TV Fellbach - TV/DJK Hammelburg 2:3 (16:25, 27:25, 25:16, 14:25, 11:15).
Nach der zweistündigen Busfahrt in die Nähe von Stuttgart wirkten die Hammelburger Jungs etwas verschlafen. Hellwach war zunächst nur Trainer Tado Karlovic, der die Fahrt nach Fellbach für ein Nickerchen genutzt hatte. Dann aber schoss das Adrenalin ins Blut der tapferen Saalemänner, die in der Annahme zusehends an der Präzisionsschraube drehten und ihren Zuspieler und späteren Gold-MVP Bruno Simunic immer adäquater bedienten. Gepaart mit guter Blocklaune des Powerduos Branko Damjanovic und Felix Bendikowski entwickelte sich ein höchst spannender Schlagabtausch jenseits der 2,43 Meter Netzhöhe.

Viel früher in diesem ersten Durchgang hätten die Hammelburger die Entscheidung zu ihren Gunsten herbeiführen können, hätten nicht immer vereinzelte Aufschlagfehler den Saale-Express verlangsamt. Erst beim 16:15 zeigte die Karlovic-Truppe auch in dieser Disziplin Schärfe und Sachverstand im Umgang mit dem Spielgerät. Vor allem einer wollte es bei der "gesprungenen Spieleröffnung" besonders gut machen: Branko Damjanovic. Der Außenangreifer drosch die bunte Kugel gleich viermal erfolgreich auf die Seite der Fellbacher. Was nicht direkt den Weg auf den Hallenboden fand, wurde vom bärenstarken Hammelburger Block erledigt.


Steigende Dezibel

In Durchgang zwei fand "Goldjunge" Bruno Simunic in seinen Mittelsmännern Michael Schottdorf und Henning Schulte effektive Abnehmer. Dank einer erneuten Aufschlagserie, diesmal vom stark aufspielenden Kapitän Bendikowski, ging man in Durchgang zwei mit 8:4 in die erste technische Auszeit. Kleinere Unkonzentriertheiten im Hammelburger Annahmespiel hielten das "rote Rudel" in dieser hochklassigen Bundesligapartie im Spiel. Hochspannung also bis zum Ende. Beim 24:23 hatten die Hammelburger Satzball. Abgewehrt - Ausgleich - Satzball Fellbach. Erneuter Ausgleich. Die gut 200 Zuschauer quittierten ihre Begeisterung, in dem sie permanent die Dezibelzahl nach oben korrigierten. Erst recht, als der Favorit seinen dritten Satzball verwandelte.

Danach sollte es romantisch weitergehen. Ein Fellbacher Akteur machte seiner Freundin auf dem Spielfeld einen Heiratsantrag, seine Teamkollegen standen Spalier, jeder einen Rose in der Hand. Derweil versuchte Trainer Tado Karlovic in der Kabine, das Feuer seiner Jungs weiter anzuschüren. Entgegen dem Wunsch ihres Trainers agierten die Saalestäder allerdings mutlos. Konfusion hieß der siebte Mann, der sich nun im TV/DJK-Trikot heimlich einzuwechseln schien. Auf Fellbacher Seite tobte sich vor allem Mittelblocker Valentino Nadale so richtig aus, sodass es sich Tado Karlovic beim 14:21 bereits auf der roten Trainer-Couch gemütlich machte, um an der Taktik für den folgenden Durchgang zu tüfteln.

Diesmal nahm seine Truppe die Anweisung nicht nur an, sondern setzte diese um in höchst anschauliches und effektives Volleyball. Auch in dieser Phase bewies "Steuermann" Felix Bendikowski Führungsqualitäten und navigierte sein Team vor allem im Aufschlag in erfolgreiches Fahrwasser. Den Rest besorgten Henning Schulte oder Branko Damjanovic hin zum überdeutlichen Satzgewinn. "Branko passt menschlich unglaublich gut ins Team, er und seine Familie sind in Hammelburg angekommen und das freut uns. Hier hat Tado mal wieder ein echtes Händchen bewiesen", freute sich auch Co-Trainer Frank Jansen über die Leistung des 27-Jährigen.


Fortuna als TV/DJK-Fan

Das Resultat dieser tollen Mannschaftsleistung hieß Tie-break. Auch Glücksspiel genannt, bei dem die Hammelburger Jungs zunächst auf rot setzten, während Fellbach im Aufschlag und Angriff grünes Licht hatte. Beim 4:8 aus Sicht der Unterfranken wurden die Seiten gewechselt, der Lärm in der Halle erreichte indes fast Hammelburger Höhen. Emotion pur, die Hammelburg nun wieder gewinnbringend einsetzen konnte. Henning Schulte hatte Nerven wie Drahtseile und Fortuna war plötzlich TV/DJK-Fan.

VYS Friedrichshafen - TV/DJK Hammelburg 1:3 (19:25, 15:25, 27:25, 15:25).
In der 3000-Mann-Arena hatten sich vielleicht 30 Zuschauer eingefunden. Mag sein, dass die Stille samt einer kurzen Nacht den Hammelburgern ein Aufmerksamkeits-Defizit bescherte. Auch das sanfte Wecken von Tado Karlovic in der ersten technischen Auszeit (5:8) hatte zunächst nur mäßigen Erfolg. Die jungen Volleyballer aus der Talentschmiede vom Bodensee spielten auf Augenhöhe, während sich bei den TV/DJK-Cracks Leichtsinnsfehler einschlichen. Erst beim 16:16 konnte man dank guter Blockarbeit von Henning Schulte und mit Druck im Angriff durch Oscar Benner und Lorenz Karlitzek den ersten Satz für sich entscheiden. Leichtsinnsfehler der Unterfranken ermöglichten es den Young Stars, bis Satzmitte gut mitzuspielen.

Danach wusste vor allem Oscar Benner in allen Disziplinen zu überzeugen, während die Häfler zusehends den Faden verloren. Auch im dritten Satz bewahrten die Hammelburger Jungs Linientreue und gingen mit einem Rückstand in die technische Auszeit. Die Saalestädter wirkten bis zum 13:18 uninspiriert, erweckten dann zwar ihr Kämpferherz, bescherten den Young Stars am Ende allerdings ihren zweiten Satzgewinn in der Saison. Danach lief der Motor endlich wie geschmiert, sodass es erstmals in dieser Runde die volle Punktzahl für die Hammelburger Jungs gab. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass Ex-Bundestrainer und VfB-Coach Vital Heynen das Spielgeschehen beobachtete.