Durch die milchigen Glasscheiben fällt Tageslicht in die Eissporthalle. Das Eis auf der Fläche glitzert durch das Licht, was sich auch in den Augen der Mädchen widerspiegelt, die sich auf dem Eis aufwärmen. In zwei Gruppen sind die Kinder und Jugendlichen aufgeteilt, eine Gruppe mit Torhüterinnen, eine Gruppe mit Feldspielerinnen. Mit Begeisterung werfen sich die Mädchen auf den Boden, um die Übung, die ihnen vorgemacht wurde, zu wiederholen. Zimperlich ist hier niemand.


36 Länder, ein Ziel

Das Wochenende stand ganz im Zeichen des "Global Girls Game", einer von der IIHF ins Leben gerufene Veranstaltung, bei der 36 Länder mitmachten. Mädchen aller Altersklassen wurden weltweit in zwei Gruppen - Team "Blue" und Team "White" - eingeteilt, um einen Sieger zu küren. In Neuseeland ging es los, rüber nach Asien, Europa, in die Emirate, nach Afrika bis nach Nordamerika. Eine Veranstaltung, die ganz im Sinne von Spaß am Eishockey stand. Und der Austragungsort für Deutschland war Bad Kissingen.

Warum Bad Kissingen? Der Deutsche Eishockey-Bund kam auf den Verein GirlsEishockey.de von Thomas Christof zu. Christof lebt in Hammelburg, er gründete den bisher einzigen Mädchen-Eishockeyverein in Deutschland, nutzt für Camps oder andere Veranstaltungen immer gern die Kissinger Eissporthalle. Der Verein hat inzwischen über 170 Mitglieder. "Eishockey für Mädels hat Wachstumspotenzial", erklärte Christof. "Wir könnten in Bad Kissingen locker drei bis vier Wochenend-Camps im Jahr machen, da Kissingen so eine perfekte Lage für alle hat." Füssen im Ostallgäu ist das Bundesleistungszentrum für Eishockey, dieser Ort wäre aber für Familien aus dem Norden, deren Mädchen Eishockey spielen, zu weit weg.


Ein verlässlicher Partner

So fanden sich in der Eissporthalle in der Oskar-von-Miller-Straße 22 Mädchen im Alter zwischen sechs und 23 Jahren aus Bad Tölz, Berlin, Heilbronn, Dresden, und und und ein. "Für eishockeyverrückte Mädels und Eltern ist kein Weg zu weit", erklärte Christof mit einem Lächeln im Gesicht. Und auch Franziska Busch war da. Die Anreise der DEB-Frauenbeauftragten und ehemaligen Rekord-Nationalspielerin lag bei gut dreieinhalb Stunden. Die nahm sie gerne auf sich, war sie doch die Schirmherrin des Global Girls Game in Bad Kissingen. "Ich bin froh, dass der DEB mit GirlsEishockey.de einen Partner gefunden hat, der so verlässlich ist, was die Organisation und alles weitere angeht", sagte Busch. Durch die Eishockey-Weltmeisterschaft der U18-Juniorinnen, die vom 7. bis zum 14. Januar in Tschechien stattgefunden hatte, und die Olympia-Qualifikation der Eishockey-Frauen waren alle sehr eingebunden gewesen, so dass der DEB dankbar war, dass Christofs Verein die Organisation übernommen hatte.

Mädchen-Eishockey erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In Bad Kissingen konnte man das ziemlich gut verfolgen, schaute man sich die Mädchen an, die sich auf dem Eis bewegten. Nur glückliche, von der Kälte rot angelaufene, strahlende Gesichter waren zu sehen. Einige hatten sich mit roter, blauer oder weißer Farbe Herzchen und andere Muster in die Gesichter gemalt. Der Spaß stand hier zwar im Vordergrund, aber auf dem Eis war die nötige Härte des Sports auch dabei. Da wurde noch im Sitzen um den Puck gefightet und sich ohne Rücksicht auf Verluste in die Zweikämpfe geschmissen. Gerade auch die Allerjüngsten mit sechs Jahren zeigten sich läuferisch schon sehr stark und hatten einige Tricks auf Lager. Bei dem zweimal je 30 Minuten laufenden Event zeigte sich, was für qualitativ hochwertigen Eishockey die Mädchen in ganz Deutschland spielen. Ausgeglichen, auch im Ergebnis, ging es zu. Jede Minute ertönte ein Pfiff, der anzeigte, dass gewechselt werden musste. Auch hier zeigte sich, wie diszipliniert und ernst die Mädchen das Eishockeyspiel nahmen: Auch wenn eine Mannschaft im Vorwärtsgang war, musste sie die Aktion abbrechen, wenn der Pfiff zum Wechseln kam.


Unterstützung von den Wölfen

Unterstützt wurde die Veranstaltung von Günther Matzke, der für die Kissinger Wölfe als Spielzeit-Nehmer fungiert und die Spiel-Uhr bedient. Auch beim Global Girls Game stoppte und schrieb er die Zeiten auf. "Es ist schön zu sehen, wie die Mädels hier spielen. Das haben wir sonst in Kissingen nicht, Mädchen, die Eishockey spielen", sagte Matzke.

Als Trainer standen für Team Grün beziehungsweise "Blue" Eugen Pretzer, der Trainer der U14-Mannschaft der Mighty Dogs, und für das Team Rot beziehungsweise "White" Sarah Krippner von den Fichtelhill Hedgehogs an der Bande. "Die Veranstaltung ist sehr lehrreich und zeigt, wie sehr die Mädels Spaß haben, Eishockey zu spielen", sagte Eugen Pretzer, dessen Team "Blue" das Global Girls Game knapp mit 7:6 gewann. "Es ist eine wichtige Veranstaltung, die Werbung für den Mädchen-Eishockey macht und zeigt, dass Eishockey kein reiner Männersport ist", resümierte Pretzer. "Die Veranstaltung ist spitze", lobte auch Sarah Krippner, "die Mädels hatten Spaß, dass ist die Hauptsache." Die 28-Jährige, die selbst in der Hobbymannschaft der Fichtelhill Hedgehogs spielt, findet es wichtig, dass die Mädchen auch mal unter sich spielen und nicht nur in gemischten Gruppen.

Franziska Busch schloss sich des Lobes an: "Das ist eine tolle Sache hier. Was ich sehe ist, dass alle freiwillig hier sind und Spaß haben. Bei einigen zeigt sich auch, wie gut das Spielverständnis bereits in so jungen Jahren ist." Das Besondere war, dass viele Mädchen am Start waren, die auch von ihrer Erfahrung her unterschiedlich weit waren. "Ich kann hier ein paar Tipps geben, aber ich gebe keine Kritik. Der Wettkampf steht heute nicht im Vordergrund, sondern Freude und Spaß", sagte Busch. Das sah jeder, der zuschaute. Die Mädchen wollten nach dem Abpfiff gar nicht vom Eis herunter.


Zu wenig gefördert

So auch Celine Voll nicht. Die 20-Jährige, die aktuell in Höchstadt Eishockey spielt, hatte sichtlich Freude auf dem Eis. Sie fand, das Global Girls Game war "eine sehr wichtige Veranstaltung. Mädchen-Eishockey wird sowieso zu wenig gefördert." In die Eissporthalle nach Bad Kissingen würde sie jederzeit wiederkommen. Doch ob die Veranstaltung noch einmal in der Kurstadt stattfinden kann, steht aufgrund der eventuellen Schließung der Eishalle in den Sternen. "Eine Schließung der Kissinger Eishalle wäre sehr schade, wir haben sowieso schon zu wenig Eishallen in Deutschland", sagte Franziska Busch zur Problematik.

Auch Thomas Christof wäre betroffen: "Da wir immer wieder gerne für Camps und andere Veranstaltungen nach Kissingen kommen, würde die Schließung uns und die Mädels, die in Zukunft noch kommen, auch treffen." Eine Schließung würde dazu führen, dass das Glitzern auf dem Eis erlischt. Am Standort Kissingen dann womöglich für immer.