Kissinger Wölfe - EHC 80 Nürnberg 8:3 (1:0, 4:1, 3:2).
Der Moment, als sich Gegenwart und Zukunft begegneten, war ein ganz besonderer. Als die Mini-Wölfe aufs Eis kamen, um ihre Vorbilder zu beglückwünschen. Zarte Hände und große Pranken fanden zusammen, während die Fans die Humba zelebrierten. Nachvollziehbare Euphorie nach dem dritten Sieg in Serie. Gegen einen unmittelbaren Konkurrenten um einen Top-4-Platz. Obendrein wurde auch der direkte Vergleich gewonnen nach der 2:4-Niederlage im Hinspiel. Zu Beginn der Saison, als die Wölfe noch kein funktionierendes Rudel bildeten. Mittlerweile wird mit Strategie und damit effektiv Beute gemacht. "Ich sehe eine Entwicklung bei Spielern wie Michael Stach, Christian Masel oder Tim Tarvis. Zweikämpfe, Pass- und Schusspräzision und Disziplin. All das hat sich deutlich verbessert", sagt Mikhail Nemirovsky. Der Anführer, der immer das große Ganze im Blick hat und sich ungern mit statistischen Details beschäftigt. Ein Blick auf Spiel und Tore lohnt dennoch.

"Die hatten noch geschlafen. Ich habe sie aufgeweckt", kommentierte Wölfe-Vorsitzender Michael Rosin in der ersten Drittelpause den Auftakt. So schlecht war der nicht, weil die Saale-Jungs forsch begannen, mehr vom Spiel hatten gegen defensiv eingestellte Mittelfranken, die vornehmlich den Fangkünsten von Luca Feitl vertrauten. Der EHC-Goalie hielt bravourös, gab allerdings beim ersten Gegentreffer von Victor Ledin, der einem Nürnberger Spieler den Puck abgeluchst hatte, nicht die beste Figur ab (20.). Dass auf der Gegenseite auch Michael Tscherepanov in Vertretung des verletzten Timo Jung zu tun bekam, lag an den drei Zeitstrafen, die sich die Kissinger erlaubt hatten.


Starker Christian Masel

Gut war die Stimmung auf den Rängen, wo immer mehr Fans ihre Mannschaft aktiv unterstützen mit Trommeln, Fahnenschwenkern und Gesängen. Ein Motivationsschub, der sich im Mitteldrittel auch in Treffer niederschlug. Gewitzt verlängerte Michael Stach die Scheibe ins Tor (23.), ehe Roman Nikitin in 5:3-Überzahl auf 3:0 stellte. Es folgte der Auftritt von Christian Masel, der zwei wunderbar herausgespielte Treffer nachlegte (29., 34.). Und das in ungewohnter Verteidiger-Rolle. "Unsere vier Verteidiger haben alle super gespielt. Und Christian macht das besser als ich", schmunzelte Nemirovsky, der eine Zeitlang selbst in der Defensive ausgeholfen hatte.
"Wir haben eine Zeit gebraucht. Aber das Verständnis untereinander wird von Spiel zu Spiel besser", findet Kapitän Simon Eirenschmalz, für den die mitunter mangelnde Chancenverwertung "reine Kopfsache" ist. "Vor dem Tor sind wir manchmal zu umständlich. Wenn uns nichts gelingt, bekommen wir Druck. Treffen wir, dann flutscht es oft", weiß der 25-jährige gebürtige Peißenberger.

Hart und nicht immer fair, wie beim Banden-Check gegen Masel, hatten die Nürnberger auf den Kissinger Spielwitz reagiert, was gleich fünf Zweiminuten-Strafen im zweiten Drittel nach sich zog. Kurze Schlafmützigkeiten nutzten die Gäste zu drei Treffern, doch um ihre Lieblinge mussten die Wölfe-Fans nicht mehr bangen dank weiterer Einschläge des starken Tim Tarvis (45., 59.) und Nemirovsky (55.) im finalen Drittel.

"Ich fordere von meinen Spielern drei Dinge: Eier, Kopf und Herz", sagte der Wölfe-Coach später, für den Mentalität die Basis allen Handelns ist. "Ein Profi ist nicht der, der mit dem Sport sein Geld verdient. Sondern der, der eine professionelle Einstellung gegenüber seinem Sport und der Mannschaft hat", sagt der 42-Jährige. "Um den Puck muss man kämpfen wie der Hungrige um ein Stück Brot", schildert Nemirovsky den immerwährenden sportlichen Überlebenskampf, der die Kissinger Wölfe erst einmal auf den dritten Platz gespült hat. Verbunden mit der Gewissheit, dass der Eishockey-Sport in der Kurstadt mit so einer Truppe Zukunft hat.