Ihr Nein zum Aufstieg in die 1. Bundesliga in diesem Jahr gab die Tischtennisabteilung des TSV Bad Königshofen, derzeit Tabellenführer der 2. Liga, in einer Pressemitteilung bekannt. Ohne Kilian Ort, um den herum der gesamte Aufbau der Mannschaft und Durchmarsch bis in die 2. Liga stattfand und der zurzeit an einer langwierigen Schulterverletzung laboriert, will man diesen Schritt nicht tun. Der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist ungewiss. Zudem hätte der Lizenzantrag bis 28. Februar gestellt sein müssen. Im Februar werden in der Regel Spielerverträge für die nächste Saison geschlossen. Man hätte also fast die ganze Mannschaft auswechseln müssen, ohne zu wissen, wohin der Weg führt. Zudem gibt der TSV als Grund an, authentisch bleiben zu wollen und sich nicht um jeden Preis den Strukturen der TTBL (Tischtennis-Bundesliga) mit Dreier-Mannschaften anpassen. Ungeachtet dessen hält man den Titel eines Meisters der 2. Bundesliga für erstrebenswert und möchte ihn als Höhepunkt der bisherigen Entwicklung und einer sensationellen Saison erreichen.


Kein Verein will aufsteigen

Wie nun über Nico Stehle, den Geschäftsführer der TTBL zu erfahren war, habe kein einziger Zweitligist diesen Antrag gestellt und Interesse an einem Aufstieg bekundet. Demnach bleibt der Post SV Mühlhausen, der zum dritten Mal in Folge die Saison im TT-Oberhaus als Tabellenletzter beendet, erstklassig, ebenso wie auch der Vorletzte ASV Grünwettersbach nicht absteigen muss. Was steckt dahinter, dass keiner rauf will in diese Bundesliga? Auf jeden Fall eine große Diskrepanz zwischen dem Ober- und dem Unterhaus. So macht zum Beispiel Hans Wetzel, der Vorsitzende des Tabellenzweiten Passau, deutlich: "Es geht nur ums Finanzielle. Wir können uns das einfach nicht leisten und befürchten, ohne Verschuldung nicht durch die Saison zu kommen."
Schon die zweite Liga sei ein Kraftakt. Der Passauer Macher rechnet vor: "Der Mehraufwand für das Oberhaus liegt allein an administrativen Dingen wie Lizenzgebühr, Kameras oder rotem Fernsehboden." Er rechnet mit 50 000 bis 60 000 Euro pro Saison, "die notwendige Verstärkung des Kaders nicht mit eingerechnet."


Die Fans sind zufrieden

Bad Königshofens Manager Andy Albert bekannte dem Internetsportportal "sport24" gegenüber auf Nachfrage, dass "die Hauptpartner und die Fans mit dem Status Quo sehr zufrieden sind - trotz Tabellenführung. In dieser Liga dauern die Spiele zwei bis drei Stunden und es gibt zu Beginn zwei Doppel zu sehen, die unseren Sport erst zum richtigen Mannschaftssport machen." Das Erstaunliche indes: Anders als in Passau wären die wirtschaftlichen Voraussetzungen in Bad Königshofen für eine TTBL-Saison durchaus vorhanden. "Am Finanziellen scheitert es nicht. Auch die Rahmenbedingungen sind bei uns erstligareif. Die Kameras sind da, der rote Boden auch." Nur der Wille fehlt derzeit. Der Club habe ein Einzugsgebiet bis ins Thüringische und Hessische hinein. Bezeichnend sei, dass Zuschauer aus dem Raum Fulda kämen, die mit Fulda-Maberzell einen Erstligisten vor der Haustür haben: "Sie kommen wegen der besseren Atmosphäre hierher." Außerdem: "Bei uns steht und fällt alles mit Kilian. Seine Rückkehr ist ungewiss. Ohne ihn wollten wir das Abenteuer TTBL nicht eingehen." Albert ist davon überzeugt, dass die Eliteliga mehr junge deutsche Spieler braucht. Nur das bringe Zuschauer. "Ohne Eigengewächs gehen wir nicht hoch. Da investieren wir lieber in die Jugend." Dies alles hört sich indes nicht nach Absage an die TTBL für alle Zeiten an, sondern zunächst für die kommende Saison.


Die Frage nach dem Sinn

Die Kluft zwischen den beiden Ligen ist riesig. Die Bestrebung, die erste Liga von zehn auf zwölf Vereine zu vergrößern, ist zum derzeitigen Stand nicht nachvollziehbar. Zu hinterfragen ist indes, welchen Sinn es ergibt, wenn ein Verband seine dritte Liga mit Sechser-Mannschaften spielen lässt, die zweite Liga mit Vierer- und die erste Liga mit Dreier-Teams. In der Bundesliga gibt es keine Doppel. Das Spiel ist nach dem System 1-2, 2-1, 3-3, 1-1, 2-2 mit drei Siegen entschieden, möglicherweise also nach einer guten Stunde. In Bad Königshofen, so Albert, stelle man eine besondere Identifikation von Zuschauern und Mannschaft fest.
Nur über das so genannte "Centre-court-Prinzip", wonach nur an einem Tisch gespielt wird, sei aber, so Stehle, Tischtennis Medien-präsent. Überdies werde in den meisten europäischen Ligen mit Dreier-Teams gespielt. "Wir reflektieren laufend über bessere Modelle, haben den Event-Charakter im Blick", verspricht er. Doch welchen Wert haben TV-Beiträge, wenn es in einer Liga keinen Abstiegskampf gibt?