FC Schweinfurt - SpVgg Unterhaching (Freitag, 19 Uhr)

Geht es nach dem großen Zampano, spielt der FC 05 irgendwie gegen die eigene Zukunft, wenn es am Freitagabend gegen Unterhaching geht. Die Spielvereinigung aus dem Münchner Süden ist schließlich genau da, wo der Schweinfurter Präsident Markus Wolf seinen Verein möglichst zeitnah sieht: auf Platz eins der Regionalliga Bayern; noch dazu mit einem Vorsprung und einer Dominanz ausgestattet, wie sonst nur ein anderer Fußball-Club aus der bayerischen Landeshauptstadt. Der halt drei Spielklassen höher.

Die Hachinger und der FC Bayern: Es gibt Parallelen zwischen dem Regionalliga-Primus und dem deutschen Meister, den die SpVgg im Jahr 2000 zu eben diesem gemacht hat. Damals, als Michael Ballack mit einem Eigentor die Leverkusener 0:2-Niederlage vor 11 300 Zuschauern im Unterhachinger Sportpark eingeleitet und Bayer 04 am letzten Spieltag die Meisterschaft verspielt hat. Erst ein Jahr später war das Bundesliga-Gastspiel für Unterhaching beendet. Und seitdem ist es ruhiger geworden um die Spielvereinigung, die mit dem Abstieg in die vierte Liga 2015 einen Tiefpunkt erreicht hatte. Nach Platz vier in der vergangenen Saison soll der "Betriebsunfall" diesmal mit Nachdruck repariert werden.


Meisterschaft war planbar

Und da sind sie dann, die Gemeinsamkeiten mit den Bayern: 24 Spiele, 19 Siege, fünf Unentschieden; 14 Punkte mehr und eine Partie weniger als "Verfolger" 1860 München II. Verloren hat Unterhaching in dieser Saison noch kein Spiel. Dazu hat Trainer Claus Schromm ein Ensemble beisammen, wie es für einen Viertligisten schon lächerlich hochklassig ist. Sascha Bigalke, Maximilian Nico, Dominik Stahl - nicht nur dieses Trio hat jede Menge Erst- und Zweitligaspiele auf dem Konto. Und vorne drin spielt mit Stephan Hain einer, den die Hachinger im besten Fußballeralter von den Münchner Löwen abgegriffen haben. In 21 Spielen hat der 28-jährige Stürmer 23 Mal getroffen - alleine viermal beim 5:0 im Hinspiel gegen Schweinfurt. So macht man eine Meisterschaft dann halt doch planbar.

Den Aufstieg freilich nicht. Die absurde Relegations-Regelung bringt die SpVgg in eine mental komplizierte Lage: Die Liga ist irgendwie abgehakt, schon im März geht's für Unterhaching nur noch um die Aufstiegsspiele zur dritten Liga. Nicht einfach, die Spannung da dauerhaft hochzuhalten. Wäre es nicht eine so abgeklärte Profitruppe, wäre das doch die Chance für Schweinfurt. Und ein kleines bisschen hat Unterhaching ja jüngst etwas nachgelassen, gegen die Club-Reserve und Schalding-Heining jeweils nur unentschieden gespielt. Was ist also drin, Gerd Klaus? "Wir spielen daheim und alles ist möglich", sagt der Schweinfurter Trainer.


Das Team muss zusammenhalten

Trotzdem: "Wir brauchen einen Sahnetag. Das ist eine absolute Topmannschaft auf Dritt- oder Zweitliga-Niveau. Für mich vom Tempo her vergleichbar mit dem 1. FC Nürnberg", weiß Klaus um die Schwere der Aufgabe. Auch die jüngsten Unentschieden zählen für den Trainer wenig, "da waren Stahl und Hain nicht dabei, die sind aber wieder fit." Wichtig wird es für den Coach sein, die herausragenden Individualisten in den Griff zu bekommen, "da muss die ganze Mannschaft mithelfen." Defensivarbeit ist also gefragt. Dafür wird der FC 05 etwas tiefer stehen als sonst in den Heimspielen und "nicht ins offene Messer laufen" - so geschehen im Hinspiel, als die 05er es rein fußballerisch probiert und eine schallende Ohrfeige als Quittung bekommen haben. "Gegen Haching Pressing zu spielen, macht keinen Sinn. Dafür sind sie zu schnell und gut. Aber wir wollen schon ein schönes Spiel präsentieren."

Ein reines Bollwerk soll es also auch nicht werden. Dafür spricht auch der Plan, mit Adam Jabiri und Nicolas Görtler, der seinen Vertrag bis 2019 verlängert hat, zwei Stürmer spielen zu lassen. Zumindest, wenn Jabiri kann - den 32-Jährigen plagen Oberschenkelprobleme. Risiken will Klaus bei angeschlagenen Spielern schon im Hinblick auf das wichtige Pokalspiel am kommenden Dienstag in Amberg nicht eingehen. Bei Görtler, Herbert Paul und dem Ex-Hachinger Marius Willsch sieht er solche nicht, alle drei sollen zurück in die Startelf rücken. Lukas Billick muss nach seiner roten Karte in Buchbach zum letzten Mal zuschauen.

Nach dem Sieg in Ingolstadt vorige Woche ist der ganz große Druck nicht da für die 05er. "Klar, das Positive ist, dass wir ganz gut dastehen. Aber wir wollen die Top-Sechs nicht aus den Augen verlieren. Und es ist schon ein großer Reiz dabei, die erste Mannschaft zu sein, die Unterhaching schlägt. Ein Freispiel gibt es nie", gibt der Trainer sich kämpferisch. Wenn es doch nicht klappt, wäre aber auch keiner böse. Angebrachter Respekt. Den soll die Konkurrenz irgendwann auch vor den Schweinfurtern haben.