Gerne mehr davon. Hochkarätiger Fußball in der Region ist nunmal die Ausnahme. Und wenn zwei fränkische Spitzenteams in den Landkreis kommen, mobilisiert das eben die Fans. Klar, der 1. FC Nürnberg ist auch als Zweitligist ein Garant für volle Ränge. Aber die Würzburger Kickers haben ebenfalls viel für ihr Image getan und werden nach ihrem Aufstieg allemal eine Bereicherung für die 3. Liga sein.
Wie im Grundig-Stadion, wurde vor dem Spiel die Club-Hymne "Die Legende lebt" gespielt, aber auch das Kickers-Lied schallte aus den Lautsprechern, während sich die vielen Fans die ersten Bratwürste und Getränke schmecken ließen. Ohne lange Wartezeit übrigens, weil etwa 150 Helfer des TSV Reiterswiesen und FC 06 Bad Kissingen eine organisatorische Meisterleistung erbracht hatten.

Gesunde Aggressivität

Mit Spielbeginn wurde es laut - auf dem Platz. "Da können unsere Spieler mal sehen, wie richtig kommuniziert wird", beurteilte Reiterswiesens Vorsitzender Egon Göbel die vielen Kommandos der Profis, die eine gesunde Aggressivität mit an die Saale gebracht hatten. Früh gingen die Würzburger Kickers in Führung durch den prächtigen Kopfball von Clemens Schoppenhauer, bei dem FCN-Schlussmann Thorsten Kirschbaum keine Chance hatte. Bis zur Pause erwiesen sich die Unterfranken als ebenbürtiger Gegner mit guten Gelegenheiten für Neuzugang Rico Benatelli und Amir Shapourzadeh. Dass es zur Pause 1:1 stand, lag an der Abschluss-Qualität von Alessandro Schöpf (23.). Überhaupt gehörte der Österreicher bis zu seiner Auswechlung zu den auffälligen Spielern im Team der Mittelfranken. Sogar mit einem Fallrückzieher versuchte sich der 21-Jährige.

Jabiris später Ausgleich

Nach der Halbzeit-Show der ÖFG Oberthulba war der Club vor der bemerkenswerten Kulisse von 3400 Zuschauern besser im Spiel. Und legte schnell vor durch den verwandelten Handelfmeter des isländischen Nationalspielers Rurik Gislason, der bereits beim 1:0-Erfolg in Schweinfurt zu den auffälligsten Spielern seiner Mannschaft gehört hatte. Mit einer klasse Parade gegen Guido Burgstaller hielt Kickers-Keeper Robert Wulnikowski die Rot hosen im Spiel, die kurz vor Schluss durch Adam Jabiri zum Endstand trafen und beim Pfostenschuss von Dennis Russ sogar noch die Gelegenheit zum Siegtreffer besaßen gegen den Zweitligisten, der mit seinem sportlichen Führungs-Duo um Wolfgang Wolf und Martin Bader angereist war.
"Das war von beiden Seiten ein tolles Spiel. Ich bin froh, so einen guten Test bekommen zu haben. Wir haben versucht, guten Fußball zu spielen. Das Ergebnis war mir zweitrangig", sagte Kickers-Trainer Bernd Hollerbach in der Pressekonferenz. Auch für Nürnbergers Trainer René Weiler war das Franken-Derby auf neutralem Boden "ein Test auf gutem Niveau. Das Spiel hat mir einiges aufgezeigt. Kleinere Baustellen gibt es jedenfalls noch". Ein Lob vom Schweizer gab es übrigens für die Ausrichter. "Das war alles hervorragend organisiert. Kompliment." Was sich da am Main sportlich tut, hat René Weiler übrigens sehr genau registriert. "Dieses Projekt in Würzburg beobachte ich schon länger. Gut möglich, dass Würzburg irgendwann in der 2. Liga auftaucht. Und wenn es erst in fünf Jahren ist." Saisonstart für die Cluberer ist übrigens am Montag, 27. Juli, beim SC Freiburg. Die Kickers bestreiten ihr Premieren-Match in der 3. Liga am Samstag, 25. Juli, beim SV Wehen Wiesbaden.

Betrunkener Radfahrer

Aus Sicht der Polizei war übrigens alles ruhig geblieben. Nach dem Spiel kam es lediglich zu kurzfristigen Verkehrsbehinderungen. Und ein alkoholisierter Radfahrer stürzte direkt vor den Augen der eingesetzten Polizeikräfte. Den Radfahrer, der verletzungsfrei blieb, erwartet nun eine Anzeige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr.
"Ich freue mich unheimlich, dass so etwas möglich wurde. Ein großes Lob auch an den FC 06 Bad Kissingen, das war zwischen beiden Vereinen eine tolle Zusammenarbeit", sagte Jochen Haberle. Der Trainer des TSV Reiterswiesen hatte das Spiel erst möglich gemacht dank seiner guten Kontakte in den Profifußball. "Jochen ist ein echter Netzwerker. Der kennt so viele Leute", weiß TSV-Vorsitzender Egon Göbel. Aus diesem Grund war auch Stefan Kohfahl von der Real-Madrid-Foundation nach Bad Kissingen gekommen. Gemeinsam übrigens mit seinem Trainer Ivan Guerrero, der bereits Reals Ausnahme-Fußballer Ronaldo trainieren durfte. "Wir haben in Deutschland mittlerweile 150 Standorte, sind ja mit unserer Fußballschule Anfang September auch in Reiterswiesen", sagt der bekennende HSV-Fan Kohfahl.
Das Remis war sportlich vielleicht eine Enttäuschung, doch reichlich Sympathie-Punkte sammelten die Club-Profis nach dem Spiel mit viel Geduld bei den Autogramm- und Foto-Wünschen. Bei den Fan-Artikeln sahen sich vor dem Spiel Rainer Sitzmann und seine Enkelkinder Saphira und Louis um. Das Trio aus Westheim steckte ausnahmslos in Club-Trikots. "Ich bin seit 45 Jahren Fan des 1. FC Nürnberg und bin Kassier im FCN-Fanclub Erthal, der ja letztes Jahr sein 35-jähriges Bestehen gefeiert hat", sagte der Westheimer, der zum ersten Mal gemeinsam mit den Enkelkindern ein Club-Spiel live verfolgte. "Aber die beiden waren auch schon im Stadion." Dass solche Spiele die emotionale Bindung an den Verein stärken, ist Rainer Sitzmann wichtig. "Die Konkurrenz ist groß. Wir haben in der Familie auch Bayern- und Schalke-Fans. Da muss man den Kindern schon früh die richtige Richtung vorgeben", sagt Rainer Sitzmann. Und grinst.

1. FCN Kirschbaum - Möhwald, Hovland, Bulthuis, Evseev (46. Behrens) - Petrak - Gislason (66. Burgstaller), Polak (76. Füllkrug), Stark (80. Kutschke), Schöpf - Blum (66. Sylvestr).

Kickers Brunnhübner (46. Wulnikowski) - Thomik (60. Demirtas), Weil, Schoppenhauer, Nothnagel (66. Gutjahr) - Billick (46. Karsanidis), Fennell - Shapourzadeh (60. Russ), Nagy (72. Haller), Benatelli (77. Lewerenz) - Bieber (72. Jabiri).

Tore 1:0 Schoppenhauer (4.), 1:1 Schöpf (23.), 2:1 Gislason (49., Handelf.), 2:2 Jabiri (82.).

Schiedsrichter Florian Bad stübner.

Zuschauer
3400.