten Ball nach vorn erfreuen als diese um jeden Zentimeter wie besessen kämpfenden Schaldinger am letzten Freitag. "Wir wissen aber auch, was da an Qualität auf uns zu kommt", verweist Klaus auf die außergewöhnliche individuelle Klasse im Kader des einstigen Basler Meister-Trainers Heiko Vogel. Der US-amerikanische Nationalspieler Julian Green oder 13-Tore-Mann Patrick Weihrauch sind schon Hausnummern im Regionalliga-Fußball. Und auch die weiteren Offensivkräfte Karl-Heinz Lappe (9 Treffer) und Milos Pantovic (6) wissen ganz gut, wo das Tor steht.

"Wir müssen von der Einstellung her top da sein", nimmt Klaus deswegen vor allem die Abwehr, beziehungsweise die ganze Mannschaft in Sachen Rückwärtsbewegung und Arbeit gegen den Ball in die Pflicht. Doch ausgerechnet jetzt fehlen erneut zwei Säulen der Defensive: Sechser Michael Krämer ist nach der zehnten Gelben, Innenverteidiger Johannes Bechmann nach einer Gelb-Roten Karte gesperrt. "Für uns ist das ein großes Problem: So bald ein, zwei Spieler wegbrechen, haben wir Probleme das zu kompensieren. Ein Spieler wie Jo Bechmann fehlt uns natürlich ungemein." Der Platzverweis just im ersten Einsatz nach einer Rot-Sperre fuchst den Trainer mächtig: "Die Fernsehbilder haben bewiesen, dass die Aktion zur zweiten Gelben Karte gar kein Foul war." In der Tat: Bechmann ging sogar einen Schritt zurück.


Bauer statt Bechmann

So rutscht eben Andreas Bauer für Bechmann in die Fünferkette, die mit den offensiven Außenverteidigern Philip Messingschlager und Bastian Lunz nicht nur auf reines Mauern ausgelegt sein soll. Für Krämer rückt Christopher Kracun in die Startformation. "Er muss aber seine Fehler abstellen", sagt Klaus über den Ex-Lauterer, der einen feinen Ball spielen kann, zuletzt aber einige zu Gegentoren führende Pässe fabriziert hat. Fehlen wird ansonsten nur noch Michael Kraus (Knie verdreht).

Die Fans dürfen derweil das tun, was Gerd Klaus sich und seiner Mannschaft untersagt hat: rechnen. Aschaffenburg (gegen Nürnberg), Amberg (gegen Burghausen) und Rain (in Illertissen) haben brutal schwere Partien am Wochenende vor sich, Augsburg spielt gegen Schalding-Heining - da könnte ein Schweinfurter Sieg gegen München einem Befreiungsschlag gleichkommen. Bis zu vier Punkte Vorsprung auf einen Relegationsplatz wären dann drin vor den letzten beiden Spielen in Memmingen und gegen Fürth - Mannschaften, die tabellarisch jenseits von Gut und Böse stehen und jetzt nicht gerade zu einem Kampf auf Biegen und Brechen verdammt sind. Alles hypothetisch freilich: Denn läuft's ganz dumm am Freitag und Samstag, steht der FC 05 im ungünstigsten aller anzunehmenden Fälle auf einem Relegationsrang, gerade einen Zähler vor den direkten Abstiegsplätzen. Ein Spieltagserlebnis zwischen Himmel und Hölle also für die Schweinfurter.