20 Jahre Frauenfußball beim TSV Nüdlingen. Eine stolze Zahl eingedenk der Tatsache, dass der Deutsche Fußball-Bund von 1955 bis 1970 tatsächlich den Frauenfußball verboten hatte. Vorbei auch die Zeiten, als die Spielerinnen der Nationalmannschaft für den Gewinn der Europameisterschaft mit einem Kaffee-Service entlohnt wurden - das war 1989 der Fall. In diesen Tagen werden fast alle Spiele der Frauenfußball-WM sogar live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen.

Aktuelle und ehemalige Spielerinnen des TSV Nüdlingen ließen anhand der ausgelegten Fotos und in Gesprächen die "gute alte Zeit" nochmals Revue passieren. Als im Mai 1999 der Wunsch nach einer eigenen Fußballmannschaft reifte, nahm Angelika Kraus, die spätere Abteilungsleiterin, das Heft in die Hand und gründete zunächst mit zehn Spielerinnen eine Damenmannschaft. Mit Detlef Kiesel und Charly Weber heuerten sie zwei ehemalige Bezirksligaspieler als Trainer an. Für viele jugendliche Spielerinnen eröffnete sich jetzt die Möglichkeit, in einer reinen Frauenmannschaft Fußball zu spielen. Folglich hatte sich der Kader bereits ein halbes Jahr später verdoppelt.

Start auf Kleinfeld

Zunächst spielte man auf dem Kleinfeld Fußball und suchte sich die Gegner für die Spiele selbst. Als Highlight erwiesen sich die von Angelika Kraus organisierten Hallenturniere in der alten Schulturnhalle der Schlossbergschule. Das wöchentliche Training sowie die Trainingslager zur Saisonvorbereitung gehörten schnell zum Standardprogramm.

Alles andere als reibungslos verlief der Start in den Spielbetrieb. So versetzte die "Wilde Liga" der Frauen den Bayerischen Fußballverband (BFV) derart in Aufruhr, dass sogar Präsident Rainer Koch persönlich am 17. Februar 2008 anlässlich einer Sitzung der Funktionäre des Kreises Rhön im Nüdlinger Sportheim erschien.

Nachdem die Statuten des BFV einen Einsatz von Spielerinnen unter 14 Jahren nicht zuließen, hatte eine engagierte Königshöfer Fußballerin eine Liga außerhalb der Zuständigkeit des BFV organisiert, die im Sprachjargon nur "Wilde Liga" genannt wurde. Diesen "gesetzlosen Zustand" zu beenden, war das erklärte Ziel von Präsident Koch bei seinem Besuch in Nüdlingen. Letztlich führten die Bemühungen des BFV und Fragen der Haftung dazu, dass auch die Damenmannschaft des TSV Nüdlingen in die vom Verband neu angebotene Freizeitliga wechselte.

Mannschaft des Jahres

Obwohl dort ein Aufstieg nicht möglich war, ließ das Engagement nicht im Geringsten nach, sodass die Damen in dieser Zeit mit Jürgen Ballner als Trainer und Harald Ballner als Abteilungsleiter vier Meistertitel holten. Von der Gemeinde Nüdlingen wurden die TSV-Mädels 2011 als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet, außerdem wurde Torfrau Christiane Hartmann als Spielerinn des Jahres geehrt.

2014 übernahm der damals 26-jährige Benny Mast das Traineramt. Eine schwere Sportverletzung und der Umstand, dass seine heutige Frau bereits bei den Damen kickte, waren für seine Entscheidung ausschlaggebend. Die damit verbundene Professionalisierung des Trainings und die stetige Verbesserung der Spielqualität ließen den Wunsch reifen, am aufstiegsberechtigten Spielbetrieb teilzunehmen. Deshalb meldete sich das Team für die Saison 2016/2017 für die Kreisliga Rhön an. In dieser und in der nächsten Saison (2017/2018) konnte man sich stets im vorderen Mittelfeld behaupten.

Berufsbedingte Abgänge und Verletzungen reduzierten den Spielerkader erheblich, sodass die Frage anstand, wie es weitergehen sollte. Nachdem der SV Albertshausen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, trat man in der Saison 2018/19 erstmals als Spielgemeinschaft in der Bezirksliga an. Sportlich konnte sich das neue Team gut behaupten mit einem beachtlichen Platz im Mittelfeld.

Schnell zusammengewachsen

Die Nüdlinger Abteilungsleiterinnen Rebecca Erhard und Brigitte Gruteser sind voll des Lobes für ihre Kolleginnen aus Albertshausen. "Nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase sind wir schnell zu einer Gemeinschaft geworden. Das Zusammenspiel und das Miteinander läuft jetzt richtig super", so Rebecca Erhard. Brigitte Gruteser fügt ergänzend hinzu: "Für junge Mädchen ist Fußballspielen eine tolle Abwechslung, um vom Schulalltag oder Beruf abzuschalten, den Kopf frei zu bekommen und neue Freundinnen kennenzulernen."

Seit 2014 ist Benny Mast der Trainer der Nüdlinger Fußballerinnen, die inzwischen in einer Spielgemeinschaft mit Albertshausen in der Bezirksliga spielen. Rund um das 20-jährige Bestehen der Frauenfußball-Abteilung führten wir dieses Interview.

Herr Mast, Sie trainieren seit fünf Jahren die Damenmannschaft und waren vorher selbst als Fußballer aktiv. Welche Erfahrungen haben Sie als Trainer gesammelt?

Benny Mast: Das Engagement der Spielerinnen ist durchweg sehr hoch. Egal bei welchem Wetter, die Mädels sind da. Das Leistungsgefälle zwischen den einzelnen Spielerinnen ist jedoch sehr groß. Was daran liegt, dass viele erst mit 16 Jahren und älter mit dem Fußballspielen in einer Mannschaft beginnen. Andere, die schon einige Jahre in Knabenmannschaften gespielt haben, müssen erst einmal pausieren, um für die Damenmannschaft spielberechtigt zu sein. Es ist deshalb eine besondere Herausforderung, trotz unterschiedlicher Fähigkeiten der Spielerinnen für alle ein attraktives Training anzubieten.

Hört sich so an, als ob die Probleme aus der Zeit der "Wilden Liga" doch nicht gelöst wurden.

Ja, das stimmt im Wesentlichen. In der Damenmannschaft darf man frühestens mit 16 Jahren spielen. Vorher müssen die Mädchen mit den Jungs kicken, es sei denn, es gibt reine weibliche Jugendmannschaften. Im ländlichen Bereich ist dies geradezu illusorisch. Die bestehenden Regelungen des BFV werden der Lebenswirklichkeit bei uns nicht gerecht. Mädchen wollen häufig bereits mit zwölf Jahren nicht mehr mit Jungs zusammen in einer Mannschaft spielen. Sie hören dann auf und wenden sich anderen Sportarten zu. Vier Jahre warten zu müssen, um in der Damenmannschaft Fußball spielen zu dürfen, ist eine zu lange Zeit.

Was wäre die Lösung?

Grundsätzlich sollten Mädchen mit 14 Jahren für Damenmannschaften spielberechtigt sein. So hat es übrigens Präsident Koch damals bei seiner Sitzung in Nüdlingen auch in Aussicht gestellt. Um dem Schutzgedanken für die Jugendlichen trotzdem gerecht zu werden, wäre es möglich, die Einsatzzeiten pro Spiel oder pro Saison zu beschränken oder verbindliche Pausen zwischen den Spielen festzulegen. Grundvoraussetzung bleibt natürlich, wie bereits aktuell bei den 16-Jährigen, das Einverständnis der Eltern und auch aus medizinischer Sicht. Die Mädchen hätten dadurch die Möglichkeit, aktiv am Spielbetrieb aktiv teilzunehmen und Teil der Mannschaft zu bleiben. Aktuell sagen sie leider allzu oft dem Fußball Adieu, was sich an der Vielzahl der Abmeldungen von Damenmannschaften in unserem Gebiet zeigt. Das Herabstufen des Mindestalters würde diesen besorgniserregenden Trend nicht beenden, es wäre jedoch sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Das Gespräch führte Werner Freidhof