Die Zugspitze hatte Simon Eirenschmalz quasi vor der Haustür, jetzt muss sich der 25-Jährige mit dem Blick auf den Kreuzberg begnügen. Da Deutschlands höchster Gipfel, dessen Spitze 2962 Meter über dem Meeresspiegel thront. Dort der gerade mal 928 Meter hohe Heilige Berg der Franken. Rhöner Hügellandschaft statt grandiosem Alpen-Panorama. Schön ist es freilich auch im Land der offenen Fernen. Erst recht, wenn es mit Beruf und Hobby so gut passt wie beim Wahl-Wildfleckener, der seine Wurzeln im oberbayerischen Rottenbuch hat, ehe der Job vor gut zwei Jahren die Luftveränderung mit sich brachte.

400 Kilometer nördlich ging es, um als technischer Angestellter anzuheuern bei der Firma Paul und Co., die in Peiting ein Zweigwerk unterhält. "Da lag es nahe, nach Bad Kissingen zu wechseln", erzählt Eirenschmalz. Zu den Wölfen also, die am Freitag in die Zwischenrunde der Landesliga starten mit dem Heimspiel gegen den EV Dingolfing, der sich erst auf den letzten Drücker für die Zwischenrunde qualifizierte mit zwei Siegen über den EHC Straubing, der damit noch in die Abstiegsrunde rutschte. "Ich erwarte einen Sieg. Wir wollen gleich ein Ausrufezeichen setzen", sagt der Verteidiger forsch.


Erstmals mit Lukas Zänglein

So wie zu Saisonbeginn, als die Unterfranken bei den "Isar Rats" um Spielertrainer Philip Weinzierl mit 7:6 nach Penaltyschießen gewannen. Zwei Minuten vor Spielende hatten die Wölfe sogar noch mit 6:5 geführt. Unterirdisch war dagegen die Leistung im Rückspiel, das mit 3:7 in die Binsen ging - und das Michael Rosin die Zornesröte ins Gesicht trieb. "So eine Leistung darf sich nicht wiederholen. In der Zwischenrunde geht es um jeden Punkt, da erwarte ich hundertprozentigen Einsatz", sagt der Wölfe-Vorsitzende. Gegen die Niederbayern wird erstmals Lukas Zänglein auf dem Eis stehen. Der Pfersdorfer stammt aus dem Wölfe-Nachwuchs und spielte bis zur vergangenen Saison für den ESC Haßfurt, davor auch für die Junioren des ERV Schweinfurt. "Lukas trainiert schon seit Saisonbeginn bei uns, hatte aber von Haßfurter Seite keine Freigabe bekommen. Die kam jetzt aber vom Eishockeyverband", berichtet Rosin.

Dem 19-jährigen Stürmer könnten weitere Neuzugänge folgen. "Wir sind an Spielern dran, aber konkrete Namen kann ich jetzt noch nicht nennen", so Rosin. Den Verein verlassen wird dagegen Mike Heindl, der nur zu Saisonbeginn für die Kurstädter auflief, seitdem aus gesundheitlichen Gründen nicht berücksichtigt wurde. "Es gibt aktuell eine Anfrage aus Haßfurt. Es spricht nichts gegen eine Einigung, wenn die Haßfurter anteilig die Kosten für die Transferkarte übernehmen", sagt der Wölfe-Boss.

Urlaubsbedingt wird gegen Dingolfing Verteidiger Niko Grönstrand fehlen. "Gut möglich, dass wir wieder auf Jan Pantkowski zurückgreifen. Aber da laufen die Gespräche noch", verrät Michael Rosin. Ansonsten wird Christian Masel in die Defensive beordert, der seine Abwehrtauglichkeit bereits unter Beweis gestellt hat. So oder so wird Spielertrainer Mikhail Nemirovsky wohl wieder nur mit insgesamt drei Verteidigern spielen lassen, um mehr Offensiv-Power auf dem Eis zu haben. Eine Entscheidung, mit der Simon Eirenschmalz leben kann, ungeachtet der Mehrbelastung. "Einer von den zwei Verteidigern steht dann immer länger auf dem Eis, der andere wechselt. Das ist nicht einfach, aber man entwickelt für diese Situationen ein Gefühl. Außerdem machen es einem die Jungs auch einfach. Das sind alles prima und lustige Kerle", sagt der 1,88 Meter-Mann, der in der Saison 2010/2011 Deutscher Juniorenmeister im Team des EC Peiting war. "Wir müssen nur unsere Chancenverwertung verbessern, das ist im bisherigen Saisonverlauf unser Manko."

Dass der gebürtige Peißenberger Kapitän der Wölfe ist, überrascht seinen Vorsitzenden nicht. "Simon macht seinen Job sehr gut. Er ist die Stimme der Mannschaft. Und er ist als Kapitän derjenige, der bei zweifelhaften Entscheidungen bei den Schiedsrichtern nachfragen darf. Da bringt Simon die nötige Ruhe mit. Ich bin froh, dass er da ist", sagt Michael Rosin.

Der so Gelobte hofft gegen Dingolfing ("Die sind kämpferisch richtig gut") auf volle Ränge in der Halle und lautstarke Unterstützung von der Tribüne. "Das ist toll zu sehen, wenn da die Fans in ihren Trikots stehen und offensichtlich Spaß daran haben an dem, was wir da machen. Selbstverständlich ist das alles gerade in dieser Liga nämlich nicht", betont Eirenschmalz, der unlängst einige Kumpels aus der Heimat im Team des TSV Farchant traf bei deren 5:9-Niederlage im Schweinfurter Icedome gegen die Mighty Dogs. Über mehr Eishockey-Freunde aus der tiefen Rhön würden sich die Kissinger Wölfe sicher freuen. Jede Stimme zählt im Wolfsbau, wo Simon Eirenschmalz ein guter Botschafter für Bad Kissinger Eishockey ist. Und mal ehrlich: Wer den Kreuzberg hat, braucht keine Zugspitze.